Eine böse Auftakt-Überraschung

Fassungslosigkeit auf Rängen und Spielfeld: Ein scheinbar sicherer Auftaktsieg glitt den Metzinger TusSies gegen Trier aus der Hand. In der zweiten Hälfte lief eine Menge schief, die MJC siegte daher 29:28.

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  • Annamaria Ilyes (am Ball), die überragende TuS-Werferin der Vorsaison in der 2. Bundesliga, bot Licht und Schatten bei der Metzinger Erstligapremiere gegen Trier. Trainerin Edina Rott wechselte sie wegen einigen Fehlern nach der Pause aus. Überhaupt lief im TuS-Rückraum gegen Spielende vieles nicht wunschgemäß ab. Fotos: Eibner 1/4
    Annamaria Ilyes (am Ball), die überragende TuS-Werferin der Vorsaison in der 2. Bundesliga, bot Licht und Schatten bei der Metzinger Erstligapremiere gegen Trier. Trainerin Edina Rott wechselte sie wegen einigen Fehlern nach der Pause aus. Überhaupt lief im TuS-Rückraum gegen Spielende vieles nicht wunschgemäß ab. Fotos: Eibner
  • Die TuS Metzingen am Boden: Eine desolate zweite Halbzeit brachte die TusSies vom Kurs ab. Kreisläuferin Barbara Balogh konnte nicht begreifen, warum die Ermstälerinnen die Partie gegen Trier noch derart aus der Hand gaben. Foto: Kiehl 2/4
    Die TuS Metzingen am Boden: Eine desolate zweite Halbzeit brachte die TusSies vom Kurs ab. Kreisläuferin Barbara Balogh konnte nicht begreifen, warum die Ermstälerinnen die Partie gegen Trier noch derart aus der Hand gaben. Foto: Kiehl
  • Tobender Co-Trainer: Mike Leibssle (re.) konnte das Geschehen nicht fassen. Torwarttrainerin Hansen (Mitte) und die nicht eingesetzte Beddies (links) sind entsetzt. 3/4
    Tobender Co-Trainer: Mike Leibssle (re.) konnte das Geschehen nicht fassen. Torwarttrainerin Hansen (Mitte) und die nicht eingesetzte Beddies (links) sind entsetzt.
  • 15 Paraden zeigte Triers Torfrau Verena Flöck gegen die TusSies. Hier wird die Gästekeeperin allerdings von Carolin Tuc (Mitte) überwunden. Foto: Kiehl 4/4
    15 Paraden zeigte Triers Torfrau Verena Flöck gegen die TusSies. Hier wird die Gästekeeperin allerdings von Carolin Tuc (Mitte) überwunden. Foto: Kiehl
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Die Handballfrauen der TuS Metzingen erlebten im allerersten Erstligaspiel ihrer Geschichte eine böse Überraschung. Nach klaren Verhältnissen vor der Pause und einer 14:6-Führung in der 24. Minute (17:12 zur Halbzeit) boten die Pink-Schwarzen eine schwache Vorstellung im zweiten Durchgang und ließen die zuvor fast chancenlosen Gäste aus Trier einen vor dem Seitenwechsel kaum für möglich gehaltenen 29:28-Erfolg einfahren.

"Die zweite Halbzeit war bodenlos, einfach unfassbar", fasste die fünffache Torschützin Carolin Tuc das denkwürdige Geschehen auf dem Hallenparkett zusammen.

