„Will dich als Freund – mehr nicht“

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Im Landgericht Tübingen wurde gestern verhandelt. Foto: dpa  Foto: 

In der Nacht vom 27. auf den 28. Dezember vergangenen Jahres soll ein 46jähriger Mann in Trochtelfingen eine ebenfalls im Ort lebende Frau mehrfach unter Drohungen und Schlägen in seiner eigenen Wohnung vergewaltigt haben. Erst in den Morgenstunden habe sich das Opfer per Handy bemerkbar machen und zweimal einen Notruf absetzen können, wie am ersten Verhandlungstag in der Anklageschrift verlesen wurde.

Der vermeintliche Täter hatte den Hergang allerdings völlig anders geschildert: Die „Rollenspiele“, wie er gestern ausführte, habe die Frau nicht nur gewollt – sie seien sogar von ihr ausgegangen. Bei der Vernehmung des Opfers am zweiten Verhandlungstag habe die Frau das allerdings weit von sich gewiesen und bestritten, wie Rechtsanwältin Meta Lindenbach als Nebenklagevertreterin betonte. Das Opfer hatte ihre Angaben vor dem Landgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit gemacht. Warum sie sich in jener Nacht erst nach vielen Stunden bei der Polizei gemeldet hatte? „Die Frau sagte, dass sie die ganze Nacht unter Beobachtung des Täters stand und keine Gelegenheit hatte, zu telefonieren“, so Lindenbach.

Und die Geschichte von 2001, als genau der gleiche Trochtelfinger schon einmal von genau der gleichen Frau wegen Vergewaltigung angezeigt wurde? „Das waren eher sexuelle Übergriffe, der Freund der Frau hatte sie damals gebeten, die Anzeige zurückzunehmen“, so die Rechtsanwältin am gestrigen Donnerstag. Bei der nochmaligen Vernehmung des Angeklagten ging der 46-Jährige erneut auf die „Sexspiele“ des Paares ein: „Ich habe sie verhöhnt, sie hat mich verhöhnt, dann hat sie zugebissen.“ Und zwar sehr heftig, in seinen Penis. Er sei danach mit der Verletzung im Krankenhaus gewesen, habe kein Wasser mehr lassen können und heftige Schmerzen gehabt. In der Wohnung habe er zudem Blut aufgewischt, das allerdings von Nasenbluten gestammt haben soll. Ein blutiger Abdruck an einer Wand rühre ebenfalls daher.

Strittig sei laut Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Trück im Moment noch, wer der tatsächliche Verfasser des Textes sein könne, in dem das Opfer mit ihrer Unterschrift bestätigte, dass sie sich freiwillig auf die „Sexspiele“ eingelassen habe. Am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte gesagt, er habe sich diese Bestätigung schreiben lassen, damit er nicht erneut vor einem Gericht landen würde. Gezwungen habe der die Frau aber nicht dazu. Ein Sachverständiger soll nun voraussichtlich am kommenden Montag berichten, wer denn den Text tatsächlich geschrieben hatte.

Am gestrigen Donnerstag hatte das Richtergremium stundenlang WhatsApp-Nachrichten verlesen, die in den zurückliegenden rund 15 Monaten hin- und hergegangen sind zwischen dem Angeklagten und dem Opfer. Die häufigsten Worte, die darin zu lesen waren: „Was machst? Kommst?“ Der 46-Jährige hatte diese Meldungen verfasst, allerdings waren auch von ihrer Seite häufige Anfragen gekommen, wie er denn den heutigen oder morgigen Abend verbringen werde. Aber: „Ich will dich als Freund – mehr nicht“, hieß es einmal. Seine sexuellen Anspielungen hatte sie zumeist ignoriert.

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