"Bluesette" bieten in Wimsen faszinierende Klangvielfalt

Mit einer bunten Mischung unterschiedlicher Musikrichtungen begeisterte "Bluesette" am Freitag in der Wimsener Mühle. Die Vollblutmusiker boten eine faszinierende Klangvielfalt und Technik in Perfektion.

MARIA BLOCHING |

Eigentlich war "Bluesette" für diesen Konzertabend als Quartett angekündigt worden, doch krankheitsbedingt mussten die zahlreichen Besucher in der vollbesetzten Mühle auf den Gitarristen Salvatore Panunzio verzichten. Das Bedauern darüber hielt sich in Grenzen, denn sehr schnell wurde deutlich, dass die Ursprungsformation von "Bluesette" als Trio den musikalischen Qualitätsansprüchen mehr als gerecht wurde.

Katharina Wibmer (Geige), Frank Eisele (Akkordeon) und Christian Brinkschmidt (Bass) stellten ausgetüftelte Arrangements in den Mittelpunkt ihres beeindruckenden und abwechslungsreichen Programms, sie ließen ihre Instrumente zu einem individuellen, farbenreichen Klang verschmelzen und bewegten sich äußerst gekonnt und souverän zwischen unterschiedlichen Stilen. Virtuos und leidenschaftlich, gefühlvoll und ausdrucksstark intonierten sie feurige argentinische Tangos und Melongas, rumänische Folklore und jiddische Hochzeitstänze, mazedonische Volkslieder und ungarische Csardas, russische Polken und französische Musettwalzer.

Mal geschmeidig und umschmeichelnd, mal schwindelerregend und peitschend - stets ließen sich die erstklassigen Vollblutmusiker genügend Raum für improvisierte Soli und wechselten fließend die Rollen: von brillanten Geigenklängen zur percussiv gezupften Groove-Begleitung, vom rhythmischen Akkordeon-Bass zur singenden Bandoneon-Melodie. Sensibel verstanden sie es, auf jede Nuance der anderen zu reagieren und Balg und Bogen in fantasievolle und experimentierfreudige Zwiesprache zu bringen. Während Brinkschmidt auf dem Bass fast schon ungerührt seinen Part spielte und nur sein nickender Kopf verriet, dass auch ihn die Musik gefangen nahm, trieben sich Wibmer und Eisele gegenseitig zu musikalischer Höchstleistung an und ließen ihre Instrumente sprechen. Sie präsentierten sich als gefühlvolle und souveräne Wanderer zwischen den verschiedensten musikalischen Klangwelten, als wahre Technikkünstler, die mit ihrem aufwühlenden und emotionalen Spiel ein Fest für die Sinne feierten.

Alle Stücke wurden auswendig vorgetragen, problemlos wechselten die Musiker von herzzerreißender Wehmut zu unbändiger Lebensfreude. Die musikalische Reise von "Bluesette" umfasste stilistisch wie auch inhaltlich eine große Bandbreite und beinhaltete überwiegend Werke der 1920er, 1930er und 1940er Jahre. Wibmer, der es vor allem die Musik des Balkans angetan hat, strich bei Sinti-Weisen ihre Geige, als sei der Teufel hinter ihr her, sie ließ ihr Instrument jubeln, als müsse sie eine ganze Band ersetzen. Frank Eisele, alias Franco Ferrero mit argentischer Tangoseele, ließ sein Akkordeon zur Perkussion werden und entlockte ihm solistische Einzeltöne ebenso wie symphonische Fülle mit höchstem grifftechnischen Repertoire.

Brinkschmidt hielt sich hingegen scheinbar dezent im Hintergrund, ließ aber immer wieder bei den zahllosen musikalischen Feuerwerken seine Erstklassigkeit als Jazzmusiker hervorblitzen. Alle drei Musiker präsentierten sich perfekt aufeinander eingespielt mit bestechender Dynamik, sie brillierten mit hoher Virtuosität und beeindruckender musikalischer Ästhetik. Das illustre Trio bot einen Abend voll nostalgischer Poesie und Lebenslust, ein musikalisches Fest, das die Konzertbesucher vom ersten bis zum letzten Ton in Spannung hielt.

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