Freundeskreis feiert mit Ausstellung und Fest

Riedlingen.  Mehr als 2000 Aussiedler wurden der Stadt Riedlingen zugewiesen. Um sie kümmerte und kümmert sich der ökumenische Freundeskreis, der 30 Mitarbeiter hat, jetzt das 20-Jährige feiert.

Geschehen wird dies am 22. September ab 17 Uhr mit einem Fest rund um die Kleiderkammer im Hof der Joseph Christian-Schule. Alexander und Marina Wolf werden dazu musizieren. Auf all" die Aktivitäten des Freundeskreises, der heute 30 Mitarbeiter zählt, weist eine Ausstellung vom 4. bis 7. September im Foyer der Kreissparkasse Riedlingen hin und berichtet auch von den Auszeichnungen, die er erhalten hat.

Gegründet worden ist der Freundeskreis eigentlich, um Asylbewerber zu betreuen. Hubert Marthaler war einer der Initiatoren. Dann kam die Flut der Aussiedler, die ebenfalls der Hilfe bedurften und so nahm man sich zunächst beider Zuwanderer-Gruppen an. Längst sind es die Deutschstämmigen, die im Mittelpunkt stehen. Doch verschiedene Einrichtungen wenden sich auch an andere, wie die Kleiderkammer, die es seit 20 Jahren gibt und jedem Bedürftigen offen steht und der 2007 gegründete Tafelladen, der keinen Unterschied macht. Wer mit wenig Geld auskommen muss, darf hier einkaufen. Berechtigungsscheine sind das einzige Kriterium.

In der Kleiderkammer arbeiten heute vorrangig Frauen, die nach Riedlingen oder auch in die Übergangswohnheime in die Umgebung gekommen sind und zuerst einmal Nutznießer waren. Auch Einheimische können sich hier bedienen. Außer Bekleidung und Wäsche gibt es Hausrat und Spielsachen gegen einen Minimalbetrag. Dennoch konnte der Freundeskreis mit dem Geld Sprachkurse finanzieren und Geschenke für die Weihnachtsfeier für die Kinder kaufen und einen Ausflug an den Bodensee finanzieren. Anfangs waren dazu die in den Übergangswohnheimen neu Angekommenen eingeladen, heute sind es die ehrenamtlich Tätigen. Eingebunden war der Freundeskreis auch in den Ferienaufenthalt der Kinder aus der Gegend von Minsk. Und zum Treff für die ganze Stadt ist das "Klinge"-Fest geworden.

Seit Dezember 2005 gibt es den offenen Kindertreff auf der "Klinge", in dem sich einheimische und neuzugezogene Buben und Mädchen treffen und diese spielerisch die deutsche Sprache erlernen. Erst jüngst wurde ein Sprachkurs für Frauen aus sechs Nationen organisiert, in dem ihnen vermittelt werden sollte, sich im Alltag verständlich zu machen. "Ein Erfolg", sagt Pfarrerin Helga Steible-Elsässer. Frauenabende mit wichtigen Themen wurden organisiert, überkonfessionelle Bibelabende werden angeboten.

Bei Veranstaltungen, wie Konzerte und Kabarett mit Lilia Tetslau, wurde Bewunderung zuteil und Verständnis geweckt. Integration gelebt wird in der Tanzgruppe, die von Martina Rau ins Leben gerufen und heute von Valentina Rot und damit einer Spätaussiedlerin geleitet wird und seit Jahren zum festen Bestandteil des Weltgebetstags der Frauen gehört. Zugezogene und Einheimische fühlen sich in ihr gleichermaßen wohl. Zwei Ausstellungen ließen die Geschichte vornehmlich der Menschen aus den ehemaligen GUS-Staaten lebendig werden. Höchst eindrucksvoll war das "Russlanddeutsche Haus" 2006. Die dritte, die jetzt vorbereitet wird, geht auf die Geschichte und die Aktivitäten des ökumenischen Freundeskreises ein und tut dies vorrangig mit Zeitungsartikeln und Fotos.

Auch Gudrun Fauler hat sich darum bemüht. Sie ist mit Ursula Ertinger, Margarete Huhn, Ilse Offermann-Bartnik, Erika Rapp und Annerose Tangermann eine der sechs Frauen, die von Beginn an bis heute im Freundeskreis aktiv sind, . Gern gesehen sind auch Männer, die zum Beispiel beim Ausfüllen von Anträgen oder Behördengängen behilflich sind.

Der Landkreis Biberach hat das Engagement der Frauen und Männer bereits zweimal mit seinem Ehrenamtspreis gewürdigt, davon einmal für die Kleiderkammer. Auf höchster Ebene wurde dem Freundeskreis 1994 Bronze beim Bundeswettbewerb für vorbildliche Integration von Aussiedlern zuerkannt. "Für ein gutes Miteinander von Einheimischen und Zugewanderten."

Außerordentlich eindrucksvoll war für die damalige Riedlinger Pfarrerin Dorothea Schwarz, Annerose Tangermann und Gudrun Fauler eine vom Diakonischen Werk der evangelischen Kirche in Württemberg organisierten Reise nach Kasachstan und damit in ein Land, aus dem viele Menschen nach Deutschland zurückgewandert sind.

Pfarrerin Helga Steible-Elsässer findet die Bezeichnung "Freundeskreis für Aussiedler" nicht mehr passend und würde eine solche bevorzugen, die "Integration" beinhaltet. Damit wird er sich nach seinem Fest beschäftigen. Jetzt soll erst noch einmal daran erinnert werden, wie es war, als die Zuwanderer ankamen, auch um deutlich zu machen, wie gut sich die meisten inzwischen in Riedlingen eingelebt haben, nicht selten dank des Einsatzes der Männer und Frauen des ökumenischen Freundeskreises.


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Autor: WALTRAUD WOLF | 04.09.2010

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