Albleisa überzeugen Kommission

Die regional schwäbischen Linsensorten "Albleisa" wurden von der Slow Food Stiftung für Biodiversität als besonders erhaltenswerte Kulturpflanzen eingestuft. Sie sollen nun geschützt werden.

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Nun ein Slow Food Presidio-Projekt: Die "Albleisa". Foto: Archiv

Beim Besuch der Slow Food Stiftung für Biologische Vielfalt auf der Schwäbischen Alb im Sommer konnte die Linse die internationale Stiftungskommission in allen Belangen überzeugen. Die "Albleisa", so der Name im schwäbischen Dialekt, wird nun zum Slow Food Presidio-Projekt. Diese Projekte unterstützen Landwirte und Lebensmittelhandwerker dabei, ihre traditionell hergestellten Produkte in der modernen Wirtschaft zu vermarkten, und so zu erhalten.

Ein Presidio (italienisch für Schutzraum) verwirklicht sich als ein Netzwerk von engagierten Landwirten, handwerklich arbeitenden Lebensmittelproduzenten, interessierten Händlern, Köchen, wissenschaftlichen Experten und bewussten Verbrauchern, die sich zusammen aktiv für den Erhalt von besonderen Pflanzensorten, Tierrassen, Lebensmitteln und Kulturlandschaften einsetzen.

Weltweit existieren etwa 400 Presidi in über 50 Ländern, darunter der italienische Culatello di Zibello-Schinken, das österreichische Grubenkraut und die Zulu-Schafe von Südafrika. In Deutschland gibt es neben den neu hinzugekommenen Linsen noch vier weitere Presidi: den Schaumwein aus der Champagner-Bratbirne (Presidio seit 2007), die Kartoffelsorte Bamberger Hörnla (2009), den Limpurger Weideochsen (2009) und den Fränkischen Grünkern (2010).

Alblinsen zeichnen sich durch einen intensiven, aromatisch-nussigen Geschmack aus. Sie enthalten wie die meisten Hülsenfrüchte relativ hohe Gehalte an Eiweiß und Mineralstoffen. Dadurch wurden sie gerade in ärmeren Regionen, wie es die Schwäbische Alb lange Zeit war, ein Ersatz für Fleisch. Für eine vollwertige Eiweißversorgung müssen Hülsenfrüchte allerdings gemeinsam mit Getreidespeisen verzehrt werden. Diese moderne wissenschaftliche Erkenntnis steckt schon in vielen traditionellen Gerichten, wie zum Beispiel dem Schwäbischen Nationalgericht "Linsen und Spätzla".

Vor 30 Jahren war der Linsenanbau auf der Alb verschwunden, und mit ihm die alten einheimischen Sorten. Die niedrigen Erträge und der große Arbeitsaufwand bei Ernte und Reinigung waren ausschlaggebend für das Verschwinden dieser seit über zwei Jahrtausenden auf der Alb kultivierten Nahrungspflanze. Heute bauen über 60 Landwirte wieder Linsen an - und zwar ausschließlich nach den strengen Richtlinien ökologischer Anbauverbände. Dementsprechend vielfältig präsentieren sich die Linsenäcker; zwischen den Linsen und ihrem Stützgetreide, meist Hafer oder Braugerste, tummeln sich unzählige Insekten und Kleinstlebewesen; es finden sich zahlreiche Ackerwildkräuter.

Die besonderen Standortsbedingungen auf der Schwäbischen Alb, die traditionelle, biologische Bewirtschaftung, die alten Sorten und deren spezifische Gerichte knüpfen an lokale Traditionen auf dem Feld und in der Küche an. Die Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa und das Presidio werden unterstützt von den Slow Food Convivien Stuttgart und Tübingen.

Info Mehr Informationen im Internet unter www.alb-leisa.de.

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