Die Schöpfung pflegen und bebauen
Mehrstetten. Mit ihrer Arbeit tragen Landwirte dazu bei, die Schöpfung zu pflegen und zu bewahren. In diesem Zusammenhang wurden beim ökumenischen Bauerntag weltliche und christliche Themen zur Sprache gebracht.
Das Aufgabengebiet in der Landwirtschaft ist breit gefächert, durch die Produktion von Nahrungsmittel tragen die Landwirte eine hohe Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen, aber auch gegenüber der Natur und den Tieren. So wie alle Menschen in unterschiedlichen Berufsfeldern sehen sie in Selbstbestimmung und Erfolg den Ausdruck persönlicher Freiheit, die mit Gesundheit und Wohlstand auf eine Stufe gestellt wird.
Doch von welchen Maßstäben wird das Leben letztendlich bestimmt? Darum ging es beim diesjährigen ökumenischen Bauerntag in der Turn- und Festhalle Mehrstetten, zu dem rund 150 Landwirte aus den Kirchenbezirken Münsingen, Reutlingen und Bad Urach am Sonntagnachmittag gekommen waren.
Seit 50 Jahren wird dieses jährliche Treffen vom evangelischen Bauernwerk und dem katholischen Landvolk veranstaltet, um bäuerliche Themen von einer persönlichen, geistlichen und gesellschaftspolitischen Seite zu beleuchten und damit eine hilfreiche Stütze für den Alltag zu bieten.
Für Vertrauensmann Helmut Bösch vom evangelischen Bauernwerk eine wertvolle Einrichtung, auch wenn der Altersdurchschnitt der Besucher ständig nach oben zeigt. Der Landtagsabgeordnete Karl-Wilhelm Röhm wollte mit seiner Anwesenheit Respekt und Anerkennung vor der Arbeit der Landwirte ausdrücken, in der es "keine zügellose Freiheit geben kann, sondern die durch die Achtung vor der Kreatur Grenzen aufzeigen muss".
Wie schwierig die Bedingungen für Landwirte auch in Mehrstetten sind, machte Bürgermeister Rudolf Ott deutlich. Er stellte die kleinste selbstständige Gemeinde im Landkreis Reutlingen vor, in der es lediglich noch zwei Hauptberufslandwirte gibt. "Das Bauernsterben hat auch Mehrstetten im Griff", meinte Ott und wünschte den Bauern als den "wichtigsten Landschaftspflegern" faire Preise.
"In unserem ländlich geprägten Kirchenbezirk Münsingen kommt der Landwirtschaft eine bedeutsame Rolle zu", gab Dekan Michael Scheiberg zu bedenken. Auch wenn die Zahl der Vollerwerbslandwirte zurückgehe, so sei dennoch spürbar, was es heiße, von Gott beauftragt zu sein, seine gute Schöpfung zu pflegen, zu bebauen und zu bewahren. Freilich: Markt und politische Zwänge befänden sich weit weg von einer bäuerlichen Idylle, schwierig sei es da, nach vorne zu schauen. "Wie schon die Bibel dazu auffordert, nicht hinter dem Pflug herzugehen, sondern in die Zukunft zu blicken, dürfen auch die Bauern von heute ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren, indem sie vergangenen Zeiten nachtrauern", so Scheiberg.
Sie müssten vielmehr Perspektiven in den Blick nehmen und neue Freiheiten gewinnen, dabei aber nie ethische Grundsätze außer Acht lassen. Dr. Albert Bechteler vom katholischen Landvolk sprach von einer Gemeinsamkeit der Kirchen, die für die Landwirte mit großem Nachdruck in der Auseinandersetzung mit der Politik und der Gesellschaft christliche Werte freimütig und unverzagt zur Diskussion bringen könnte. Er führte in das Vortragsthema dieses Bauerntages ein: "Freiheit wovon - Freiheit wozu? Welche Maßstäbe bestimmen unser Leben?" und gab zu bedenken, dass in der persönlichen Freiheit, die zu den menschlichen Grundbedürfnissen gehört, auch Probleme zu finden seien. "Jeder möchte sich mit seinen eigenen Entscheidungen selbst verwirklichen und die Grenzen für seine Handlungen selbst bestimmen", so Bechteler.
Doch wirtschaftliche Freiheit könne zu Lasten Einzelner oder ganzer Bevölkerungsschichten missbraucht werden. "Die individuelle Freiheit ist die Säule der Selbstbestimmung und schafft Freiraum für persönliche Vorteile und Eigennutz. Es ist ein legitimes Ziel und an sich nicht schlecht, auf den persönlichen Vorteil zu schauen, doch im Übermaß kann dies Solidarität und Gemeinwohl zerstören", führte Bechteler aus und forderte dazu auf, die persönliche Freiheit ethischen Prinzipien unterzuordnen, auch wenn man sich damit möglicherweise gegen eigene Interessen entscheiden müsse. Mit seinen Ausführungen machte Bechteler neugierig auf den Vortrag von Landesbauernpfarrer Dr. Jörg Dinger vom evangelischen Bauernwerk (siehe unten stehender Bericht).
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Autor: MARIA BLOCHING | 09.03.2010
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Helmut Bösch, Vertrauensmann des evangelischen Bauernwerks (links vorne), misst dem ökumenischen Bauerntag auch nach 50 Jahren noch eine hohe Bedeutung zu. Foto: Maria Bloching
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