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SPD will Schule vor Ort belassen

Im Rahmen der "100-Dialoge-Tour" der SPD diskutierten Norbert Zeller, Klaus Käppeler, Friedrich Bisinger und Matthias Fiola am Mittwochabend in Trochtelfingen über die Bildungspolitik im Land.

REINER FRENZ | 0 Meinungen

"Bleibt unsere Schule im Dorf?" Unter dieser Überschrift hatte der SPD-Ortsverein Sonnenalb am Mittwochabend ins Trochtelfinger Feuerwehrgerätehaus eingeladen. Mit 30 Besuchern war der Ansturm allerdings überschaubar, möglicherweise wars dem schlechten Wetter geschuldet.

Ortsvereinsvorsitzender Frank Schröder betonte, dass die SPD mit der "100-Dialoge-Tour" in den Dialog kommen wolle mit den Bürgern und das zu den verschiedensten Themen. Um die Bildungspolitik gehe es an diesem Abend. Dazu konnte Schröder vier Redner begrüßen: MdL Norbert Zeller, den Vorsitzenden des Bildungsausschusses im Landtag, Matthias Fiola, bis vor Kurzem Vorsitzender des Landeselternbeirats, Friedrich Bisinger, den Bürgermeister der Stadt Trochtelfingen sowie Landtagskandidat Klaus Käppeler.

Mit den Pisa-Ergebnissen stieg Norbert Zeller ein. Man habe in einigen Bereichen zugelegt, sagte er. Für ihn sei aber entscheidend, dass es nach wie vor nicht gelinge, leistungsschwache Kinder so zu fördern, dass sie in der Lage seien, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft Leistung zu bringen. Es gehe darum, den Kindern eine Persönlichkeitsentwicklung zu ermöglichen, damit sie nicht zu Verlierern würden. Zeller: "Und da ist Baden-Württemberg nicht vornedran".

Die Werkrealschule führe zu stärkeren Konzentrationsprozessen, dazu, dass die Schule im Dorf Stück für Stück verschwinde. Die SPD hingegen wolle die Schule vor Ort belassen. In Orten ab 5000 Einwohnern könne auf jeden Fall eine Sekundarstufe-1-Schule betrieben werden mit der Berechtigung des Realschulabschlusses. Um Kindern mit unterschiedlichen Leistungsniveaus gerecht zu werden, müsse man die Lernarbeit stärker individualisieren, betonte Zeller. Er warb zudem für die Einführung von echten Ganztagsschulen mit Angeboten in Sport und musischer Betätigung. Das sei aber nicht mit dem Personal der Halbtagsschule machbar.

Weil er ihm zeitlich nicht gerecht werden konnte, hat Matthias Fiola kürzlich sein Amt als Landeselternbeiratsvorsitzender zur Verfügung gestellt. Er folgte am Mittwoch dennoch der Einladung auf die Alb. Auch Fiola bemängelte die soziale Durchlässigkeit der Schulen. Die Chancen für Kinder aus sozial schwachem Milieu bei gleicher Begabung einen guten Abschluss zu erzielen, sei um den Faktor 6,5 schlechter als bei solchen aus "gutem Hause". Fiola: "Das ist eine mittlere Katastrophe". Bezeichnend sei es, dass gerade in Baden-Württemberg am meisten Geld für Nachhilfe ausgegeben werden. Im Durchschnitt 135 Euro pro Kind und Jahr.

Es gebe kein viergliedriges Schulsystem, so Fiola. Die Werkrealschule unterscheide sich überhaupt nicht von der Hauptschule, weshalb er auch nicht verstehe, warum so viele Gemeinden auf diesen Zug aufgesprungen seien.

Friedrich Bisinger erklärte, dass er sich sehr wohl ein zweizügiges Schulsystem vorstellen könne. Auch das sechsjährige gemeinsame Lernen sei ein Weg, über den sich zu diskutieren lohnen würde. "Was müssen wir tun, damit die Schule im Dorf bleibt?" fragte Bisinger. Der Bürgermeister führte das Beispiel der Mägerkinger Grundschule an, deren Generalsanierung vor zwei Wochen abgeschlossen wurde. 2,6 Millionen Euro seien investiert worden. Beispielhaft sei die Kooperation mit der Sonderschule Mariaberg: "Damit haben wir die besten Erfahrungen gemacht", so Bisinger.

Es sei der Wunsch da gewesen, in Trochtelfingen eine Werkrealschule zu erhalten, wobei man den Trumpf des 10. Schuljahres ausgespielt habe, so Bisinger. Wenn bis 2012 mindestens 15 Schüler das 10. Schuljahr besuchen, werde man den Status der Werkrealschule erhalten. "Egal wie man dazu stehe, von den Eltern werde dieses Angebot erwartet". Um lebenswerte Gemeinden im ländlichen Raum zu erhalten, würden Schulstandorte benötigt.

"Wir befinden uns im Kampf um die Schüler", wusste Klaus Käppeler, Schulleiter an der Hohensteinschule, führte rückläufige Schülerzahlen ins Feld. Thema Werkrealschule: Gerade Brennpunktschulen, die groß genug waren, hätten jetzt dieses Prädikat, während kleine Hauptschulen, die die Anforderungen bis dato erfüllt hätten, plötzlich außen vor waren.

Gut eine halbe Stunde lang hatten die Besucher der Veranstaltung Gelegenheit, mit den einzelnen Redner an Stehtischen zu diskutieren. Die Ergebnisse wurden schließlich in einer zweiten Expertenrunde präsentiert. Norbert Zeller sagte, dass man vor allem über guten Unterricht und gute Schulen gesprochen habe. Ein Ergebnis: man brauche einen praktischen Ansatz während des Studiums. Auch bei Matthias Fiolas Tisch stand die Lehrerausbildung im Mittelpunkt. Friedrich Bisinger nannte die Schule wichtigsten Standortfaktor einer Gemeinde. Klaus Käppeler resümierte, dass es um die ausreichende Versorgung, um Unterrichtsausfälle gegangen sei, auch um Schuluniformen und teure Schullandheimaufenthalte.

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