KOMMENTAR · MISSBRAUCH: Respekt, Frau Bergmann
Der Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Christine Bergmann, gebührt Respekt. Sie hat sich in den vergangenen Monaten nicht nur mit erschütternden Opferberichten auseinandergesetzt. Sie verweist in ihrem Abschlussbericht zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in Institutionen und Familien jetzt auch noch auf viele peinliche Defizite in unserem Land.
Nicht zu leugnen ist: Kinder und Jugendliche sind viel zu oft Opfer sexueller Gewalt - in kirchlichen Einrichtungen, Schulen, Vereinen und in der Familie. Was sie dort erleiden, belastet nicht selten ihr ganzes Leben. Erschütternde Berichte gaben jüngst immer wieder Zeugnis davon. Sie offenbarten aber auch, auf welche Mauern des Schweigens, Vertuschens und der Ablehnung die Opfer stießen, fanden sie den Mut, ihre Peiniger offen anzuklagen.
Nicht nur das muss ein Ende haben. Bergmann fordert, die Perspektive der Opfer in den Blick zu nehmen - in der Gesetzgebung bei den Verjährungsfristen, aber auch bei den Hilfsangeboten und finanziellen Anerkennungsleistungen. Und sie hat Recht damit.
Über die Höhe der finanziellen Entschädigungen wird in den kommenden Monaten gestritten werden. Denn eine Regelung muss allen Opfern zugutekommen - unabhängig davon, ob der Täter aus einer kirchlichen Einrichtung oder einer Reformschule oder einem Turnverein stammt. Selbstverständlich ist das leider noch immer nicht. Es wird weiter öffentlicher Druck nötig sein, damit missbrauchte Kinder nicht zu erwachsenen Bittstellern gemacht werden, die sich mit juristischen Winkelzügen mächtiger Verbände und Organisationen quälen müssen. ELISABETH ZOLL
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Autor: SWP | 25.05.2011
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