Asylbewerber: Streit um das Putzen

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Dass es zwischen jungen Asylbewerbern, die über Wochen und Monate in einer gemeinsamen Unterkunft leben, zu Spannungen kommen kann, ist wohl naheliegend. So geschehen im November vergangenen Jahres in einer Flüchtlingsunterkunft in Steinhilben, wo zwei Pakistani aneinander gerieten. Der jüngere der Beiden soll dem anderen dabei mit dem Tod gedroht haben und mit einem Hackebeil auf dessen Zimmertür eingeschlagen haben, wobei er einen Schaden in Höhe von 150 Euro verursachte.

Im Amtsgericht Münsingen beteuerte der junge Mann freilich seine Unschuld. Er sei mit seinem Kontrahenten in der Küche gewesen, habe geputzt, als es zum Streit gekommen sei, weil dieser „was Falsches“ gewollt hätte, was ihm aber peinlich gewesen sei. Ob es dabei um Sexuelles ging, wollte Amtsgerichtsdirektor Joachim Stahl wissen. 

Der Beschuldigte bejahte dies: „Er wollte mich in sein Zimmer ziehen und vergewaltigen“. Das Hackebeil habe der andere in der Hand gehabt, in der Rangelei vor der Zimmertür sei mit dem Küchengerät in die Tür gestochen worden.  

Staatsanwalt Dr. Florian Fauser hielt dem Beschuldigten vor, dass die Fotos der beschädigten Tür darauf schließen ließen, dass mehrfach auf diese eingeschlagen oder gestochen worden sei. Amtsrichter Joachim Stahl ermahnte den jungen Mann bei der Wahrheit zu bleiben: „Es macht keinen guten Eindruck, wenn Sie uns Märchen erzählen“.

Der Kontrahent des Streits selbst konnte vor Gericht nicht als Zeuge vernommen werden, weil er seit Anfang des Jahres nicht mehr in Steinhilben wohnt, sich wohl in Frankreich befindet. Aber zwei weitere Pakistani waren als Zeugen geladen. Der eine erklärte, dass es Streit gegeben habe, weil dem Angeklagten vorgeworfen worden sei, nicht oft genug zu putzen. Zu Zweit habe man die Streithähne getrennt, den Älteren in sein Zimmer gebracht. Der Angeklagte habe dann mit dem Hackebeil auf die Tür eingedroschen. Von Drohungen wusste der Zeuge aber nichts.

Christine Mittermaier von der Jugendgerichtshilfe schilderte das Leben des Beschuldigten, der mit zehn Jahren Waise wurde, als seine Eltern bei einem Bombenanschlag ums Leben kamen. Sie schilderte ihn als ehrgeizigen Mann, der den Wunsch habe, in Deutschland zurecht zu kommen. Richter Stahl sah ihn der Sachbeschädigung schuldig und verurteilte ihn zu 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

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