Absturz auf den drittletzten Rang

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Ein bitterer Samstagabend: TVN-Trainer Aleksandar Stevic (stehend links) schaut dem Treiben fassungslos zu, Rückraumlenker Ferdinand Michalik (stehend rechts) schreit aufs Spielfeld zu seinen Kameraden. Foto: Eibner  Foto: 

Der TV Neuhausen ist auf einen Abstiegsrang in der 2. Handball-Bundesliga abgerutscht. Die Ermstäler rangieren nun auf dem 18. und somit drittletzten Platz der 20 Teams umfassenden zweithöchsten Spielklasse. „In dieser Form steigen wir ab.“ In dieser Feststellung waren sich viele TVN-Anhänger am Samstagabend einig über die Bewertung der 60 Minuten gegen den Tabellenzwölften TV Emsdetten und auch Trainer Aleksandar Stevic gab zu. „Wenn wir so weiterspielen, werden wir in diesem Jahr kein Spiel mehr gewinnen.“

Das Kalenderjahr sieht für sein Team noch zwei Auswärtsspiele (am 11. Dezember in Nordhorn, am 26. Dezember in Konstanz) und eine Heimaufgabe (17. Dezember gegen Bad Schwartau) vor. Dann folgt eine Pause bis zum 4. Februar 2017.

In der Tat machen die Bilanzen wenig Mut. Aus den letzten sechs Begegnungen ergatterten die Neuhäuser nur einen Punkt (daheim gegen Ferndorf). Dreht man das Rad des Negativlaufs noch ein wenig zurück, so zählt man acht Niederlagen und ein Unentschieden aus den vergangenen zehn Spielen. Nur der Saisonbeginn, als drei Siege und zwei Pleiten nach den fünf Startpartien zu Buche standen, zeigt eine zufriedenstellende Bilanz auf.

So schlecht wie am Samstagabend gegen den TV Emsdetten präsentierten sich die Stevic-Schützlinge freilich noch nie in dieser Saison. Auch in verlorenen Partien wurde meist eine ordentliche Leistung gezeigt, gegen Topteams wie Rimpar, Ludwigshafen-Friesenheim, Bietigheim oder Lübbecke heimste man trotz leerer Taschen zumindest Anerkennung und Lob vom Gegner ein. Emsdettens Coach Daniel Kubeš hingegen lobte am Samstag nur seine Truppe. Mit dem regelrecht letzten Aufgebot waren die Westfalen in den Metzinger Stadtteil gereist und präsentierten gerade einmal acht Feldspieler. Ansonsten sitzen stets mehr Akteure auf der gegnerischen als auf der Neuhäuser Bank, wenn der TVN in Liga 2 auf den Plan tritt. Diesmal war alles anders.

„Unser Kader umfasst 15 Spieler, sieben davon haben in Neuhausen gefehlt, darunter zumindest zwei aus der Startformation. Daher habe ich mich selbst auch auf die Bank gesetzt und mir das Spielertrikot mit der Nummer 9 übergestülpt, das eigentlich dem verletzten Tilman Pröhl gehört. Ich selbst habe gar kein mit meinem Namen beflocktes Shirt mehr“, gestand TVE-Trainer Daniel Kubeš, einst ein herausragender Handballer (140 Länderspiele für Tschechien), der aber zuletzt vor zwei Jahren auf dem Feld stand.

„Ich wollte parat stehen, falls sich einer aus meinem Minikader verletzt oder rot gesehen hätte. Meinen Jungs gebührt ein Riesenkompliment. 55 Minuten lang haben die selben sechs Feldspieler durchgehalten. Wir blieben cool und konzentriert.“

Wie Kubeš verriet, war es das Emsdetter Ziel, auf jeden Fall mehr als 30 Tore zu werfen. Bei den drei Gastspielen zuvor seit 2011 (36:32, 32:26, 31:22 für den TVN) hatten die Grün-Weißen immer mehr als 30 Gegentore in Auswärtspartien gegen den TVN kassiert. Diesmal konnte dies verhindert werden. Bei den Neuhäusern, die sich wie ein Absteiger präsentierten, haperte es nämlich nicht nur in der Defensive, der bekannten Schwachstelle, entscheidend. Durch zahlreiche leichte Abspielfehler, Missgeschicke und Fehlwürfe konnten sie auch im Angriff nicht überzeugen.

