Die schnapsfreie Zone

Zwiefalten.  Zum ersten Mal angetreten und gleich den Pokal gewonnen: Stefan Schmid vom Fanfarenzug ist Sieger der Bruddelsupp 2012. Eindeutig war die Entscheidung der Jury - und das trotz großer Konkurrenz.

Was war das durchgängige Thema der Bruddelsupp 2012? Der Schnaps - oder vielmehr, dass es diesen während der ganzen Hausfasnet fast nirgendwo gab. Grund für Beschwerden war es für die einen. Walle Ott gab sich in seinem Beitrag gar überzeugt, "a Fasnet ohne Schnaps kosch koim zumuata". Andere hingegen lobten die einstimmige Entscheidung des Zunftrates, Zwiefalten während der fünften Jahreszeit zur "schnapsfreien Zone" zu erklären, auch wenn dies für die Vereine und Gruppen, die bislang Hochprozentiges ausgeschenkt hatten, Umsatzeinbußen bedeutete. "Es geht um unser aller Wohle, nicht um Profit und Kohle", hob etwa Bürgermeister Hubertus-Jörg Riedlinger hervor. Ebenfalls Lob gab es von Landrat Thomas Reumann - und einen Scheck. Übrigens nicht der einzige: Auch andere Sponsoren hatten sich gefunden, um diese Entscheidung zum Schutz der Jugend zu belohnen.

Ansonsten war die Bandbreite der Bruddelei groß, viele traten ans Pult und hatten Vorträge in gereimter Form vorbereitet. Büttel Herbert Ott waltete seines Amtes und erklärte die Regularien, Zeremonienmeister Carlo Schwarz hielt den Schnupftabakt bereit und erheiterte vor Beginn der Bruddelei mit Worterklärungen aus der Jugendsprache. Und auch die Rutsche, die im vergangenen Jahr vergessen worden war, stand heuer bereit, damit die Besucher ordnungsgemäß die Rentalhalle verlassen konnten.

Sieger der 38. Auflage der Bruddelsupp wurde Stefan Schmid aus Emeringen, Mitglied des Fanfaranzugs, für den der Auftritt bei der Bruddelsupp eine Premiere war. Ob ein verschwundenes Häs und dessen Auslöse, ein Narr, der leere Flaschen an einer Bushaltestelle entsorgte oder die Berichterstattung über den Zunftball (siehe Artikel unten) - die Geschehnisse während der Fasnet waren die Zielscheibe seines Spotts, untermalt von gräulichem Gitarrenspiel auf einem Spielzeuginstrument: alles in allem ein Auftritt, den Carlo Schwarz als "starken Einstieg in die Bütt" wertete. Ein Urteil, dem sich die Jury anschloss.

Dabei war die Konkurrenz groß. Vorjahressieger Hubertus-Jörg Riedlinger sang ein Loblied auf den Muggefug inklusive Seitenhieb auf die Krettaweiber ("der macht sogar dia schee") und das Zwiefalter Bier, "eine der größten Gottesgaben". Kritik gabs vom Schultes am Zunftball, zu wenig Lokalsatire sei aufgeboten worden, ja nicht einmal er sei richtig durch den Kakao gezogen worden. Etwas, das Carlo Schwarz sofort nachholte, schließlich findet sich am Gemeindeoberen immer wieder was zum Bruddeln: Erinnert sei da nur an den Brunnen, der seit vielen Monaten vor dem Peterstor stehen sollte, die Spenden dafür hat Riedlinger schließlich längst beisammen. Was hingegen fehlt ist das Kunstwerk. Noch bleibt ihm aber etwas Zeit, dies in seiner Amtszeit zu erledigen - 749 Tage, um genau zu sein, Schwarz hat ihm dies freundlicherweise schon ausgerechnet. Nicht ohne den Hinweis, er möge nach dem Ablauf der Frist das Licht löschen und das Haus verlassen, die Punkte "Arbeit einstellen" und "Schreibtisch räumen" habe er ja schon abgehakt. Büttel Herbert Ott konnte sich einen Seitenhieb wegen der vergessenen Heizöl-Bestellung des Bürgermeisters nicht verkneifen. Weiterer Bestandteil seiner Bruddelei war eine Rücktrittsrede à la Ex-Bundespräsident Wulff. Grund: Die Berichterstattung und insbesondere das Bild des schlafenden Büttels im Mitteilungsblatt haben ihn und seine Frau schwer verletzt, erklärte er, weshalb er sein Amt niederlege und zwar ab dem Aschermittwoch bis zum 11.11..

Florian Griesinger hatte einen Beitrag vorbereitet, der viele Mängel auflistete: vom fehlenden Schnaps über fehlende Umzugsteilnehmern bis zum fehlenden Brunnen. Rupert Weber hingegen nahm vor allem die Narren selbst auf die Schippe, sei so mancher Rälle doch nur eine "handzahme Muschi". Der Landrat bereitete an dem Tag doppelt Freude, nicht nur des Scheckes wegen, sondern auch, weil er eine Spendensammlung für Tobias Aierstock initiierte, dessen Fanfare abhanden gekommen ist und für die er nun dringend Ersatz braucht. Ausflüchte des Zunftmeisters, etwa, dass der eine Familie zu ernähren habe und deshalb nicht spenden könne, konterte er gewitzt mit einem schlichten Tätscheln dessen wohlgenährten Bäuchleins.

Nicht fehlen durften freilich zwei Bruddler, die immer wieder gerne antreten: Der eine ist Polizist Gerhard Hörmann, dessen Ziel die Zunfträte waren und der ebenfalls unter anderem den diesjährigen mageren Umzug kritisierte. Der andere ist Zahnarzt Lothar Jaeger. Seine Themen sind nicht nur auf das Lokale beschränkt, sondern befassen sich auch gerne mit der größeren Politik, seis im Land mit dem Zoff um G 8 oder 9 oder Christian Wulff.

Fast drei Stunden ist zum Abschluss der Fasnet gebruddelt worden - und jetzt dürfte es jedem Bruddler wieder leichter ums Herz sein.


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Autor: ANJA MADER | 22.02.2012

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