Beichtgeheimnis wackelt

Dublin/Rom.  Angesichts der Missbrauchsdebatte in Irland will die dortige Regierung mit einem Gesetz das Beichtgeheimnis aufweichen. Der Vatikan hat daraufhin seinen Botschafter aus Dublin nach Rom beordert.

Der Vatikan hat seinen Botschafter aus Dublin zu Gesprächen nach Rom einberufen. Zuvor hatte der irische Premier Enda Kenny im Parlament schwere Vorwürfe gegen den Heiligen Stuhl erhoben. Der diplomatische Schritt ist Anzeichen für die Verstimmung in Rom über die in Irland geplante Aufweichung des Beichtgeheimnisses. Demnach sollen Geistliche verpflichtet werden, Pädophile auch anzuzeigen, wenn sie von deren Vergehen bei der Beichte erfahren. Geistlichen, die entsprechende Informationen nicht an Ermittlungsbehörden weitergeben, soll bis zu fünf Jahren Haft drohen. Bischof Gianfranco Girotti, Chef des mit Gewissens- und Ablassfragen befassten Vatikangerichts der Apostolischen Pönitentiarie, nannte die Pläne "unzulässig" und "absurd".

Die Spannungen zwischen Rom und Dublin hatte vor allem der vergangene Woche vorgestellte Bericht über Missbrauchsfälle in der Diözese Cloyne geschürt. Darin stand, dass auch nach der Einführung neuer Normen durch den Vatikan von 2001 Ermittlungen weiter behindert wurden. Der irische Ministerpräsident hatte dem Vatikan daraufhin vorgeworfen, die Souveränität des Staates verletzt zu haben. Er berief sich auf einen Brief, in dem der Vatikan 1997 irischen Bischöfen abriet, Informationen weiterzugeben.

Angesichts der Spannung warnte der Dubliner Erzbischof Diarmuid Martin vor einem Ende der Zusammenarbeit von staatlichen und kirchlichen Stellen bei Aufklärung und Prävention von sexuellem Missbrauch. Gleichzeitig gestand er ein, dass die Missachtung der vatikanischen Normen von 2001, die der Bericht über die Diözese Cloyne darlegt, die Frage nach dem Zustand der irischen Kirche aufwerfe.

Der Vatikan bemüht sich, die Schärfe der Auseinandersetzung zu mildern. Vatikansprecher Lombardi hofft, dass "die Diskussion über derart dramatische Themen mit der nötigen Objektivität geführt wird". Nur so könne der Schutz von Kindern gewährleistet werden, der oberste Priorität haben müsse.

Der 2010 im Zuge der Missbrauchskandale zurückgetretene Bischof von Cloyne, John Magee, verfügte über gute Kontakte in den Vatikan. Er handelte als Bischof offenbar bis zuletzt nach dem Grundsatz, dem Schutz der Institution Kirche Vorrang vor allen anderen Prinzipien einzuräumen. Nach diesem Grundsatz hatte auch der Primas der katholischen Kirche von Irland, Kardinal Sean Brady, als Priester Opfer von pädophilen Priestern zum Schweigen verpflichtet. Im Fall einer Anzeige soll er sie aus Gehorsam gegenüber seinen Vorgesetzten mit Exkommunikation bedroht haben. Dass Brady dennoch nicht an Rücktritt denkt, schockierte die internationale Öffentlichkeit.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: BETTINA GABBE | 26.07.2011

Missbrauchsfälle in katholischer Kirche

Bergmann fordert Hilfen für Missbrauchsopfer

Berlin Missbrauchsopfer sind auf Hilfe angewiesen, auch wenn sexuelle Übergriffe bereits Jahre zurückliegen. Das ist eine zentrale Aussage im Abschlussbericht der Beauftragten zur Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch, Christine Bergmann.... mehr

15 000 Opfer beginnen zu reden

Die Bundesregierung reagierte auf die Missbrauchsskandale vor einem Jahr: mit Christine Bergmann. Die Ex-Ministerin sollte als neue Missbrauchsbeauftragte das Thema in einem Bericht aufarbeiten.... mehr

KOMMENTAR · MISSBRAUCH: Respekt, Frau Bergmann

Der Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Christine Bergmann, gebührt Respekt. Sie hat sich in den vergangenen Monaten nicht nur mit erschütternden Opferberichten auseinandergesetzt.... mehr

Regularien zum Schutz Minderjähriger

Rottenburg Die katholische Kirche zieht Konsequenzen aus dem Missbrauchs-Skandal: Mit zahlreichen Regularien in ihren Institutionen verstärkt sie den Schutz Minderjähriger vor Sextätern aus den eigenen Reihen.... mehr

Wie viel Nähe dürfen Seelsorger, Lehrer und Jugendleiter noch wagen?

Der Missbrauchsskandal in der Kirche hat vieles verändert. Er hat, neben anderem, auch für Verunsicherung gesorgt darüber, wie viel menschliche Nähe noch sein darf zwischen Pfarrern und...... mehr
DSC_0089

Erzbischof räumt Fehlentscheidung bei Missbrauch ein

Freiburg Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch soll einem Medienbericht zufolge versucht haben, einen Fall von sexuellem Missbrauch durch einen Priester zu vertuschen.... mehr
Missbrauchsparagraf

Hinweise auf Missbrauch schon lange bekannt

Sulz Die zwei beurlaubten Seelsorger hätten in Sulz und Munderkingen gar nicht antreten dürfen - nach heutigem Wissen, sagt die Diözese Rottenburg.... mehr
DEU Kirche Missbrauch Bischofskonferenz

Bischöfe wollen verschärfte Leitlinien

Würzburg Das Thema Missbrauch ist brisant. Dementsprechend schweigsam reisten die katholischen Bischöfe am Montag nach Würzburg, um die Leitlinien im Umgang mit Missbrauchsfällen zu verbessern. Neu Vorschriften werden im Sommer erwartet. Es geht zunächst um einen Entwurf.... mehr
Walter Mixa

Augsburger Bischof Mixa bietet Rücktritt an

Augsburg Der in die Kritik geratene Augsburger Bischof Walter Mixa hat seinen Rücktritt eingereicht. Wie die „Augsburger Allgemeine“ in ihrer Online-Ausgabe berichtet, hat Mixa am Mittwochabend einen Brief an den Papst geschrieben und darin seinen Rücktritt vom Amt des Bischofs von Augsburg wie auch vom Amt des Militärbischofs der Bundeswehr angeboten. ... mehr

Massive Austrittswelle bei Katholiken

Ulm Die Zahl der Kirchenaustritte steigt massiv, das ist auch in der Region zu spüren. Thomas Keller, stellvertretender katholischer Dekan in Ulm, spart nicht mit kritischen Worten an die eigenen Oberen.... mehr