Panzer und die Qual der Überzahl

Am Ende einer ereignisreichen Woche kassierte der TV Neuhausen gegen den VfL Bad Schwartau nicht nur die erste Heimniederlage der Saison, er musste sich auch aus den Aufstiegsrängen verabschieden.

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. . .um am Ende regelrecht entsetzt zu sein - über das Ergebnis und die Schiris. Fotos: Kiehl

Es war ein Spiel, das ratlos machte. Da sah der TV Neuhausen nach 42 Minuten wie der sichere Sieger aus, führte 21:18. Vorzüglich geklappt hatte bis dahin das Spiel über die rechte Seite, wo Ralf Bader und vor allem Alexander Trost ihren Gegenspielern Knoten in die Beine gewirbelt hatten, Torhüter Thomas Bauer zeigte eine Klasse-Leistung.

Gerade aber das 21:18 von Julius Emrich verdeutlichte, wie schwer sich die Gaugisch-Schützlinge vor 1250 Zuschauern oft taten. Der Kreisläufer traf im dritten Nachfassen, Ralf Bader und Marcel Schiller waren zuvor an Tobias Mahncke gescheitert. Der war in der 38. Minute ins Bad Schwartauer Tor gekommen und beim TVN, der bis dahin immer vorne gelegen war, ging gar nichts mehr. Ein alarmierendes 21:23 wurde in Minute 48 notiert.

Die Gastgeber fighteten sich mit Toren von Ferdinand Michalik und Julius Emrich zurück (23:23, 51.). Es folgte eine Szene, die nach Abpfiff heiß diskutiert wurde. Mahncke hatte bei TVN-Gegenstoß sein Gehäuse verlassen, rasselte mit Emrich an der Mittellinie zusammen. Ihm Absicht zu unterstellen wäre nicht korrekt, wahrscheinlich haben aber die Schiedsrichter trotzdem richtig gehandelt, indem sie ihn mit Rot vom Platz schickten und der Regel entsprechend auch noch einen Siebenmeter verhängten. Den konnte Marcel Schiller nicht verwandeln. Der 38-jährige Ariel Panzer, der bis zur 38. Minute eher glücklos im VfL-Tor agiert hatte, kam zurück und führte Mahnckes Arbeit fort. Dass dann Nico Büdel ein astreines Kempa-Anspiel von Alexander Trost frei vor dem Tor nicht kontrollieren konnte, passte irgendwie ins Bild.

Völlig unübersichtlich wurde es in Minute 54. Jeremias Rose hatte zum 24:23 getroffen, sein Gegenspieler wurde wegen einer nicht regelkonformen Intervention des Feldes verwiesen. Darüber entbrannte eine handgreifliche Auseinandersetzung, mittendrin Julius Emrich. Er musste ebenfalls raus, ein Bad Schwartauer Heißsporn ging mit - das ergab eine 5:4-Situation auf dem Feld. Schiller und zwei Mal Büdel hatten die Chance, die TVN-Überzahl erfolgreich zu nutzen, Panzer hatte etwas dagegen. Ein Spielchen, das sich nach Büdels 25:24 (56.) wiederholen sollte.

Nun wäre es freilich falsch, das VfL-Spiel auf die Torhüter zu reduzieren. Was Jan Schult (10 Treffer) und Toni Podpolinski (7) im Rückraum vorführten, war allererste Sahne. Schult feuerte auch aus der Hüfte. Dass er fast immer traf, geschah sehr zum Leidwesen von TVN-Keeper Thomas Bauer, der ansonsten famos agierte, gegen die beiden Shooter aber auf verlorenem Posten stand. Dank ihm hatte der TVN die 15:13-Pausenführung mit in die Kabine genommen, er hielt sein Team gegen Ende im Spiel.

Gereicht hat das nicht, um Bad Schwartaus 27:25-Führung aus Minute 58 noch zu reparieren. Am Schluss gab es noch einmal Aufregung, weil die Schiedsrichter die Zeit vor dem letzten TVN-Angriff nicht angehalten hatten. Die 27:28-Niederlage haben aber andere zu verantworten.

"Es ist eine bittere Niederlage. In jedem Zweitligaspiel muss man an die 100 Prozent kommen, da waren wir in der zweiten Halbzeit weit weg. Wir haben die Big Points bei Drei-Tore-Führungen nicht gemacht und die Rechnung dafür bekommen", sagte TVN-Kapitän Aleksandar Stevic. Sein Trainer Markus Gaugisch lobte den Gegner: "Bad Schwartau hat sehr gut angegriffen, wir mussten mehrmals umstellen. Es hat nicht gereicht, wir waren nicht gut genug." Was man zuvor gesehen hatte, fasste VfL-Coach Torge Greve zusammen: "Wir haben uns gut auf die offensive Abwehr eingestellt, geduldig gespielt und immer an uns geglaubt. Am Ende hatten wir das Glück auf unserer Seite."

So spielten sie

TV Neuhausen: Bauer, Becker - Emrich (4), Trost (5), Reusch, Schiller (4/1), Stevic, Klingler, Michalik (1), Büdel (4/2), Rose (2), Oesterle, Schröder (3), Bader (4).

VfL Bad Schwartau: Mahncke, Panzer - Hansen (3), Podpolinski (7), Wagner, Märtner, Zeschke (2), Hinrichsen (1), Kasza, Schult (10), Tretow, Todosijevic (1), Dombrowski (1), Schliedermann (3).

Siebenmeter: 6/3 (Schiller scheitert drei Mal) - 2/0 (Wagner und Tretow scheitern).

Zeitstrafen: Emrich, Michalik - Hansen, Wagner, Hinrichsen, Schult.

Rote Karte: Mahncke (52.).

Schiedsrichter: Dr. Lutz Dassler, Lutz Günther.

Zuschauer: 1250.

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