Ein Quartett bringt das Glück

Grüningen.  In Landsberg am Lech leben laut einer Studie die glücklichsten Menschen. Vier davon haben sich aufgemacht, um das Glück in benachteiligte Regionen zu bringen und zwar unter dem Namen "Mistcapala".

Mistcapala, das sind Tom Hake, Vitus Fichtl, Armin Federl und Tobias Klug. Texte und Musik sind zum größten Teil hausgemacht und damit auch "maßgeschneidert". Gleich mit dem ersten Lied wird deutlich, dass hier auf sehr hohem Niveau musiziert wird, gesanglich und instrumental.

Die Texte widmen sich den Problemen des Alltags. Da ist der winzige Schoßhund, der - soeben preisgekrönt - zum Leidwesen der Besitzerin von einem sehr großen Hund mit einem jagdbaren Kleintier verwechselt wird.

Der Entscheidungsnotstand vor der Theke der Eisdiele wird musikalisch ebenso sinnig-innig umgesetzt wie die jammervolle und sehr überzeugende Klage eines Nichtmusikers, der seit dreißig Jahren drei ausdauernd und meist gleichzeitig übenden Nachbarn zuhören muss.

Musiker mit seltenen Instrumenten, so wurde berichtet, müssen schon auch mal an der Schweizer Grenze beweisen, dass es sich bei der "toten Ziege" um ein Instrument handelt und ein Grenzkonzert geben. Dieser oberfränkische Dudelsack hat tatsächlich einen Ziegenbalg und mit geschnitztem Kopf, Fellöhrchen und Hörnchen aus Metall sieht er sehr edel aus. Artfremd sind die zwei Kuhhörner, die bei den Pfeifen Verwendung fanden. Der wunderschöne Ton des Instruments dürfte das "Schweizer Grenzorgan" dann wohl milde gestimmt haben.

In fast jedem Kabarettprogramm muss das Publikum irgendwann seinen Beitrag leisten, zusätzlich zum Eintritt. Hier übte man den Applaus, mit Start und Stopp. Siehe da, das Grüninger Publikum zeigte sich sehr lernfähig.

Einen Blick hinter die Kulissen der großen Events gab die tragisch endende musikalische Erzählung über einen Kostümträger des Goofy in Disneyland.

Der Hausmeister, der vor, während und nach den Auftritten von Künstlern Mädchen für alles spielen muss, durfte seinem aufgestauten Ärger Luft machen.

Hervorzuheben sind die darstellerischen Fähigkeiten von Tom Hake, der vom Hausmeister bis zur Carpendale-Imitation sehr überzeugend war. Er spielt eine Vielzahl von Instrumenten, unter anderem auch Dudelsack; drei verschiedene Modelle waren im Einsatz. Vitus Fichtl singt wunderschön und sehr ausdrucksvoll, spielt verschiedene Zupfinstrumente und Drehleier. Armin Federl scheint mit dem Akkordeon so verwachsen, dass er spielend noch tanzen kann. Tobias Klug ist in Riedlingen schon einige Male mit Marionettentheater und auch einem musikalischen Programm aufgetreten. In diesem Ensemble entlockte er seinem Kontrabass überaus virtuose Kadenzen in Höhen, die sonst eher der Bratsche zugeordnet werden. Er brachte - ohne Bass, singend - in einer der Zugaben noch ein Wiener Schmankerl.

Ach ja, die Zugaben. Wie erwähnt wurde das Publikum für einen ordentlichen Beifall trainiert, auch in Lautstärke und Durchhaltevermögen. Und dann beschweren sich die Künstler am Schluss, wenn die Zuhörer Lautstärke und Durchhaltevermögen beweisen und auch nach der dritten Zugabe noch weiter machen?! Es hat nichts genützt. Es gab keine vierte Zugabe. Denn in der dritten sangen die vier: Da, da, da - ist der Ausgang! Und gingen. Schade.


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Autor: MARION KIEFER | 30.07.2010

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