"Ich empfinde großen Respekt"

Wenn Wolfgang Henzler über Schwierigkeiten schreibt, dann meint er nicht seinen Zwangsaufenthalt in Kathmandu. Das ist Nebensache. Er sorgt sich um die Menschen in dem von Krisen geschüttelten Land.

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. Eigentlich wurde der Gründer und Vorsitzende des Vereins Mountain Spirit bereits am Mittwoch in Lichtenstein erwartet. Sein Flug verschiebt sich nun aber um eine Woche. Grund: Treibstoffmangel. Dieser wiederum geht auf ein Embargo zurück, für das die indische Regierung verantwortlich gemacht wird. Gleichzeitig proben ethnische Minderheiten im Süden des Landes den Aufstand.

Die Lage ist unübersichtlich, die Bevölkerung leidet. Wolfgang Henzler: "Benzin, Diesel, Gas ist schwer zu erhalten. Der Schwarzmarkt blüht. Es werden horrende Summen bezahlt." Auch Lebensmittel und Rohstoffe, die aus dem Nachbarland eingeführt werden, gehen zur Neige. Teigwaren sind so gut wie ausverkauft. Es bilden sich lange Warteschlangen. Wer sich ein bis zwei Tage geduldet, hat die Chance, einen halben Gaszylinder oder 20 Liter Benzin oder Diesel zu ergattern. Für Nepal geht das Katastrophenjahr mit einer neuen Tragödie zu Ende. Nur ist es diesmal nicht die Natur, die das Land ins Unglück stürzt. Nepal sollte zu einer föderalen und säkularen Republik werden. In eine neue Verfassung wurden große Hoffnungen gesetzt. Der neue Premier Khadga Prasad Oli sollte die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zusammenführen, aber es kam zu Ausschreitungen mit Toten und Verletzten. Die Grenzübergänge sind blockiert, Hindu-Nationalisten protestieren auf beiden Seiten.

Für Wolfgang Henzler sind diese Probleme ein Grund mehr, die Hilfsprojekte anzutreiben. Mit einer kleinen Gruppe ist er am 20. Oktober zu einer Home-Stay-Reise aufgebrochen. Sie führte ins Solu Khumbu Gebiet, unter anderem nach Phungmuche. Dort wurde die Bhuddist Lower Secondary School und das Hostel zerstört, unterrichtet wird seither in Zelten.

Die Schüler und ihre Lehrer erhielten 125 Decken, vier Mitreisende stellten 5000 Euro zur Verfügung. "Es war toll, die Freude der Kinder zu sehen." In Chyangmiteng werden den Familien rauchfreie Öfen zur Verfügung gestellt. Jeder Haushalt übernimmt die Hälfte der Kosten. Shermathang: Dort soll die vom Erdbeben zerstörte Yangrima School wiederaufgebaut werden. "Die Piste ist nahezu fertig, um die Baumaterialien zu transportieren." Insgesamt 18 000 Euro konnten als Spende übergeben werden. Die Laptop-Aktion läuft bestens. 36 Geräte sind geliefert, neun Schulen mit 96 Laptops sind im Einsatz, weitere Schulen folgen, sobald die Workshops abgeschlossen sind.

Begehrt sind auch die Wasserfilter Paul. Elf sind an örtliche Partner übergeben worden, weitere sind auf dem Weg. Wolfgang Henzler betont, wie wichtig sauberes Trinkwasser ist, Unterstützung generell. "Wir suchen weitere Sponsoren für Patenschaften." Gerade die Kinder sind auf Hilfe in diesem ohnehin armen Land angewiesen und jetzt ganz besonders. Es fehlt an allen Ecken und Enden. Die Blockade sorgt nicht nur für leere Regale in den Läden, sie stoppt auch die Produktionen. Viele Arbeitsplätze gehen verloren oder sind gefährdet. Die Öfen für Chyangmiteng können nicht gebaut werden, da Stahlplatten fehlen. Jetzt stellt die Regierung Holz zur Verfügung. Ein Kilo für 25 Rupien, gespalten 40 Rupien. In der Hauptstadt, in der immer wieder die Stromversorgung zusammenbricht, wird wieder über dem offenen Feuer gekocht. "Beim Einbruch der Dunkelheit lodern die Flammen." Als gespenstisch empfindet dies Wolfgang Henzler: "Es ist ein Sprung zurück in die Vergangenheit."

Am Donnerstag schreibt er: "Ich stehe auf dem Balkon in der Morgensonne und beobachte das morgendliche Treiben. Wäsche wird zum Trocknen aufgehängt, wie auf ein Kommando. Rege Geschäftigkeit. Kaum Verkehr, alle sind zu Fuß unterwegs, das allgegenwärtige Hupen fehlt komplett. Holzfeuer, wo der morgendliche Tee zubereitet wird. Im Moment haben wir keinen Strom. . . Für uns unvorstellbar, stoisch schiksalsergeben leben die Nepalis ihr Leben. Ich empfinde grossen Respekt."

Info Weitere Infos unter www. Mountainspirit-deutschland.org. Spendenkonto :Mountain Spirit Deutschland, Volksbank Reutlingen,BIC VBRTDE6R, IBAN DE32640901000311759009.

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