„Wir waren zu ungeduldig und disziplinlos, haben zu früh abgeschlossen. Dadurch sind wir in sechs Gegenstöße gelaufen. Wenn man dann zur Pause mit 14:19 zurück liegt, schwindet das Selbstvertrauen immer mehr. Dabei hatten wir gehofft, aus der Tatsache, dass der Gegner nur mit acht Fehlspielern anreiste, einen Vorteil zu ziehen. Weil wir es aber nicht schafften, unser Tempospiel durchzuziehen und zu wenige Ballgewinne verzeichneten, hat unser Plan nicht funktioniert“, meinte Aleksandar Stevic, der auch zugab, dass „die Leistung trotz aller ersten Einschätzungen unerklärlich und desolat war.“ Der Coach kündigte eine gründliche Analyse an.

Teilweise wurden kritische Stimmen in der Hofbühlhalle laut, die an der Neuhäuser Startformation, in der diesmal mit Witte und Sokicic zwei Akteure standen, die ansonsten eher von der Bank kommen, herummäkelten. Es hätte den Fehlstart begünstigt und zur Verunsicherung beigetragen, nicht mit der vermeintlich stärksten Besetzung begonnen zu haben. Stevic entgegnete darauf: „Ich wollte mit den frischen Kräften dafür sorgen, dass Ferdinand Michalik und Jona Schoch entlastet werden.“

Auch dieser Schachzug ging vor der Saisonminuskulisse von nur 689 Zuschauern (auch im gleichzeitig stattfindenden Metzinger Weihnachtsmarkt könnte eine Erklärung für die schwache Zuschauerzahl liegen) nicht auf. Im gesamten Spielverlauf lag der TVN ausschließlich im Hintertreffen.0:3 nach vier Minuten, dann 4:5, 6:10 (nach gut einer Viertelstunde), 8:14 (21.), 14:19 (zur Pause), 15:21, 17:24 (40.), 22:25, 23:30 (54.) und letztlich mit 26:32. Es passte ins Bild, dass nicht nur das Punktekonto ramponiert wurde, sondern wie schon bei der im Vergleich dazu ehrenvollen Niederlage vor Wochenfrist in Lübbecke (damals zog sich Andreas Bornemann eine Fleischwunde zu), auch noch Kreisläufer Frederic Stüber seinen Blutzoll entrichten musste. „Ich erhielt einen Ellbogenschlag aufs Auge. Zum Glück war kurz danach Halbzeit, sodass ich von Mannschaftsarzt Dietmar Baumann genäht werden konnte“, verriet der bullige Kreisläufer.

TV Neuhausen – TV Emsdetten

 26:32

TV Neuhausen: Becker (bis 22., ab 53.), Rebmann (22. bis 53.) - Stüber, Sokicic, P. Euchner, Wahl (8/1), D. Reusch (2), Schoch (3), Klingler (7), Michalik, Witte, Stahl (n.e.), J. Reusch (1), Bornemann (5).
TV Emsdetten: Komendant, Madert - Krings (6), Terhaer (3), Kubes (n.e.), Steffen, Dräger (1), Adams (8), Kropp (6), Gretarsson (2), Pöhle (6/3).
Siebenmeter: 1/2 (Wahl 1/2) - 3/4 (Pöhle 3/4).
Zeitstrafen: D. Reusch - Krings, Adams (2), Gretarsson.
Zuschauer: 689.
Schiedsrichter: Christian Hannes / David Hannes ((Aachen/Dortmund)

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