Mit hängenden Köpfen schlichen die Metzinger TusSies vom Spielfeld der mit 625 Zuschauern nicht ausverkauften Öschhalle (die mögliche Kapazität fürs Heimspiel gegen Trier betrug 800 Besucher). Soeben hatten sie mit 28:29 (17:12) gegen den Tabellenvorletzten der Erstliga-Vorsaison, die DJK/MJC Trier mit der Ex-Metzingerin Silvia Solic, verloren. Eine Niederlage, die nicht nur die Spielerinnen des Aufsteigers bei seiner Bundesligapremiere schockte, sondern auch die Augenzeugen auf den Rängen ratlos zurückließ. Zur Pause waren sich die Zuschauer einig, dass die TusSies einen relativ ungefährdeten Heimerfolg gegen die bis dato harmlos erscheinenden Moselstädterinnen einfahren würden. Zu einfach kamen die Rott-Schützlinge zu ihren Toren, zu wenig Gefahr ging von den Handballerinnen aus Deutschlands ältester Stadt aus. Acht Tore betrug der Metzinger Vorsprung in der 24. Minute und auch zur Halbzeit (17:12) trennten die beiden Auftaktspiel-Rivalen noch fünf Tore. Ein 5:0-Tore-Lauf Anfang des zweiten Durchgangs in gerade einmal vier Minuten und 27 Sekunden brachte die vom Ex-Gummersbacher Spieler Jörn Ilper trainierten Gäste wieder zurück in die scheinbar bereits verlorene Partie gegen einen in der ersten Hälfte noch so munter aufspielenden Gastgeber. Dieser 17:17-Gleichstand zwang TuS-Trainerin Edina Rott zu einer ersten Auszeit. Zwar berappelten sich die Ermstälerinnen danach wieder, gingen mehrmals in Führung, brachten sich aber durch zahlreiche leichtfertige Ballverluste und Fehlwürfe in höchste Not. Letztmals lag die TuS beim 24:23 nach 46:51 Minuten durch Ina Großmanns Treffer vorne. Danach gelang nur noch ein Gleichstand. Durch die vielen Fehler und Patzer des immer nervöser agierenden Gegners aufgebaut, drehten die Rheinländerinnen das Spiel in der Öschhalle und feierten am Ende einen sogar ungefährdeten Auswärtserfolg, weil sie mit einem Drei-Tore-Vorsprung (nach 58:43 Minuten stand es 26:29) in die Schlussphase gegangen waren. Beste TuS-Schützinnen waren Barbara Balogh, Ina Großmann (schoss das 1:0 und somit das erste Erstligator), Carolin Tuc und Annamaria Ilyes, die jeweils fünf Mal trafen.

"Mit unserem Rückraum war ich sehr unzufrieden", ließ Trainerin Edina Rot verlauten, die schon nach zehn Minuten erste Wechsel vornahm. Bis auf die verletzte Teodora Bloj (mehr dazu unter "TusSies-Splitter" links) kamen alle zur Verfügung stehenden Rückraumspielerinnen zum Einsatz. Doch keiner gelang es, das Heft eindeutig in die Hand zu nehmen, sodass Rott im Grunde über die gesamte Spielzeit experimentierte und versuchte, die beste Formation zu finden.

Schon in der 32. Minute musste Sabine Stockhorst, in der Vorsaison eine Garantin für die Zweitligameisterschaft, den Posten zwischen den Torpfosten räumen. "Sabine fing sich Gegentreffer in die kurze Ecke von außen, das sollte nicht passieren. Ich habe versucht, mit der Hereinnahme von Laura Glaser neue Akzente zu setzen", ließ Rott verlauten. Zu diesem Zeitpunkt führten die TusSies allerdings noch 17:14. 13,5 Minuten später lagen sie erstmals in Rückstand beim 22:23 - der Anfang vom Ende, denn nach dem eigentlich unfassbaren Trierer 17:17-Ausgleich hatte sich die Rott-Truppe nochmals gefangen und war immerhin mit 21:17 (38.) und 22:20 (42.) in Führung gegangen.

Weil es im Metzinger Spiel aber nicht nur eine, sondern mehrere schwerwiegende Schwächephasen gab, erhielten die Gäste von der Mosel so viel Auftrieb, dass sie die Partie letztlich drehen konnten.

Für die TuS heißt es nach dem Schock des aus der Hand gegebenen Auftaktmatchs schnell wieder die Kräfte zu bündeln und die Lehren aus der Partie zu ziehen. Denn eine Menge bitteres Lehrgeld bezahlten die Rott-Schützlinge an diesem denkwürdigen Samstagabend zweifellos. Auf die TusSies warten nun zwei schwere Auswärtsaufgaben in Blomberg-Lippe (15. September) und Bad Wildungen (22. September). Dann kommt Leipzig.

