Hinweise auf Missbrauch schon lange bekannt

Sulz.  Die zwei beurlaubten Seelsorger hätten in Sulz und Munderkingen gar nicht antreten dürfen - nach heutigem Wissen, sagt die Diözese Rottenburg.

Die Abgesandten des Bischöflichen Ordinariats hatten wieder einmal einen unangenehmen Auftrag zu erfüllen. Am Dienstag mussten die Kleriker im Gemeindesaal der Katholischen Kirche von Sulz am Neckar den versammelten Kirchengemeinderäten der Seelsorgeeinheit St. Jakobus eine unangenehme Nachricht überbringen. Ihr Pfarrer, wurde den rasch zusammengetrommelten Laienvertretern eröffnet, lasse auf Geheiß des Bischofs mit sofortiger Wirkung seine Amtsgeschäfte ruhen - bis auf weiteres.

Grund sind Vorwürfe zweier Opfer gegen den Geistlichen, die vor wenigen Wochen bei der Kommission sexueller Missbrauch der Diözese Rottenburg eingegangen sind. Es geht um Pädophilie. Im Jahr 1981 soll sich der Mann - das war vor seiner Priesterweihe - und später als Pfarrer an Buben vergangen haben.

Die Serie von Missbrauchs-Verdachtsfällen reißt nicht ab. Erst vor zwei Wochen hatte Bischof Gebhard Fürst dem Pfarrer von Munderkingen wegen Hinweisen auf sexuelle Übergriffe die Dienstgeschäfte untersagt. In beiden Fällen, in Munderkingen ebenso wie in Sulz, lagen dem Ordinariat Aktennotizen über fehlerhaftes Verhalten vor. Der Sulzer Pfarrer war deswegen "ultimativ" ermahnt, dem Munderkinger Pfarrer die Jugendarbeit untersagt worden. Auch dem Sulzer Pfarrer untersagte der Bischof Ende März die Jugendarbeit, zudem gab die Kirche ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag. Es geht darum zu ergründen, ob der Geistliche pädophil ist.

In den betroffenen Kirchengemeinden erscheint es angesichts der aktenkundlichen Hinweise unverständlich, warum beide Pfarrer, zufälligerweise beide im November 2009, auf ihre neuen Pfarrstellen eingewiesen wurden. Der Bischöfliche Pressesprecher Thomas Broch stellte sich gestern dieser Kritik. Er sagte, wenn man im September 2009 gewusst hätte, was man heute wisse, hätte sich die Kirchenleitung anders entschieden. Das heißt, die beiden Pfarrer wären nicht auf die neuen Stellen versetzt worden. Man sehe die Täterpersönlichkeit jetzt in einem anderen Licht.

Gegen den Munderkinger Pfarrer ermittelt die Staatsanwaltschaft Ravensburg. Im Sulzer Fall, so teilte die Staatsanwaltschaft Rottweil mit, liefen keine Ermittlungen. Der Pfarrer hat sich krankgemeldet.

Auch die Erzdiözese Freiburg hat einen Pfarrer beurlaubt. Der 44-jährige Seelsorger, der Kooperator (Hilfsgeistlicher) in der Seelsorgeeinheit Tiengen-Lauchringen (Kreis Waldshut) ist, hatte darum gebeten, weil in Irland gegen ihn wegen des Vorwurfs sexuellen Missbrauchs ermittelt wird. Der Theologe war von 1993 bis 1995 in einer Ordensgemeinschaft in Irland tätig.


Kommentare (1)

29.04.2010 08:59 Uhr |   dippegucker

Vielleicht sollte die katholische Kirche...

...von der jüdischen Religion die Beschneidung für Priester übernehmen. Allerdings empfiehlt sich da wohl eher eine Totaloperation.

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