Therapeut auf vier Pfoten

Ja, Seppi ist ein Herzensbrecher. Der vierjährige Mischling mag den Kontakt zu Menschen, ist absolut friedfertig und verschmust. Damit bringt er die besten Voraussetzungen für den Job als Besuchshund mit.

Münsingen - Marita Grüner, die Halterin von Seppi, hat seine besondere Qualifikation mehr durch Zufall entdeckt. Als Heilerziehungspflegerin und Entspannungspädagogin hat sie ihren Hund ab und zu zur Arbeit mitgenommen, dabei gemerkt, dass besonders Menschen mit Behinderungen, ebenso Kinder und Jugendliche positiv auf den wuseligen Vierbeiner reagieren. Hinzu kam ihre eigene Aufgeschlossenheit, was ehrenamtliches Engagement betrifft. So wurde sie auf "Tiergestützte Therapien" aufmerksam, die eigentlich das belegten, was sie selbst schon oft beobachten konnte. Grüner: "Tiere haben positive Auswirkungen auf unsere Gefühlswelt und unsere Gesundheit. Das Streicheln vermittelt ein Gefühl von Sicherheit und Kameradschaft und trägt zum physischen und psychischen Wohlbefinden bei."

Sie besucht Workshops und befasst sich intensiv mit dem Thema. Aus sporadischen Begegnungen entwickelt sich ein Besuchsdienst, den unter anderem Pflegeheime und Einrichtungen, in denen Menschen mit Behinderungen leben und arbeiten, gerne in Anspruch nehmen. Viele "Gastgeber" warten schon darauf, dass Seppi mit seinen dunklen Knopfaugen und dem wollweißen Fell schwanzwedelnd durch die Tür huscht, um sich seine Streicheleinheiten abzuholen. Er schafft spielend den Zugang zu Menschen, die sich abgeschottet haben, die einsam sind, die an Depressionen leiden oder an Demenz erkrankt sind. Es ist eine kurze, aber intensive Ablenkung, eine Zuwendung, bei der die besonderen Umstände der Alltagssituation keine Rolle spielen. Was so unbeschwert wirkt, ist für den Hund eine Aufgabe und Leistung, betont Marita Grüner. Deshalb achtet sie auf "ausreichende Seelenpflege" nach den Einsätzen. Gerne unternimmt sie im Anschluss ausgedehnte Spaziergänge, die ihr selbst auch gut tun. Abstand gewinnen, Erholung finden - das sei für Mensch und Tier wichtig. Beide sollen sich aufeinander verlassen können und ein harmonisches Team bilden.

Ohne eine sorgfältige Tiererziehung geht es nicht. Grundgehorsam wird vorausgesetzt, damit auch unvorhergesehene Situationen leicht gemeistert werden können.

Seppi ist eine Promenadenmischung aus Rumänien. Die Familie aus Münsingen hat ihn aus einem Tierheim im Kreis Reutlingen geholt, als er fünf Monate alt war. Von klein auf zeigte er sich anhänglich, geduldig und sanft. Ist ein Hund zu ängstlich oder schreckhaft, ist er schon vom Charakter her ungeeignet.

Auch was die Halter betrifft, sollten bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Psychische Stabilität ist unerlässlich. Ein Besuchsdienst, so Marita Grüner, sei keine hundesportliche Freizeitaktivität, bei der es um Ehrungen und Pokale geht. Das Zwischenmenschliche steht im Vordergrund. Wer Einfühlungsvermögen hat, keine Berührungsängste Fremden gegenüber und absolut verschwiegen ist, der sei einem Besuchsdienst langfristig gewachsen. Festgelegt werden solche Kriterien im Verein "Tiere helfen Menschen" mit Sitz in Höchberg. Mit dieser Organisation kann sich Marita Grüner am besten identifizieren. Gerne würde sie Raum Münsingen eine Regionalgruppe gründen. Sie sucht Mitstreiter und "Therapeuten auf vier Pfoten", die es ihrem Seppi nachmachen. "Die Hunde bringen Freude und Spaß in den Alltag der Menschen, und das bekommen wir auch zurück."


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Autor: GUDRUN GROSSMANN | 03.02.2012

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