Pfeifenmänner mutieren zu Hauptdarstellern bei TVN-Thriller

Handball, 3. Liga: Umstrittene Entscheidungen verhelfen der HG Oftersheim/Schwetzingen zum 31:30 (17:18)-Sieg beim TV Neuhausen und zu Rang zwei.

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TVN-Coach Anel Mahmutefendic (links) war mit einigen Schiedsrichterentscheidungen am Sonntag gegen Oftersheim/Schwetzingen nicht einverstanden. Hier wird er von Schiri Samuel Casselmann ermahnt.  Foto: 

Sie konnten einem leid tun, die Handballer des TV Neuhausen. Da hatten die Schützlinge von Trainer Anel Mahmutefendic nach dem vollkommen missglückten Auftritt in Teningen gegen den Tabellendritten HG Oftersheim/Schwetzingen am Sonntag eine ihrer besten Saisonleistungen geboten. Und dennoch stand man genauso mit leeren Händen da wie gut eine Woche zuvor in Südbaden. Das Pech der Ermstäler waren gestern die beiden Unparteiischen, die nach Meinung von Anel Mahmutefendic keineswegs neutral waren. „Wir sind schon selbstkritisch und suchen nicht alle Fehler woanders. Aber was hier ablief, war nicht fair. Meiner Meinung nach wurde mit zweierlei Maß gepfiffen“, klagte der Niederländer mit bosnischen Wurzeln.

Vielleicht hätten der Coach und viele TVN-Fans so manche strittige Entscheidung im Spielverlauf hinterher gar nicht mehr diskutiert oder rasch vergessen, wenn bloß die letzten drei Minuten nicht gewesen wären. In dieser für eine dermaßen umkämpfte und enge Partie zweier ebenwürdiger Rivalen so entscheidenden Phase kochte der Topf über und die Tragik erreichte ihren Siedepunkt.  Da wurde ein hartes Einsteigen gegen TVN-Spielmacher Jan Reusch nicht mit einem zu erwartenden Siebenmeter geahndet, sondern mit Freiwurf. Und als es Jan Reusch geschafft hatte, den Ball im leeren Oftersheimer Gehäuse zu versenken, wurde die Aktion zurückgepfiffen. Einer der beiden Schiedsrichter hatte angepfiffen und den Ball somit freigegeben, sein Kollege hingegen noch die Wischer beauftragt, was die Gäste zu einem Torwartwechsel nutzten und somit den Kasten verwaist ließen.  Letztlich galt die Entscheidung Time-Out.

Wäre es für den TVN nicht so tragisch gewesen, hätte man über die kuriose Szene lachen können. „Das ist eine extrem bittere Schlussphase gewesen. Als ich am Kreis durch einen Schlag im Gesicht getroffen wurde, musste ich mir vom Schiri anhören, dass ich sehr tief angerauscht gekommen wäre und er daher nicht auf Foulspiel entscheiden konnte. Wenn das so ist, dann können etwas kleiner gewachsene Leute künftig keinen Handball mehr spielen“, meinte Jan Reusch, mit 1,79 Meter Größe zwar kein Pygmäe, aber eben nicht auf Augenhöhe mit so manchem deutlich über 1,90 Meter großen Handballriesen. Weil es in dieser packenden, immer spannenden Partie um jedes Tor ging,  rückte am Ende durch die entstandene Hektik, die Wut des Publikums auf die Referees vollkommen in den Hintergrund, dass die Neuhäuser eine starke Vorstellung abgeliefert hatten und den 724 Zuschauern gutklassige, kurzweilige Unterhaltung geboten wurde.

Schon im ersten Durchgang konnte sich das Offerierte auf beiden Seiten sehen lassen. Feine „Dreher“ vom sehr auffällig agierenden Felix Weißer (insgesamt sieben Tore) und vom Portugiesen Mario Laurenco von der anderen, rechten Seite verzückten die Zuschauer ebenso wie tolle Zusammenspiele zwischen Rückraum und Kreis sowie kraftvolle Rückraumabschlüsse von Jungvater Ferdinand Michalik, der viele starke Szenen hatte.

Einzig hinten wurde nicht ganz so glanzvoll agiert. Adrian Lombes-Birkenheuer hätte sich sicherlich etwas mehr Glück bei seinen Abwehraktionen gewünscht, sein  Pendant Simon Tölke verbuchte bei kürzerer Einsatzzeit spektakulärere Paraden.

„Die Neuhäuser haben es uns schwer gemacht. Sie deckten etliche Lücken in unserem Abwehrverband auf. Meine Mannschaft hat kein schlechtes Spiel gezeigt, aber mitunter zu hektisch agiert. In Phasen mit Führungen haben wir verpasst, diese auszubauen. Daher blieb es immer knapp und auch folgerichtig hektisch. In der Schlussphase hatten wir Glück. Wir hätten uns nicht beschweren dürfen, wenn Jan Reuschs Treffer nicht zurückgepfiffen worden wäre“, gab Ex-Nationalspieler Holger Löhr, Trainer der HG Oftersheim/Schwetzingen, fair zu.

Die Nordbadener hüpften mit ihrem Sieg im Ermstal auf Platz zwei. Der TVN fiel auf Rang elf ab und sollte nächsten Samstag in Heilbronn-Horkheim (zwei Pluspunkte mehr auf dem Konto als die Neuhäuser) nicht leer ausgehen.

TV Neuhausen -
HG Oftersheim/Schwetzingen

30:31

TV Neuhausen: Lombes-Birkenheuer (1. - 25., ab 43.), Tölke (25. bis 43.) - Stotz (1), Weißer (7), D. Reusch (4), Meyer (n.e.), Stahl, Laurenco (4/1), Michalik (8/3), Toom (3), J. Reusch (2), Fischer, Abadie (1).
HG Oftersheim/Schwetzingen: Unser (1. - 25., ab 31.), Gabel (25. - 30.) - Barthelmeß, Messerschmidt (3), Jansen (2), Rudolf, Zipf, L. Sauer (11/5), Krämer (1), Mehl, A. Sauer (3), Fendrich (3), Körner, Hideg (8).
Siebenmeter: 4/6 (Laurenco 1/2, Michalik 3/4) - 5/6 (L. Sauer 5/6).
Zeitstrafen:  D. Reusch (2), Fischer - Messerschmidt, A. Sauer.
Schiedsrichter: Robin Bittner/Samuel Casselmann (Dreieich).
Zuschauer: 724.

Spielfilm: 0:1, 2:3, 4:3 (8., erste TVN-Führung), 7:4 (11.), 9:6 (14.), 12:9 (19.), 13:12 (23.), 15:15 (27.), 18:17 (Halbzeit) - 18:19 (32., erster Führungswechsel seit der 8. Minute),  21:20 (36.),  24:25 (44.), 27:26 (48.), 28:30 (55.),  29:30 (56.), 29:31 (57.), 30:31 (58., gleichzeitig Endstand). 

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