Ein Läufer aus Somalia will gut abschneiden

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Ist Hitze gewohnt und möchte beim Ermstal-Marathon am Sonntag beim „Zehner“ gut mitlaufen: Hamze Haydar.  Foto: 

Ein Läufer aus Somalia könnte beim 9. Ermstal-Marathon am kommenden Sonntag die Blicke auf sich ziehen: Hamze Haydar. Er peilt eine gute Zeit über die Zehn-Kilometer an. Ob er bei den Besten eine gute Rolle spielen kann, vermag er nicht zu sagen, denn über die Konkurrenz weiß er so gut wie gar nichts. Er möchte sich auf sich selber konzentrieren. Seit gut zwei Jahren lebt er als Asylbewerber in Deutschland und das Laufen mache ihm „einfach Spaß“, wie er sagt.

Als Gast der Redaktion ließ er schon mal durchblicken, eine gute Zeit laufen zu können. An den Rekord des Ermstal-Marathon denkt er nicht. Dieser steht bei exakt 31:32 Minuten, aufgestellt von Timo Göhler vom Tübinger Laufladen im vergangenen Jahr. Er aber fällt über die zehn Kilometer schon Mal aus, weil er sich dieses Jahr für den Halbmarathon angemeldet hat. Er reist aus Amerika  an, samt Freundin, die übrigens ebenfalls eine sehr schnelle Läuferin ist.

Hitze gewohnt

Als einer der Favoriten auf den Sieg im „Zehner“ gilt ein gewisser Daniel Noll vom TSV Glems, der im vergangenen Jahr den Halbmarathon gewann, am Sonntag aber den „Zehner“ angehen will.

  Einen Vorteil hat Hamze Haydar aber nun schon mal: Er ist viel Sonne und große Hitze gewohnt. Und genau das könnten die Bedingungen am Sonntag auf der Strecke von Bad Urach nach Metzingen sein, die bekanntlich kaum Schatten-Passagen aufweist. Michael Koch vom Orga-Team ist mit Prognosen vorsichtig. Er möchte keine Favoriten nennen. Mit den ausrichtenden Leichtathleten TuS Metzingen, LG Dettingen/Erms und dem TSV Urach möchte er für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Schon Ende vergangener Woche hatten sich knapp über 2000 Läufer über die verschiedenen Strecken angemeldet. Neben dem „Zehner“ können noch der Halbmarathon und der Marathon in Angriff genommen werden. Auch Schülerläufe und Walking/Nordic-Walking sind im Angebot.

Hamze trainiert von seinem derzeitigen Wohnort Lichtenstein-Honau aus bis zu vier Mal die Woche. Als anerkannter Asylbewerber belegt er täglich Deutsch-Kurse. Er hat ein Praktikum als Krankenpfleger absolviert und ist auf der Suche nach einem Job oder Ausbildung ab September.

Schweres Schicksal

Das Schicksal hat es nicht gut mit ihm gemeint. Im krisengeschüttelten Somalia hat er im Jahre 2000 – er war gerade fünf Jahre alt – beide Eltern bei einem Attentat verloren. Feindliche Kräfte hatten im Unterbau des Autos eine Bombe installiert. In den weiteren Jahren wurde er von seiner Tante versorgt und arbeitete in einem Supermarkt. Auch dort wurde er bedroht, so dass er letztlich die Flucht antreten musste. „Ich hatte keine andere Möglichkeit, als aus Somalia zu flüchten“, sagt er. Die Flucht trat er  ganz alleine an. Getrennt ist er von seiner Schwester, die in England Zuflucht gefunden hat. Asyl wird dem 22-Jährigen noch bis August 2019 gewährt. Und dann? „Ich möchte hier bleiben. Es ist wichtig, dass ich im September eine Ausbildung beginne.“

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