Der König gibt eine Audienz

Riedlingen.  Für Riedlingen war am Samstag ein besonderer Tag: Nach 140 Jahren besuchte wieder ein amtierender König ganz offiziell die Stadt. König Céphas Bansah gab eine Audienz und besuchte das Feuerwehrmuseum.

Bürgermeister-Stellvertreter Manfred Birkle hatte in den Annalen der Donaustadt geforscht und herausgefunden, dass König Karl I. zur Einweihung der Donautallinie nach Riedlingen gekommen war, die 1869/70 gebaut worden ist. Ihm haben damals wahrscheinlich mehr Menschen zugejubelt, als König Céphas Bansah aus Hohoe Ghana, dennoch durfte sich der Herrscher der 206 000 Einwohner umfassenden Gruppe der Hohoe Gbi Traditional Ghana des Drei-Millionen-Volkes der Ewe im Osten Ghanas über einen außergewöhnlichen Empfang freuen. Hauptmann Peter Bucher war mit seiner Bürgerwehr angetreten und Michael Reiter formierte sich mit der Stadtkapelle, um dem Feuerwehrfahrzeug aus dem Jahre 1973 voranzumarschieren, in dem der Herrscher saß und huldvoll aus dem Fenster winkte. Ganz König, verlangte der Gast, von zwei Mitgliedern der Bürgerwehr zum Rednerpult vor dem Feuerwehrmuseum eskortiert zu werden. Es geschah, auch wenn solches nicht auf dem Exerzierplan der Bürgerwehr steht. Dafür präsentierte sie das Gewehr bei der Nationalhymne, die Michael Wissussek für den Herrscher und sein Land geschrieben hat. Jürgen Kneer blies das Solo auf der Trompete.

Zuvor hatte Manfred Birkle den hohen Gast seitens der Stadt begrüßt und sein humanitäres Engagement für sein Land gewürdigt. Dass ihn auch die Riedlinger dabei unterstützt haben, erwiderte der König und nannte dabei Dr. Peter Kuhn, der ihm vor zwei Jahren Inventar aus seiner aufgelösten Zahnarztpraxis hat zukommen lassen. Außer einem Krankenhaus hat er während seiner Amtszeit seit 1992 sieben Schulen gebaut, die letzte wird demnächst eingeweiht. Dass Bildung auch für sein Land wichtig ist, weiß der König, der bei einer Audienz gerne bereit war, Autogramme zu geben. Vorwiegend reifere Herrschaften stellten sich dazu in die Reihe, nannten ihren Namen und sahen ihn auf der Karte des Herrschers im prachtvollen Ornat verewigt. In dem Land, das er regiert, wäre das nicht möglich. Denn das Volk darf ihn nicht persönlich ansprechen. Wächter sind die Mittler. Und die Frauen haben einen Knicks vor dem König zu machen und ihm nicht in die Augen schauen. Dass das in Deutschland anders ist, schätzt der Mann, der nicht nur ein Volk regiert, sondern auch eine Autowerkstatt besitzt und leitet. 14 deutsche Lehrlinge hat er schon ausgebildet, betonte er.

Der besondere Tag für Riedlingen war ein großer Tag vor allem für Günther Hübler. Denn seinem Feuerwehrmuseum gehörte die Aufmerksamkeit seiner Majestät und der Eintrag ins Gästebuch mit Goldschnitt: "König Céphas Bansah von Hohoe Ghana bedankt sich für den herzlichen Empfang" steht über der wahrhaft königlichen Unterschrift mit vielen, vielen Kringeln. Als Kraftfahrzeug- und Landmaschinenmechanikermeister ist der Blick auf Feuerwehrpumpe und -fahrzeug ein fachmännischer, bevor es zur Demenzpflege der Seniorengenossenschaft ein paar Schritte weiter geht. Es ist der Arbeitsplatz von Michael Wissussek, dem königlichen Hofkomponisten. Viele Fragen wurden hier an König Céphas Bansah gerichtet, welche Probleme es in seinem Heimatland gibt, wie die Menschen leben, wies um die Gesundheitsversorgung steht. Dass es daran noch erheblich mangelt, war eine der Antworten. Die Qualität des Wassers mache Probleme. Weiße hätten damit ihre Schwierigkeiten, prognostiziert der König, ihnen fehlten die dafür notwendigen Widerstandskräfte. Zum Unterschied zwischen seinem Land und Deutschland vermerkte er: In Deutschland sei die Gesundheit das wichtigste Gut, in Hohoe Ghana dagegen Geld, Geld, Geld. Allerdings hänge beides zusammen, denn ohne Geld gebe es keine Gesundheit. So habe er erst bei seinem letzten Besuch zu Hause erfahren müssen, dass ein 14-Jähriger sterben musste, weil seiner Familie die 40 Euro für ein Blinddarmoperation fehlten. Als König fühle er sich seinem Volk verpflichtet und nicht umgekehrt. Er erhalte keine Apanage, sondern sei unentwegt darum bemüht, Geld zu sammeln, um ihm zu helfen, bei Auftritten etwa, wie jüngst bei Günther Jauch.

Die Frage der stellvertretenden Bürgermeisterin Gabriele Stümke, die auch dem anwesenden Vorstand der Seniorengenossenschaft mit Josef Martin an der Spitze angehört, ob es auch in Hohoe Ghana Demenzkranke gebe, bejahte er. Die jedoch würden in der Großfamilie versorgt. Deshalb war es wohl weniger schlimm, dass die Zeit für die Vorstellung der Arbeit in der Demenzgruppe zu knapp war, denn der nächste Termin rief: der Besuch des Muscials "Traumtänzerzeit" von Michael Wissussek im Nachbarort Dürmentingen. Davor gab es von Hutkönigin Conny Brendle einen warmen Trekkinghut mit Ohrenklappen für den Winter in Deutschland und von dem König eine Krone für das Hutmuseum in Lindenberg. Aus blauem Samt und mit Gold bestickt ist sie. Fotos mit Zsa Zsa Gabor belegen. Es ist - war - des Königs Krone.


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Autor: WALTRAUD WOLF | 16.11.2009

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