"Sie sind Ausnahmepersönlichkeiten"

Berlin.  Walter Ott erhält den Deutsch-Jüdischen Geschichtspreis. Eine Auszeichnung für seine unermüdliche Arbeit, mit der er die Erinnerung an jüdische Bürger in Buttenhausen seit vielen Jahren wachhält.

Zum zehnten Mal verleiht die US-amerikanische Obermayer-Stiftung in diesem Jahr den "German Jewish History Award" an deutsche Ehrenamtliche, die sich seit Jahrzehnten um die Erinnerung und Aufarbeitung der jüdischen Vergangenheit bemühen. "Die Gewinner haben außergewöhnliche Arbeit geleistet. Sie sind Ausnahmepersönlichkeiten", so Dr. Arthur Obermayer, Präsident der Obermayer-Stiftung. Die Preisträger, drei Frauen und zwei Männer, stammen aus Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Hessen. Walter Ott aus Buttenhausen ist einer von ihnen.

Er nahm am 25. Januar im Berliner Abgeordnetenhaus die hohe internationale Auszeichnung mit einem Lächeln entgegen. Seine Frau, drei seiner fünf Kinder und zwei Enkelinnen begleiteten ihn an diesem großen Tag. Und bei ihnen bedankte er sich dann als erstes für ihre Unterstützung "bei dieser nicht immer einfachen Aufgabe". Es seien schließlich seine Kinder gewesen, die ihm geholfen hätten, die Grabsteine auf dem Friedhof wieder aufzurichten, so der 81-Jährige.

Nach den Ansprachen von Walter Momper, Präsident des Abgeordnetenhauses, Arthur Obermayer, und der Festrede von Jutta Limbach, ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, erhielt Walter Ott als letzter der Gewinner die Urkunde. Seine kleine Dankesrede hielt er ohne Manuskript ("ich wusste ja gar nicht, dass man da was sagen darf"), dafür aber mit viel Herzblut und Sinn fürs Wesentliche.

Es ist nicht die erste Ehrung, die der Buttenhausener für seine Erinnerungsarbeit erhält, aber vielleicht die wichtigste. Denn dieser Preis gilt heute als die höchste Auszeichnung, die einer Einzelperson zuteil werden kann. Das liegt auch daran, dass die Preisträger von Juden vorgeschlagen werden, denen das ganze Ausmaß der barbarischen Hitlerzeit bewusst ist.

Jutta Limbach erinnerte in ihrer Festrede daran, wie die Deutschen in der Nachkriegszeit vor der Wirklichkeit und Verantwortung flüchteten. "Bestürzend war vor allem deren Sprachlosigkeit bei der Begegnung von Juden. Jedes Anzeichen von Mitleid und Interesse blieb aus."

Ganz anders haben dagegen die Preisträger gehandelt, sie suchen nach Zeitzeugen und Dokumenten, nach Daten und Ereignissen. "Für sie meint Erinnern aktives Tun. Sie stemmen sich mit ihrem Handeln gegen ein Vergessen oder Verdrängen dessen, was in ihrer Gemeinde oder Nachbarschaft während des Naziregimes und danach geschah. Sie handeln in der Absicht, Menschen ihre Geschichte wieder zu geben."

Die Preisträger, darin waren sich alle einig, werden ihre Arbeit fortführen. Mit Begeisterung - denn die Begegnungen mit den jüdischen Nachfahren gehörten zu den wichtigsten Erfahrungen ihres Lebens, wie alle betonten. Auch auf Walter Ott warten schon die nächsten Schulklassen und Gruppen, die etwas über die jüdische Geschichte in Buttenhausen erfahren möchten.


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Autor: ANNETTE SIEGRIST | 27.01.2010

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