Wie viel Nähe dürfen Seelsorger, Lehrer und Jugendleiter noch wagen?
Der Missbrauchsskandal in der Kirche hat vieles verändert. Er hat, neben anderem, auch für Verunsicherung gesorgt darüber, wie viel menschliche Nähe noch sein darf zwischen Pfarrern und Ministranten, Lehrern und Schülern, Freizeitleitern und Jugendlichen, Dirigenten und Domsingknaben. Denn jeder weiß in der Kirche, dass die Mitarbeiter unter starker Beobachtung stehen. Dass genau hingeschaut wird, dass Eltern misstrauischer geworden sind.
Diese stärkere Kontrolle kann mögliche Täter abhalten. Doch leicht wird eine harmlose Berührung falsch interpretiert. Absolut korrekte Mitarbeiter können unbeabsichtigt in Verdacht geraten. So gilt es, schon den Anschein eines sexuell geprägten Körperkontakts zu vermeiden. Sensibilität ist gefragt. Eine Umarmung, ein Tätscheln, um ein Kind zu trösten, könnte als sexuell geprägte Berührung missdeutet werden.
Viele Seelsorger wüssten nicht mehr, ob sie überhaupt noch Begegnung und Nähe wagen dürften, sagt der Rottenburger Domkapitular Paul Hildebrand. "Das zerstört seelsorgerliche Beziehungen", klagt der Leiter der Hauptabteilung Pastorales Personal im Bischöflichen Ordinariat. web
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: SWP | 22.03.2011
MEHR ARTIKEL ZUM THEMA
Missbrauchsfälle in katholischer Kirche
Beichtgeheimnis wackelt
Dublin/Rom Angesichts der Missbrauchsdebatte in Irland will die dortige Regierung mit einem Gesetz das Beichtgeheimnis aufweichen. Der Vatikan hat daraufhin seinen Botschafter aus Dublin nach Rom beordert.... mehrKOMMENTAR · MISSBRAUCH: Nicht jedes Mittel heilig
Die anhaltende Wut in Irland über den Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch ist angesichts des jüngsten Untersuchungsberichts verständlich.... mehrUntersuchungen wegen Missbrauch
Der Untersuchungsbericht über Kindesmissbrauch in der Diözese Cloyne enthält schwere Vorwürfe gegen den Vatikan und den damaligen Bischof John Magee. Insgesamt werden Vorwürfe gegen 19 Geistliche aus den Jahren 1996 bis 2009 untersucht, auch gegen den Bischof.... mehrBergmann fordert Hilfen für Missbrauchsopfer
Berlin Missbrauchsopfer sind auf Hilfe angewiesen, auch wenn sexuelle Übergriffe bereits Jahre zurückliegen. Das ist eine zentrale Aussage im Abschlussbericht der Beauftragten zur Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch, Christine Bergmann.... mehr
15 000 Opfer beginnen zu reden
Die Bundesregierung reagierte auf die Missbrauchsskandale vor einem Jahr: mit Christine Bergmann. Die Ex-Ministerin sollte als neue Missbrauchsbeauftragte das Thema in einem Bericht aufarbeiten.... mehrKOMMENTAR · MISSBRAUCH: Respekt, Frau Bergmann
Der Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Christine Bergmann, gebührt Respekt. Sie hat sich in den vergangenen Monaten nicht nur mit erschütternden Opferberichten auseinandergesetzt.... mehr
Erzbischof räumt Fehlentscheidung bei Missbrauch ein
Freiburg Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch soll einem Medienbericht zufolge versucht haben, einen Fall von sexuellem Missbrauch durch einen Priester zu vertuschen.... mehr
Hinweise auf Missbrauch schon lange bekannt
Sulz Die zwei beurlaubten Seelsorger hätten in Sulz und Munderkingen gar nicht antreten dürfen - nach heutigem Wissen, sagt die Diözese Rottenburg.... mehr
Bischöfe wollen verschärfte Leitlinien
Würzburg Das Thema Missbrauch ist brisant. Dementsprechend schweigsam reisten die katholischen Bischöfe am Montag nach Würzburg, um die Leitlinien im Umgang mit Missbrauchsfällen zu verbessern. Neu Vorschriften werden im Sommer erwartet. Es geht zunächst um einen Entwurf.... mehr
