Sie spielen jetzt bewusster

Burladingen.  Mit dem Reiz und den Gefahren des Computerspiels haben sich die Zehntklässler des Burladinger Progymnasiums in einem Projekt beschäftigt. Der verdiente Lohn: ein 250-Euro-Preisgeld.

Annähernd 250 000 Schüler haben sich mit 2259 Beiträgen an einem Wettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung beteiligt. Unter den Preisträgern, die jetzt bekannt gegeben wurden, sind die beiden zehnten Klassen des Burladinger Progymnasiums.

Die 30 Schüler um ihren Lehrer Christopher Bartels hatten sich mit dem Reiz und den Risiken von Computerspielen befasst und im vergangenen November einen Elternabend zu diesem Thema veranstaltet (die HZ berichtete). Im Vorfeld dieser Veranstaltung hatte die Medienexpertin Sandra Schröder von der Universität Tübingen einen Vortrag in Burladingen gehalten. Als Wettbewerbsbeitrag eingereicht wurde eine Mappe, die die Fragen der Eltern und die Informationen aus dem Vortrag mit den eigenen Recherchen der Schüler verknüpfte. Urteil der Jury, bestehend aus Fachlehrern und Vertretern der Kultusministerien: "Die inhaltliche Qualität und die kreative Gestaltung des Beitrags sind sehr preiswürdig."

Die Bundeszentrale für politische Bildung überwies 250 Euro - ein willkommener Beitrag zur Finanzierung der Abschlussfahrt, die die 10a und die 10b am Ende des Schuljahres nach Hamburg führt. Doch das Geld ist nicht das einzige, das die Schüler aus dem Projekt mitnehmen. Zumindest einige der Jugendlichen geben zur Protokoll, auch ihr eigenes Computerspielverhalten geändert zu haben. "Ich spiel jetzt nicht unbedingt weniger", sagt Mike Kordan, "aber man ist sich der Gefahren doch bewusster." Dennis Rieber pflichtet bei: "Man spielt jetzt nicht mehr so sinnlos in den Tag hinein, sondern denkt auch mal über Alternativen nach."

Ein konkretes Ergebnis des Projektes sind auch Handlungsempfehlungen an die Eltern. "Die Eltern stehen in der Pflicht dafür zu sorgen, dass die Kinder nicht übermäßig viel spielen", fasst Klassenlehrer Christopher Bartels zusammen. Oder in den Worten des Schülers Dennis Rieber: "Es muss gewisse Regeln geben. Die Eltern sollten - im Einverständnis mit dem Kind - Zeitlimits setzen." Und: "Die Eltern sollten auch schauen, was ihr Kind am Computer spielt." Die Freiwillige Selbstkontrolle gibt Empfehlungen zum geeigneten Alter.

Im Jahr nach dem Amoklauf von Winnenden, den ein Counter-Strike-Source-(CSS)-Spieler begangen hatte, durfte selbstverständlich auch die Auseinandersetzung mit der Frage nicht fehlen, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen Killerspiel-Konsum und Amokläufen gibt. Die Antwort der Burladinger Schüler ist eindeutig: nein. Die meisten der Projektteilnehmer spielen selbst CSS und wollen doch nicht als gewaltbereit oder gar als potenzielle Amokläufer gelten. "Bei CSS", meint Vincent Bloch, "stehen strategisches Denken und Teamfähigkeit im Vordergrund - und nicht Gewalt." Ihre These stützen die Schüler nicht nur auf Selbstbeobachtung, sondern auch auf Expertenmeinungen: Laut Bartels waren bei allen bekannten Amokläufern 42 Faktoren identisch. Nur einer davon war der Konsum des Spiels CSS.


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Autor: HARDY KROMER | 13.03.2010

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