Angst vor Repressalien ist riesengroß

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In einer Wohnung in Kleinengstingen traf sich dieser Tage der Kreis derer, die sich um die chinesischen Frauen kümmert. Diese wollten ihre Gesichter nicht zeigen, aus Furcht vor Verfolgung.  Foto: 

Ihre Namen wollen sie nicht nennen, ihre Gesichter dem Fotografen nicht zeigen. In Engstingen leben sieben Frauen, die aus China stammen, und die Angst haben. Angst vor dem langen Arm der Machthaber in der Volksrepublik, Angst davor, dass sie und vor allem ihre Angehörigen Repressalien erleiden. Und das aus dem einfachen Grund, dass sie christlichen Glaubens sind.

Vier Frauen anerkannt

Was in Deutschland wenig bekannt ist: Christen im gottlosen Staat China werden allzu häufig wegen ihres Glaubens verfolgt, eingesperrt und im schlimmsten Fall sogar gefoltert. Mit viel Glück ist es den heute in Engstingen lebenden Chinesinnen vor zwei Jahren gelungen, Touristenvisa zu ergattern und so China zu verlassen, um in Deutschland Asyl zu beantragen. Was freilich nicht in jedem Fall von Erfolg gekrönt ist. Immerhin vier der Frauen konnten glaubhaft darstellen, dass sie in ihrer Heimat verfolgt wurden und wieder würden. Drei von ihnen jedoch erhielten Ablehnungsbescheide, gegen die sie Widerspruch einlegten. In ihren Fällen muss jetzt das Verwaltungsgericht Sigmaringen entscheiden, ob sie bleiben dürfen.

Von „Willkür“ spricht in diesem Zusammenhang Friedrich Walz, Pfarrer im Ruhestand, der sich mit anderen Engstinger Christinnen und Christen um die chinesischen Frauen kümmert. Wirtschaftliche Motive würden als Fluchtgrund angenommen, Visummissbrauch unterstellt. „Es wird dabei nur vergessen, dass Christen in China die Lebensgrundlage entzogen wird, weil sie keinen Beruf mehr ausüben dürfen“, weiß Walz. Das bestätigten drei der Frauen, die sich dieser Tage mit ihren Unterstützern in einer Engstinger Wohnung getroffen haben: „Wer als Christ erkannt wird, wird arbeitslos und muss danach von seinen Glaubensbrüdern und -schwestern unterstützt werden.

Lehrerin, Juristin, Verkäuferin, Inhaberin eines Bekleidungsgeschäfts: Die Frauen haben verschiedene Berufe ausgeübt, die ihnen genommen wurden: „Mein Laden wurde boykottiert“, so eine der Chinesinnen. Friedrich Walz erinnert das fatal an die Zeit des Nationalsozialismus, als den Juden in Deutschland ähnliches widerfuhr.

Die drei Chinesinnen, die in erster Instanz abgelehnt wurden, leben seither in der Angst, in ihr Heimatland abgeschoben zu werden. Sie haben im Grunde keine Chance, sich in Deutschland zu integrieren. Für zwei von ihnen finanzierte die evangelische Kirchengemeinde einen Integrationskurs. Zum Dank dafür leisteten die Frauen Putzarbeiten in der Kirche, so Walz. Die anderen Frauen besuchen Sprachkurse, tun sich damit aber schwer, weil es für sie gilt, zunächst ein komplett neues Alphabet zu lernen.

Regelmäßig wird gefilzt

In Engstingen jedenfalls kümmert man sich rührend um die Chinesinnen. so bietet etwa Vera Vöhringer einmal in der Woche Filzen in ihrer Filzwerkstatt an, ein Termin, zu dem manchmal alle Chinesinnen kommen. Auch am sonntäglichen Gottesdienst nehmen die Frauen teil, auch wenn sie kaum etwas verstehen. Dazu sind zwei von ihnen regelmäßig beim vierzehntägigen Hauskreis.

Artikel 36 der Verfassung der Volksrepublik China besagt, dass die Bürger der VR China Glaubensfreiheit genießen und dass der Staat „normale“ religiöse Tätigkeiten schützt. Jedoch heißt es gleichzeitig: Niemand darf eine Religion dazu benutzen, Aktivitäten durchzuführen, die die öffentliche Ordnung stören, die körperliche Gesundheit von Bürgern schädigt oder das Erziehungssystem des Staates beeinträchtigt. Religiöse Organisationen und Angelegenheiten dürfen von keiner ausländischen Kraft beherrscht werden. Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Christenverfolgung zu sehen. Seit einigen Jahren hat diese zugenommen. Nur für Christen, die sich in Hausgemeinden treffen, gebe es keine Probleme. Doch oft würden sie von Nachbarn denunziert, hat Pfarrer i. R. Friedrich Walz erfahren. Dann drohe Verhaftung. Wer dem Glauben nicht abschwöre, verliere Arbeits- oder Studienplatz, der Familie drohe Sippenhaft. Über die Zahl der Christen in China gibt es unterschiedliche Quellen. Offiziell ist von 19 Millionen die Rede, doch anderen Angaben zufolge sind es mehr als 100 Millionen.

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