Erzbischof räumt Fehlentscheidung bei Missbrauch ein

Freiburg. 

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch soll einem Medienbericht zufolge versucht haben, einen Fall von sexuellem Missbrauch durch einen Priester zu vertuschen. Das ARD-Fernsehmagazin "Report Mainz" zitierte aus einem Brief, in dem Zollitsch 1995 in seiner Funktion als Personalreferent verfügt habe, dass die betroffene Gemeinde im badischen Oberharmersbach über wesentliche Details des Missbrauchsskandals nicht informiert werden sollte.

"Eine solche Aufklärung hätte zudem (...) nur noch den Sinn eines Racheaktes gegenüber einem alten und kranken Mann. (...) Eine solche nachträgliche Rache nützte niemandem und würde einen Menschen ohne Not in den Ruin oder gar Tod treiben", schrieb Zollitsch dem Bericht zufolge. Ein Gemeindepfarrer hatte in Oberharmersbach mehr als 20 Jahre lang Kinder und Jugendliche missbraucht.

Zollitsch räumte indes Fehler ein. Es sei falsch gewesen, nicht die Staatsanwaltschaft eingeschaltet zu haben. "Mit dem Blick von heute ist mir klar: Wir hätten konsequenter vorgehen und mit größerem Nachdruck nach weiteren Opfern suchen und suchen lassen müssen", sagte er am Wochenende. Er fügte hinzu: "Der Gedanke, von einer Einschaltung der Staatsanwaltschaft auch zum Schutz der Opfer abzusehen, war falsch." Vorwürfe der "Vertuschung", wies die Erzdiözese allerdings zurück. lsw


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


19.07.2010

Missbrauchsfälle in katholischer Kirche

Beichtgeheimnis wackelt

Dublin/Rom Angesichts der Missbrauchsdebatte in Irland will die dortige Regierung mit einem Gesetz das Beichtgeheimnis aufweichen. Der Vatikan hat daraufhin seinen Botschafter aus Dublin nach Rom beordert.... mehr

KOMMENTAR · MISSBRAUCH: Nicht jedes Mittel heilig

Die anhaltende Wut in Irland über den Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch ist angesichts des jüngsten Untersuchungsberichts verständlich.... mehr

Untersuchungen wegen Missbrauch

Der Untersuchungsbericht über Kindesmissbrauch in der Diözese Cloyne enthält schwere Vorwürfe gegen den Vatikan und den damaligen Bischof John Magee. Insgesamt werden Vorwürfe gegen 19 Geistliche aus den Jahren 1996 bis 2009 untersucht, auch gegen den Bischof.... mehr

Bergmann fordert Hilfen für Missbrauchsopfer

Berlin Missbrauchsopfer sind auf Hilfe angewiesen, auch wenn sexuelle Übergriffe bereits Jahre zurückliegen. Das ist eine zentrale Aussage im Abschlussbericht der Beauftragten zur Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch, Christine Bergmann.... mehr

15 000 Opfer beginnen zu reden

Die Bundesregierung reagierte auf die Missbrauchsskandale vor einem Jahr: mit Christine Bergmann. Die Ex-Ministerin sollte als neue Missbrauchsbeauftragte das Thema in einem Bericht aufarbeiten.... mehr

KOMMENTAR · MISSBRAUCH: Respekt, Frau Bergmann

Der Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Christine Bergmann, gebührt Respekt. Sie hat sich in den vergangenen Monaten nicht nur mit erschütternden Opferberichten auseinandergesetzt.... mehr

Regularien zum Schutz Minderjähriger

Rottenburg Die katholische Kirche zieht Konsequenzen aus dem Missbrauchs-Skandal: Mit zahlreichen Regularien in ihren Institutionen verstärkt sie den Schutz Minderjähriger vor Sextätern aus den eigenen Reihen.... mehr

Wie viel Nähe dürfen Seelsorger, Lehrer und Jugendleiter noch wagen?

Der Missbrauchsskandal in der Kirche hat vieles verändert. Er hat, neben anderem, auch für Verunsicherung gesorgt darüber, wie viel menschliche Nähe noch sein darf zwischen Pfarrern und...... mehr
Missbrauchsparagraf

Hinweise auf Missbrauch schon lange bekannt

Sulz Die zwei beurlaubten Seelsorger hätten in Sulz und Munderkingen gar nicht antreten dürfen - nach heutigem Wissen, sagt die Diözese Rottenburg.... mehr
DEU Kirche Missbrauch Bischofskonferenz

Bischöfe wollen verschärfte Leitlinien

Würzburg Das Thema Missbrauch ist brisant. Dementsprechend schweigsam reisten die katholischen Bischöfe am Montag nach Würzburg, um die Leitlinien im Umgang mit Missbrauchsfällen zu verbessern. Neu Vorschriften werden im Sommer erwartet. Es geht zunächst um einen Entwurf.... mehr