"Als wäre ich auf einer Insel"

Wer Dudelsack spielen lernen will, muss vor allem eins mitbringen: viel Geduld. Die brauchte auch Max Engler. Bis er seinem schottischen Instrument erste brauchbare Töne entlockte, verging viel Zeit.

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Max Engler holt noch einmal tief Luft, dann erklingt ein weit verbreitetes deutsches Volkslied: "Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus. . ." So bekannt die Melodie auch ist, hört sie sich seltsam und fremd an. Das hat einen einfachen Grund: Engler trägt das Stück mit einem Dudelsack vor. Seine Augen sind geschlossen, er konzentriert sich ganz auf die Musik. Mit leichtem Druck presst er seinen linken Ellenbogen gegen den Rindsledersack, die drei Pfeifen brummen den andauernden, tiefen Grundton, während seine Finger über die kleine Flöte am unteren Ende des Instruments huschen und für die Melodie sorgen.

Es ist ein lautes Instrument und die ungewohnten Klänge hallen im Ohr noch nach, als Engler das Spiel beendet hat. Zurzeit tritt er mit dem Fanfarenzug Obermarchtal auf. "Es war höchste Zeit, wieder mehr zu üben. Bei längeren Pausen verkrampft man leicht, das Fingerspiel ,rostet einfach ein", sagt er.

Die Verzierungen im Spiel seien es, die das Ass ausmachen. Dudelsack-Spieler sind alle Individualisten, ist Engler überzeugt. Er grinst leicht, als er das sagt. Seine Begeisterung ist ihm anzumerken, während er über das Dudelsack spielen spricht. "Wenn ich spiele ist es, als wäre ich auf einer Insel, dann gibt es nichts anderes."

Beinahe hätte es diese Leidenschaft jedoch fast nicht gegeben, wären nicht er und ein Freund zufällig vor vielen Jahren über eine Kleinanzeige gestolpert: Dudelsack zu verkaufen. "Da dachten wir uns, das wär mal was Neues. Im Grunde entstand alles aus einer ,Bieridee", erzählt der 52-Jährige. An die ersten "Gehversuche" auf dem neuen Instrument erinnert er sich noch genau. "Wir hatten nicht mal eine Ahnung, wie man einen Dudelsack richtig hält. Töne bekamen wir zwar heraus, aber die klangen schrecklich." Zwar besaßen beide musikalische Kenntnisse, doch die halfen ihnen in diesem Fall nicht weiter. Schnell waren sie an dem Punkt angekommen, an dem sie sich fragten: Lassen wirs sein oder lernen wirs richtig? Da ihr Ehrgeiz inzwischen geweckt war, kam für sie nur die zweite Möglichkeit in Frage und sie nahmen Unterrichtsstunden bei der "Ehingen Donau Pipe Band". Dort wurde ihnen klar: Wer Dudelsack spielen richtig lernen will, der braucht viel Luft, nicht nur für das Instrument selbst, denn: Brauchbare Ergebnisse ließen auf sich warten. Geduld war gefragt.

Nach vielen Stunden auf der Übungsflöte war es nach einem Jahr so weit - sie konnten mit der Band mithalten. Zu dieser Zeit war die Erstanschaffung aus der Kleinanzeige längst ausgemustert. "Ich habe mir damals einen echten schottischen Dudelsack für 1600 DM gekauft. Das ist jetzt 18 Jahre her und ich spiele ihn noch immer", sagt Engler.

Es ist nicht nur das Instrument, nicht nur der unverwechselbare Klang der Musik, das ganze keltische Flair hat es dem Obermarchtaler angetan. "Es spricht mich einfach an, es berührt mich", sagt er. Natürlich ist Engler bei seinen Auftritten in traditionellem Kilt gekleidet - der Stil muss schließlich gewahrt sein. Und wo könnte dies mehr der Fall sein, als im Heimatland Schottland. "Dort habe ich die Highland-Games besucht, auf denen Dudelsack spielen zu den Disziplinen gehört. Wenn da die Jugendlichen anfangen zu spielen, fallen mir die Augen aus, so gut sind die", sagt er beeindruckt.

Zwei Mal hat Engler schon das nördlichste Land auf den britischen Inseln besucht, "und das war nicht das letzte Mal", fügt er an. Aus der anfänglichen Bieridee ist eine Leidenschaft fürs Leben geworden.

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