Kappishäuser mit Leidenschaft für Wein

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Es ist ein malerisches Bild, wenn der Milan über den Weinberg fliegt, auf dem man sich gerade zwischen Trauben und Rebstöcken befindet. Diese Szene beschreibt Felix Baltrock, er und seine drei Bekannten haben vor rund zehn Jahren einen Weinberg gekauft. Seitdem bewirtschaften sie die vier bis fünf Ar große Fläche in Kappishäusern. Mit von der Partie sind Christoph Brugger, Harald und Wolfgang Schneider.

Die Landschaft erhalten

Etwas außergewöhnlich ist das Hobby der Kappiser, wie sich die vier selbst nennen, schon. Auf die Idee kamen sie eher spontan. Sie erhielten die Information, dass jemand seinen Weinberg verpachten würde und da schlugen die vier zu.

„Wir wollten damit auch die Kulturlandschaft erhalten“, sagt Brugger. Harald Schneider stimmt ihm zu und ergänzt, dass es in Kappishäusern früher viel mehr Weinanbau gab. Da die Weinberge immer mehr verschwinden, aber doch zum Landschaftsbild zählen, „haben wir den Deal gemacht.“ Von da an haben sie die Arbeit von der Pike aufwärts gelernt. Aber es macht Spaß, beteuern Baltrock, Brugger und Schneider. Im Freien sein, sich untereinander austauschen und am Ende noch einen Wein trinken, ist für sie Lohn genug. Für das Hobby haben sich alle Kenntnisse im Weinanbau angeeignet. Wobei Schneider betont, dass man allem voran eines braucht, nämlich Geduld. Zunächst haben sie die alten Reben herausgerissen, neue gesetzt und die Rebstöcke dann „richtig erzogen“.

Geduld ist hier eine Tugend

Vier bis fünf Jahre Wartezeit bis zur ersten vollständigen Lese müsse man schon einplanen. Zudem ist Kappishäusern eine der höchsten Weinbaugemeinden. Früher wurde aus den Trauben Portugieser gemacht. Die Weinlese war teilweise bei Schneefall, erinnert sich Brugger. Durch den Klimawandel sei es nun aber etwas leichter, in dieser Höhe Wein anzubauen. So ginge mittlerweile auch ein Spätburgunder und, „wunderbarerweise auch ein Merlot“, wie Schneider sagt. Eine Arbeitsaufteilung gibt es indes nicht. „Jeder macht alles und muss auch alles können“, so der 59-Jährige weiter.

Wichtig ist auch, zur richtigen Zeit das richtige Mittel gegen Schädlinge einzusetzen. Der Wein­anbau würde aber den biologischen Kriterien gerecht werden, betont Schneider. In diesem Jahr hatten die vier Kappiser, wie viele andere Obst- und Gartenbauer, Schwierigkeiten. „Der Frost im Frühjahr hat uns zurückgeworfen“, so Brugger. Hinzu kam auch, dass Vögel und Dachse sich die Trauben schmecken ließen. Um ihren späteren Wein zu schützen, wurde kurzerhand ein blaues Netz über die Rebstöcke gespannt.

Es sei frustrierend, wenn man nach harter Arbeit keine volle Ernte erhält. Schließlich gebe es ohnehin jährliche Schwankungen. Etwa 120 Flaschen bekommen sie letztlich heraus. Zu den Sorten, die auch in Kappishäusern, in 500 Metern Höhe wächst, gehört der Silvaner. Wobei die Lieblingssorte der Merlot ist, wie sie verraten. Der Weinanbau ist durch die Römer in die Region gekommen und hat hier also eine längere Tradition als Bier, fachsimpeln die Hob­by-Winzer. Für Kappishäusern war der Weinbau wichtig. Es gab kaum Erwerbsmöglichkeiten und so produzierten die Menschen einfach, was sie brauchten. Und vor allem, was in der Gemeinde wuchs.

Spaß bei der Arbeit und Ernte haben die Laien auf jeden Fall. „Wir machen alles selbst“, sagt Baltrock. Damit ist nicht allein das Rasenmähen in Hanglage gemeint, sondern auch die eigene Weinherstellung. Pro Mitglied des Vierer-Teams sind es zwischen April bis zur Ernte wöchentlich etwa vier Arbeitsstunden. Laut einem alten Leitsatz heißt es: „Dein Weinberg will dich jeden Tag mal sehen“.

Glücksgriffe gehören dazu

Einen kleinen Glücksgriff haben sie mit dem Kauf einer Maschine eines Weinbauern aus dem 20. Jahrhundert gemacht. Zum Lesen kommen dann aber nicht allein die vier, sondern auch Freunde. „Es ist ein Ereignis“, beschreibt Brugger die Arbeit. Das dauere aber nicht lange, in ein paar Stunden sei die Lese erledigt. „Der gemütliche Teil dauert immer länger“, scherzen Baltrock, Schneider und Brugger.

Auch für den Fall, dass mal etwas nicht so funktioniert, wie es geplant war, haben die Hobby-Winzer eine Strategie. Aus Fehlern lernt man bekanntlich. Und so haben sie aus einem Wein schon mal einen Weinbrand gemacht.

Für die vier ist es aber nicht allein das Hobby Wein, das sie zusammenbringt. Auch die Tatsache, dass man sich regelmäßig trifft und einfach zusammen etwas macht, sei gewinnbringend. Auf die Frage, wie lange sie noch in Kappishäusern Wein anbauen wollen, antworten sie ohne lange Umschweife: „Bis zum Schluss“, auch wenn sie dabei ein herzhaftes Lachen nicht unterdrücken können.

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