Loerper schockt Leipzig

Steigerung des Wahnsinns: In einer vollkommen anderen Partie als beim Erstligaduell am Mittwoch (26:23) bogen die TusSies gestern im EHF-Cup gegen den HC Leipzig ein 19:23 dank eines 6:1-Laufs in ein 25:24 um.

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Von den Emotionen übermannt: Anna Loerper hat 16 Sekunden vor Schluss mit einem wuchtigen Schlagwurf die erstmalige Führung der TusSies erzielt - das letztliche 25:24. Vor Glück schreiend rennt das 1,64 Meter große Metzinger Energiebündel aber pfeilschnell zurück, um den letzten Gästeangriff abzuwehren. Fotos: Thomas Kiehl  Foto: 

Eine total andere Partie, ein zunächst gegensätzlicher Spielverlauf: Speziell die erste Hälfte des gestrigen Hinspiels im Viertelfinale des EHF-Pokals vor 2004 Augenzeugen in der Tübinger Paul-Horn-Arena hatte nichts mit dem Bundesligatriumph (26:23) der Metzinger TusSies am Mittwochabend in der Öschhalle gegen den HC Leipzig zu tun. Die Sächsinnen schienen die besseren Schlüsse aus dem Vergleich zwei Tage zuvor gezogen zu haben und wirkten deutlich durchschlagskräftiger. Demgegenüber lahmte das Angriffsspiel der Pink-Ladies, die zu durchsichtig agierten und deren Abwehrbollwerk vom Mittwoch gestern oftmals keinen Zugriff bekam. Die Folge: Statt eines 12:8-Pausenstands wie beim Erstligaduell lagen die Konkoly-Schützlinge in der Tübinger Paul-Horn-Arena nach 30 Minuten mit 9:13 zurück. Mancher Zuschauer fragte sich dabei, warum TuS-Coach Konkoly allzu emsig durchwechselte. Selbst TuS-Tormaschine Anna Loerper fand sich nach 20 Minuten auf der harten Holzbank für die Reservistinnen wieder, Kreisläuferin Julia Behnke ging es später nicht besser. Nach 26 Minuten hatte Gästetorfrau Katja Kramarczyk schon zwölf Paraden vorzuweisen und stellte diesmal die am Mittwoch überragende Sabine Stockhorst zunächst in den Schatten. Das Pech der deutschen Nationaltorfrau: Bis zum Ende der verrückten Partie sollten ihr nur noch fünf weitere Abwehraktionen glücken.

Ein Mal lagen die Gäste im ersten Durchgang mit fünf Toren vorne - beim 8:13 in der 27. Minute, zum Seitenwechsel stand es 9:13. Nie führten die Gastgeberinnen, oftmals lagen zwei oder drei Treffer zwischen den beiden Topteams.

In Abschnitt zwei sollte es zunächst nicht besser für die Sieben-Keltern-Städterinnen werden. Zwar waren sie schon beim 13:14 in der 36. Minute dem zweiten Ausgleich im Spielverlauf nach dem 1:1 zu Beginn nahe, doch Leipzig zog anschließend abermals - beim 14:19 (42. Minute ) - auf fünf Tore davon.

Als es in der 50. Minute 19:23 stand, dürften die meisten Augenzeugen nicht mehr auf einen Heimsieg gesetzt haben. Doch die TusSies wiederholten praktisch den Husarenstreich vom Achtelfinale gegen Iuventa Michalovce an selber Stätte, als dank eines 11:1-Laufs ein 19:25 in einen 30:26-Sieg umgebogen wurde. Diesmal schockte ein 6:1-Run in den letzten zehn Minuten die Messestädterinnen. Drei Zeitstrafen gegen Leipzig mögen die sagenhafte Aufholjagd begünstigt haben, vor allem aber war der Metzinger Kampfgeist entscheidend. Nur ein einziges Mal im gesamten Spielverlauf führten die TusSies: 16 Sekunden vor Abpfiff fasste sich die unermüdliche Kämpferin Anna Loerper (zuvor nur ein Mal erfolgreich) ein Herz, jagte per Schlagwurf den Ball zum 25:24 in die HCL-Maschen. Im Gegenzug wurde der letzte Wurf der fünffachen Gästetorschützin Shenia Minevskaja von der überragenden Julia Behnke geblockt - der Sieg war in trockenen Tüchern und die Halle tobte.

Riesenjubel bei den Pink-Ladies, stinksauere Sächsinnen. "Wir haben das Spiel aus der Hand gegeben. Gegen Ende haben wir nicht mehr eng gedeckt und die Abwehr förmlich aufgeben. Es ist tragisch, mit dem letzten Wurf zu verlieren. Nun geht es im Rückspiel rund."

Auch Anne Hubinger war angefressen: "Wir versäumten, die Partie zu entscheiden. Durch dumme Fehler haben wir uns personell dezimiert und den TusSies somit Lücken angeboten. Ein Tor hinten ist aber gar nichts - das können wir in Dessau am 28. Februar umbiegen."

TuS-Ikone Patricia Stefani blickt auch auf das Rückduell um den europäischen Halbfinaleinzug. "Mit vier Toren Rückstand wäre es auswärts verdammt schwer geworden. So aber sind wir froh, mit einem Tor Vorsprung anzureisen."

Beeindruckt zeigte sich TuS-Coach Csaba Konkoly: "Irre, welchen Kampf mein Team geliefert hat. Mit diesem Willen kann man Berge versetzen."

Spiel-Statistik

TuS Metzingen: Stockhorst, Obein - Kubasta, Stefani (1), Loerper (2), Loeseth (5), Dinkel, Großmann, Weigel (1), Vollebregt (2), Michielsen (1), K. Beddies, Temes (7/6), Behnke (6), Zapf (n.e.), Szücs (n.e.).

HC Leipzig: Kramarczyk, Kurzke, Roth - Mazzucco (3), Hertlein, Schulze (3), Kudlacz-Gloc (3/1), Hubinger (5), Lang (5), Kamann, Diehl, Mietzner, Reimer, Minevskaja (5/3), Urbicht.

Zeitstrafen: Loeseth - Schulze (2), Mazzucco, Kudlacz-Gloc, Lang, Hubinger (2).

Siebenmeter: 7/6 (Loerper vergibt ein Mal)- 4/4. Schiedsrichterinnen: Cristina Nastase und Simona Raluca Stanco (Rumänien). Zuschauer: 2004.

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