Aus Leidenschaft zu Exoten geworden

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    Die Verbandsliga-Herrenmannschaft des TSV Riederich in der Hallenhockey-Saison 2017/18. Foto: 
  • Torwart Julian Helms (links) und Feldspieler Frederik Dittmann (rechts) für den TSV Riederich im Einsatz. 2/3
    Torwart Julian Helms (links) und Feldspieler Frederik Dittmann (rechts) für den TSV Riederich im Einsatz. Foto: 
  • Der Riedericher Frederik Dittmann am Ball. 3/3
    Der Riedericher Frederik Dittmann am Ball. Foto: 
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Man könnte sich die Frage stellen, warum der TSV Riederich als einziger Verein des Ermstals und der angrenzenden Albhochfläche die in Deutschland wahrlich nicht unpopuläre und schon gar nicht erfolglose Sportart Hockey (Deutschland war Weltmeister und Olympiasieger, ist bei Frauen wie Männern in der Weltspitze vertreten) anbietet. Beim Thema Eishockey wäre die Antwort einfach. Es gibt weit und breit nur eine Eishalle, diese steht in Reutlingen in der Rommelsbacher Straße, sodass eben nur die TSG Reutlingen die Sportarten Eishockey und Eiskunstlauf in ihrem Angebot führt.

Für Hockey hingegen benötigt man nur eine Halle im Winter und eine Rasenfläche (vorzugsweise Kunstrasen) im Sommer - darüber verfügen zahllose Vereine in der Region. Die Antwort aufs Alleinstellungsmerkmal der „Exoten“ im Ermstal hält Riederichs Hockeyabteilungsleiter Rudolf Weiß (61) bereit: „Es sind die Menschen, ihre Leidenschaft und ihr Engagement. In Riederich gibt es eben Personen, die den Hockeysport lieben, ihn unterstützen und fördern.“

Und das erfährt breite Zustimmung. Bei weitem nicht nur in Riederich mit seinen rund 4300 Einwohnern. „30 Prozent unserer Hockeymitglieder kommen nicht aus Riederich, sondern aus Städten und Gemeinden der näheren Umgebung. Aus Metzingen, Grafenberg oder Bempflingen zum Beispiel“, verrät Weiß.

50-Jahr-Feier steht bevor

Angefangen hat alles schon in der Saison 1969/70, sodass man inzwischen von einer gewissen Hockeytradition in der Ermstalgemeinde sprechen kann. Damals wurde die Hockeyabteilung beim TSV Riederich gegründet. 2020 wird eine große Feier steigen, dann begeht man in Riederich das Fest zum 50-jährigen Jubiläum.

Freilich muss auch das Jahr 2001 erwähnt werden, denn seinerzeit fand ein Neubeginn statt, bei dem der Grundstein für die heutige Situation bei den blau-weißen Hockeyspielern beider Geschlechter gelegt wurde.

Zwar verlief in den letzten knapp fünf Jahrzehnten nicht immer alles homogen und gleichmäßig in Sachen Mannschaftsstärke oder sportliche Erfolge, in der Hockey-Abteilungsleitung des TSV Riederich herrschte aber eine bemerkenswerte Kontinuität. Nur fünf Abteilungsleiter waren bis heute im Amt. Der derzeitige Verantwortliche, der 61-jährige Rudolf Weiß, ist seit mehr als zehn Jahren tätig. Ein weiterer Trumpf: Es gibt keine verkrusteten Strukturen oder Nachwuchssorgen. Jugendliche engagieren sich nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch in der Abteilungsleitung. Aktuell sind in Person von Frederik Dittmann, Moritz Graf und Simon Winter drei Mitglieder der Abteilungsleitung unter 18 Jahre alt.

Kompetente Personen

Eine zentrale Rolle im Riedericher Hockey kommt auch Christian Schappert zu. Er wirkte viele Jahre lang als Abteilungsleiter, erwarb sich Verdienste als Trainer mit A-Lizenz Leistungssport und ist gegenwärtig Sportlicher Leiter des TSV Riederich. Darüberhinaus pfeift er Spiele in seiner Rolle als Schiedsrichter mit Regionalliga-Lizenz. Kein Wunder, dass dieser kompetente Mann auch als Turnierleiter bei Deutschen Meisterschaften gefragt ist und im Verband einen guten Namen hat. Beim Bundestag des Deutschen Hockeybundes vertritt Schappert die baden-württembergische Sportjugend. Im Bereich Schiedsrichter blickt der Verein auch gerne auf ein weiteres Eigengewächs: Angelika Köppen, die seit Jahren erfolgreich national und auch auf internationaler Ebene pfeift.

Die Erfolge mit Schläger und Ball beim TSV Riederich können sich sehen lassen. Und das beileibe nicht nur auf regionaler Ebene. Die Teilnahme bei den deutschen Meisterschaften der weiblichen U-14-Jugend im Jahr 2011 ist unvergessen. Ebenso der baden-württembergische Pokalsieg der weiblichen U-14-Jugend 2010.

Bei „Jugend trainiert für Olympia“ durfte der TSV Riederich schon mehrere Finalteilnahmen und Siege feiern und war selbst Ausrichter des Regierungspräsidiumsfinales sowie des Oberschulamtsfinales auf seiner herrlichen Anlage im weitläufigen Alfred-Barner-Stadiongelände.

