Die zehn Gebote bewahren die Freiheit

Mehrstetten. E.  Es gibt die persönliche Freiheit, auch wenn sie vielfach bedroht ist. Man muss sie nur wahrnehmen und sie nicht mit Willkür verwechseln. Das machte Dr. Jörg Dinger beim ökumenischen Bauerntag deutlich.

ngen die zehn Gebote die persönliche Freiheit ein? Nein, meint Dr. Jörg Dinger, Landesbauernpfarrer des evangelischen Bauernwerks. Vielmehr tragen sie zum Schutz und zur Bewahrung der Freiheit bei, in dem sie Rahmenbedingungen setzen.

In der heutigen Zeit sehen sich immer mehr Landwirte zum Beispiel durch Saatgutkonzerne oder Bürokratie in ihrer Freiheit bedroht, alte und neue Konflikte sorgen für Frustration, Neid und Gier untereinander. Hier sei es gut, so Dinger, sich die zehn Gebote als Grundregeln für das Zusammenleben in Erinnerung zu rufen.

Denn allzu oft werde das Leben bestimmt durch Uhren und Terminkalender, durch messbare Größen in Form von Flächen, Tieren und was damit produziert werden kann, vor allem aber durch Geld das festlegt, was bezahlbar und was leistbar ist.

"Wehe, wenn wir alles vom Maßstab des Geldes abhängig machen. Wo bleiben da Freundschaft, Liebe und Engagement, die Sinn und Freude machen, sich aber aus wirtschaftlicher Sicht nicht lohnen?", fragt Dinger. Wie sieht es mit moralischen Maßstäben wie Glaubwürdigkeit, Bewertung anderer Menschen nach Aussehen, Auftreten, Leistung, Macht und Einfluss aus? Wie geht man mit eigener und fremder Schuld um?

An Gut und Besitz sei nichts auszusetzen, meint Dinger, sie seien Gaben Gottes, die durch seine Gebote geschützt würden. Doch sie dürften nicht zum Wichtigsten im Leben werden. Vielmehr zähle der faire Umgang miteinander, Familie und Gesundheit dürften Gut und Geld nicht untergeordnet werden, Glück und Unglück nicht daran gemessen werden, wie viel man leisten könne. "Der freie Markt ohne Rücksicht auf Verluste bringt keine Freiheit. Es kommt auf Regeln und Rahmenbedingungen, auf soziale und ökologische Maßstäbe an", betont Dinger. Zwingt das Wirtschaftssystem aber nicht dazu, stets die eigenen Vorteile zu suchen? Die Gier nach größeren Flächen, der Geiz der Verbraucher trotz Anspruch auf gute Lebensmittel - all dies wirkt sich auf das Zusammenleben aus. Zwar sieht Dinger in Neid, Geiz und Gier den Motor für Fortschritt, doch sie fordern auch Opfer: Menschen die nicht mithalten können und Schäden in der Natur. "Gut für Betriebe ist immer, Maß zu halten, Grenzen zu akzeptieren und aus Arbeit, Boden und Tieren nicht das Letzte herausholen zu wollen." Ein Gebot der Freiheit sei auch der regelmäßige Ruhetag.

Arbeit gehöre zur Menschenwürde, ununterbrochene Arbeit jedoch sei Sklaverei. "Freiheit ist ein unverzichtbarer Teil der Menschenwürde, sie kann aber gefährlich werden, wenn sie missbraucht wird. Freiheit darf nicht mit Willkür verwechselt werden, sonst wird sie zu einer großen Bedrohung. Wer sich nur treiben lässt, ist nicht wirklich frei", zeigt sich Dinger überzeugt. Also Freiheit wozu? Zum Arbeiten und Ruhen, zum anderen Beistehen und miteinander Feiern.


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Autor: MARIA BLOCHING | 09.03.2010

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