Stimmen zum Spiel

Edina Rott (Trainerin TuS Metzingen): "Der Druck lag eher bei uns, das Heimspiel gewinnen zu müssen. Wir waren aber unheimlich nervös und ängstlich, das hat viele Aktionen bei uns gelähmt. Daher konnten wir unsere gewohnte Leistung nicht abrufen. Wir haben auch insgesamt zu langsam gespielt. Der Gegner war einfach routinierter und hat besser getroffen."

Laura Glaser (Torhüterin TuS Metzingen): "Wir sind sehr betrübt. Wir hatten es klar selbst in der Hand so ein Spiel zu gewinnen. Wir fanden nach der Halbzeit nicht mehr ins Spiel, obwohl wir deutlich mit fünf Treffern vorne lagen. Wir nahmen leider das Tempo raus und hatten viele Ballverluste. Wir haben den Gegner nicht unterschätzt. Nun müssen wir aus den Fehlern schnell lernen."

Ina Großmann (TuS Metzingen): "Es konnte nicht jede von uns 100 Prozent Leistung abrufen - und das vor so einer Kulisse. Es ist einfach bitter, wenn man in einer Partie mit acht Toren führt und es dann noch aus der Hand gibt. Wir haben schon gegen Ende der ersten Halbzeit den Faden verloren. Es hätte doch nach der guten Führung gereicht, einfach die Partie vollends runterzuspielen."

Nastja Antonewitch (TuS Metzingen): "Uns fehlte die Cleverness. Wir lagen mit acht Toren vorne, das hätte einfach reichen müssen. Wir haben viele Fehler gemacht, das wird in der Bundesliga bestraft. Wir müssen daraus lernen und selbstkritisch sein. Die Stärken unseres Teams, Schnelligkeit und Dynamik, haben wir gar nicht ausgespielt."

Carolin Tuc (TuS Metzingen): "Gegen diese Mannschaft aus Trier hätten wir gewinnen müssen. Die MJC hätte sogar gegen manchen Zweitligisten Probleme bekommen. Sehr ärgerlich, denn eigentlich war es ein Vier-Punkte-Spiel. Wir haben den Gegner nicht unterschätzt. Aber in punkto Routine und Cleverness waren die Gäste besser."

Jessica Kockler (Rückraumspielerin DJK/MJC Trier): "Es war ein Berg- und Tal-Spiel mit dem besseren Ende für uns. Der Sieg war verdient, weil wir einen Acht-Tore-Rückstand, der in der 24. Minute bestand, aufgeholt haben. Ich glaube, die TusSies haben uns unterschätzt. Wir haben den Gegner später überrascht, indem wir das Tempo verschärft haben und weniger Fehler begangen haben."

So spielten sie

TuS Metzingen: Stockhorst (bis 32.), Glaser (32. - 60.) - Engel (1), Mößinger, Balogh (5), Tuc (5), Kubasta (2), Stefani (2), Ilyes (5/1), Smideliusz, Antonewitch (3), Großmann (5), Padutsch, Beddies (n.e.).

DJK/MJC Trier: Flöck, Bocka - Kockler, Zelmel (4), Czanik (4), Schmele (8/2), Vallet (3), Adeberg (2/1), Derbach (3), Solic (1), Cabeza Gutierrez (4).

Siebenmeter: 3/1 (Engel verwirft ihren Versuch, Ilyes verwandelt einen ihrer zwei Versuche) - 4/3 (Schmele verwandelt beide Versuche, Adeberg verwirft einen ihrer zwei Versuche).

Zeitstrafen: Engel, Balogh - Czanik (3), Vallet, Cabeza Gutierrez.

Rote Karte: Czanik (59., drei Zeitstrafen).

Schiedsrichter: Daniel Kirsch / Philipp Dinges (TG Eggenstein).

Zuschauer: 625 zahlende.

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