Nationale wie internationale Auszeichnungen schmücken Privatwohnungen und Vereinszimmer:  Das Youth Leader Certificate, vergeben vom Welthockeyverband an Patricia Weiß in 2013, ragt hier heraus. Die Tochter des Abteilungsleiters wurde für ihr Engagement also sogar auf höchster internationaler Ebene gewürdigt. Mehrere Zertifikate „Breitensport“, vergeben vom Deutschen Hockeybund, dürfen zudem in dieser Liste nicht fehlen.

Damit man erfolgreich ist, hat man nachhaltige Strukturen geschaffen, denn nichts wird dem Zufall überlassen. „Das Investment in die Ausbildung ist uns ein wichtiges Anliegen“, macht Abteilungsleiter Rudolf Weiß klar. Allein vier Trainer mit C-Lizenz Leistungssport bringen die Teams des TSV Riederich auf Vordermann. Julia Weiß, eine weitere Tochter des Abteilungsleiters und wie ihre Schwester mit dem International Youth Leader Certificate dekoriert, ist auch noch Landestrainerin und betreut dort die U-14-Mädchen. Selbst spielt sie aktuell in der Oberliga beim  HC Ludwigsburg und hat mit dem Team Ambitionen auf Höheres.  Fünf lizenzierte Schiedsrichter sind im TSV Riederich registriert.  TSV-Mitglied Salvatore Morhinweg ist Schiedsrichter-Ausbilder des Landesverbandes und aktuell Schiedsrichterobmann. Sein Vereinskollege Michael Fix coacht gegenwärtig die Aktiven und die weibliche U-16-Jugend des TSV Riederich.

Wer im Ermstal den Hockeysport ausüben möchte, kann derzeit unter vier Teams in Riederich wählen. Im Aktiven-Bereich gibt es eine Herren-Mannschaft. Im Nachwuchs stellt der TSV Riederich eine weibliche U-16-Jugend, eine männliche U18 in einer Spielgemeinschaft mit Esslingen sowie eine U 10 für Knaben und Mädchen.

Damit es auch in der Zukunft keinen Nachwuchsmangel gibt, ist der TSV Riederich diverse Kooperationen eingegangen.  Man arbeitet mit der Sieben-Keltern-Schule Metzingen, mit der Schönbein-Realschule Metzingen und dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Metzingen eng zusammen. Die Schülerinnen und Schülerinnen haben somit die Chance, frühzeitig in den Hockeysport hineinzuschnuppern.

„Wir sind regelrecht ins Hockey vernarrt. Das unterscheidet uns in Riederich sicherlich von anderen Vereinen. Dabei habe ich selbst gar nie Hockey spielt, sondern bin früher nur als Fußballer dem runden Kunstleder hinterhergejagt“, sagt Abteilungsleiter Rudolf Weiß, dessen zwei Töchter (23 und 25 Jahre alt) eine ähnlich wichtige Rolle wie der Papa im Verein spielen.

Als Trumpf für seine Hockeyspieler sieht Weiß die Rahmenbedingungen in Riederich. „Neben der Gutenberghalle verfügen wir mit dem Alfred-Barner-Sportgelände über eine der schönsten Sportanlagen der Region. Stolz sind wir auf unseren neuen, erst acht Wochen alten Kunstrasen direkt hinter dem Sportheim. Man kann es sich auf der Terrasse des Sportheims bequem machen und von dort aus die Hockeyspiele anschauen“, erzählt er voller Stolz.

Am Sonntag freilich war die Gutenberghalle der Austragungsort eines Riedericher Hockeyevents. Dort wurde ein Spieltag der Herren-Verbandsliga ausgetragen. Gastgeber TSV Riederich fuhr dabei Siege gegen Pforzheim und gegen die in Deutschland mitspielenden Franzosen aus Straßburg ein. Der Lohn: Die Tabellenführung für die Ermstäler.

Außer beim TSV Riederich gibt es in der Region nur zwei Vereine, die ebenfalls Hockey anbieten. Zum einen die TSG Reutlingen, die seit dem 1. Januar 2011 wieder im Feld- und Hallenhockey vertreten ist.  Zum anderen beim HC Tübingen, der am 1. Juli 1984 gegründet wurde. Streng genommen weist Tübingen die längste Hockeytradition auf. Denn bereits in den 1920er Jahren wurde beim SV 03 Tübingen Hockey gespielt. In Reutlingen existierte einige Zeit eine Hockeyabteilung im SSV Reutlingen. Deren Ausläufer finden sich nach ihrer Auflösung teilweise im HC Tübingen wieder.

Beim Hockey treten zwei Teams, die aus jeweils zehn Feld- und einem Torspieler bestehen (beim Kleinfeld sechs Feldspieler und Torwart und in der Halle fünf Feldspieler und Torwart), gegeneinander an. Im Unterschied zu anderen Ballsportarten ist Hockey ein körperloses Spiel.  Feldhockey-Spiele dauern zwei Mal 35 Minuten, Hallenhockey-Spiele zwei Mal 30 Minuten. Die Länge des Schlägers (Stockes) wird in Zoll gemessen. Die Standardgröße für Erwachsene ist 36,5. Der Hockeyball hat sowohl im Feld als auch in der Halle einen Umfang zwischen 22,4 und 23,5 cm.

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