Arbeitstage vergehen wie im Zeitraffer

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Einmal wöchentlich führt Annabell Burkhardt bei ihrer Arbeit als Animateurin die Hotelgäste auch in die Dünenlandschaft von Maspalomas.  Foto: 

Die ersten drei Wochen meines Einsatzes in Gran Canaria sind vorüber – was sich bei einer 45-Stundenwoche mit Arbeitszeiten von 10 Uhr morgens bis teilweise 23.30 Uhr anfühlt, als wären es gerade mal vier Tage gewesen. Das Hotel, dass mir am Anfang wie ein Labyrinth erschien, fühlt sich mittlerweile wie ein Zuhause an. Zu meinem „richtigen“ Zuhause laufe ich 20 Minuten. Der Bungalow gehört zu einer der unzähligen Ferienhausanlagen die es hier gibt. Allesamt aufgebaut wie eine kleine Stadt, mit einem großen Pool als „Zentrum“.

Die Temperaturen sind hoch, schon auf dem Weg zur Arbeit läuft der Schweiß und man denkt sich, kann es noch schlimmer werden? Ja es kann, vor allem dann, wenn der Sandsturm Calima seinen Schleier um die Insel legt.

Hitze und Sandsturm

Calima ist eine Wetterlage mit Ostwind auf den Kanarischen Inseln. Schon beim Hinflug beschwerte sich mein Nebensitzer über den Nebel, der ihn selbst bis in den Urlaub verfolge. Denn zieht der Calima auf, ist von den Bergen nichts mehr zu sehen, auch die Sonne sucht man vergebens. Doch gerade jetzt ist Vorsicht geboten, die Sandkristalle reflektieren das Licht und sorgen selbst bei regelmäßigem Eincremen für gerötete Haut. Vor allem in der Umgebung der Dünen, in Maspalomas.

Die Dünen werden bei unserem Animationsangebot einmal wöchentlich im Rahmen der „Dünenwanderung“ besucht. Das Ziel ist die höchste Düne, mit 23 Metern. Dorthin gelangt nur, wer den langen und auch harten Weg auf sich nimmt. Generell ist die Wanderung nur morgens oder spät abends möglich, denn Natursand werde noch schneller heiß und erreiche noch höhere Temperaturen, als künstlich aufgeschütteter, erzählt mein Kollege. Hat man nach eineinhalb Stunden Wanderung die höchste Düne bestiegen, weiß man, es war jeden Tropfen Schweiß wert. Das Meer liegt einem zu Füßen wohin man auch schaut, die Luft weht kühl um die Nase und man kann bis an die Küste „Playa del Ingles“ sehen. Hüpft man die Düne wieder herab und macht man sich wieder auf den Weg ans Meer, kommt man an einem berühmten Kiosk mit Regenbogenflagge vorbei. Der Regenbogen steht für die Akzeptanz der Homosexualität. Wofür Gran Canaria schließlich bekannt ist. Die zwei Meter hohen Wellen brechen und reichen einem bis zu den Füßen. Die Socorrista (Rettungsschwimmer) arbeiten auf Hochtouren. Beim Blick nach links und rechts ist klar: Hier ist das Refugium der FKK-Anhänger, dafür sind die Dünen von Maspalomas bekannt. Eine halbe Stunde später erreicht man den Leuchtturm, der mit 54 Metern eine stattliche Höhe vorweisen kann, aber nur noch zur Dekoration dient.

Zurück im Hotel angelangt geht es für die Gäste an den Pool, für das Team weiter an die Arbeit. Mittagspause ist eine Seltenheit, doch die Arbeit macht Spaß. Gegessen werden darf als Animateur im Restaurant. Kellner, die Socorrista und auch alle anderen Mitarbeiter essen im unterirdischen Speiseraum. Der Kidsclub ist momentan wie ausgestorben, doch verabschiede ich um 17.30 Uhr die letzten Kinder, schaudert es mir beim Gedanken an die Herbstferien. Läuft man mit einem schreienden Kind an der Hand zur Mutter, wird man von den Gästen gemustert. Von manch einem bekommt man ein mitfühlendes Lächeln, von manch einem eine vorwurfsvoll gezückte Augenbraue die förmlich aussagt, „Hier werden Kinder geschlagen!“.

Einmal in der Woche darf man sich auf die Minidisco „freuen“, die insgesamt vier Mal die Woche stattfindet. Vergangene Woche hatte ich 12 Stunden Proben – blaue Flecke und Zerrungen inklusive. Die Shows, die drei Mal wöchentlich stattfinden, zehren noch einmal die letzte Kraft, doch das Lob der Gäste baut immer wieder auf. Und auch auf der Bühne zu stehen macht von Mal zu Mal mehr Spaß und krönt einen langen Arbeitstag. Laufe ich dann von der Arbeit nach Hause, ob Tag oder Nacht, gehe ich an einem Kanal entlang. Vor rund siebzig Jahren war dieser noch mit Wasser aus den Bergen gefüllt. Heute wird er als Weg für die „Gassirunde“ benutzt. Dass der Kanal nicht mehr voll ist, liege am Klimawandel, erklärt mir ein alter Mann, dem ich jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit begegne. Folgt man diesem Kanal noch rund 15 Minuten weiter, erreicht man die große Markthalle, in der mittwochs und sonntags der Markt stattfindet. Betrachtet man den Markt auf einer Erhöhung, mit den Bergen und Palmen im Hintergrund, erkennt man die Besonderheit: Die Stände sind selbstgebaut, miteinander verbunden und mit dunklen Netzen überhangen. Es erinnert mich an Bilder von Afrika.

Ist der Arbeitstag vorbei, folgt meist noch eine Runde Tabu. Jeder Abend wird hier gemeinsam mit dem Team verbracht, ob auf der Terrasse, am Pool oder gar am Meer. Schon jetzt weiß ich, ohne Team funktioniert bei diesem Job nichts.

Monate Auszeit nehmen sich viele junge Leute nach dem Abitur – das „Gap Year“. Heute erscheint der zweite Bericht von Annabell Burkhardt über ihre Arbeit auf Gran Canaria.

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