SSV-Boss trainierte im Betis-Trikot

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  • Ein Bild von Michael Schuster (links) im Betis-Trikot gibt es nicht mehr, weil das grün-weiß gestreifte Shirt „aus dem Leim ging.“ Der SSV-Fußballboss präsentiert sich hier gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Norbert Brendle, Alfons Bietz und Theo Faßnacht (von li.). 1/3
    Ein Bild von Michael Schuster (links) im Betis-Trikot gibt es nicht mehr, weil das grün-weiß gestreifte Shirt „aus dem Leim ging.“ Der SSV-Fußballboss präsentiert sich hier gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Norbert Brendle, Alfons Bietz und Theo Faßnacht (von li.). Foto: 
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Dass der fünfmalige Deutsche Meister VfB Stuttgart, Herzensklub von zehntausenden Fans in den Landkreisen Reutlingen und Esslingen, am morgigen Sonntag ab 14.30 Uhr viele Fans und Sympathisanten im Reutlinger Kreuz­eichestadion beim Testspiel hinter sich weiß, ist sonnenklar. Komplizierter sieht es beim spanischen Erstligisten  Real Betis Balompié aus. Der grün-weiße Traditionsklub aus Sevilla ist eben nicht Real Madrid oder der FC Barcelona, denen aufgrund ihrer globalen Strahlkraft und ihrer jeweiligen Superstar-Ensembles weltweit die Bewunderer nachlaufen, was auch in Deutschland nicht anders ist. Bei Betis muss man schon tiefer bohren, wird aber fündig. Wer hätte etwa geahnt, dass ausgerechnet der Boss des SSV Reutlingen Fußball, Michael Schuster, ein langjähriger treuer „Bético“ ist? Oder wer weiß, dass es einen Olympiasieger aus dem Trochtelfinger Stadtteil Mägerkingen im Landkreis Reutlingen gibt, der schon als Torschütze gegen Real Betis im Europapokal in Erscheinung trat?

Das Herz an Betis verloren

Vor rund 30 Jahren hatte Michael „Dino“ Schuster geschäftlich in Andalusien zu tun und half dort beim Bau des Ferienhauses eines Freundes mit. Weil die Nähe zur südspanischen Großstadt Sevilla verlockend war, zog es den immer fußballbegeisterten Keeper ins Stadion von Real Betis, wo er einem Heimspiel der grün-weiß Gestreiften gegen Atletico Madrid beiwohnte. „Betis war damals sportlich besser als der Stadtrivale Sevilla FC. Ich war total begeistert von der Atmosphäre im Estadio Benito Villamarín und habe mein Herz an Betis verloren. Die Partie gegen Atletico wurde 2:1 gewonnen und hinterher wollte ich unbedingt ein Betis-Trikot“, erinnert sich der 53-Jährige.

In den Tagen nach dem prägenden Erlebnis gelang es dem heutigen SSV-Fußballchef, das begehrte Fan-Jersey zu ergattern - wohlgemerkt jenes eines Feldspielers mit den traditionellen vertikalen grün-weißen Streifen. „Ich habe dann oft bei meinen damaligen Klubs wie TSV Pliezhausen und VfL Pfullingen im Betis-Shirt trainiert“, blickt Schuster zurück, der aber auch zugibt, heutzutage in jenen geliebten Stofffetzen nicht mehr schlüpfen zu können. „Leider ist dieses Betis-Trikot vom vielen Tragen und  Waschen schon vor etlichen Jahren aus dem Leim gegangen“, gibt Schuster zu. „Ich bin kein Erfolgsfan. Dass der Sevilla FC seit mehr als zehn Jahren deutlich erfolgreicher als Betis ist und seither fünf Mal den UEFA-Pokal sowie dessen Nachfolgewettbewerb Europa League gewonnen hat, beeindruckt mich wenig. Ich war noch nie bei einem Heimspiel des Sevilla FC, immer nur bei Betis. Ein echter Schalker geht auch nicht zu Borussia Dortmund. Seit dem ersten Mal vor 30 Jahren bin ich schon zwölf weitere Male in Sevilla gewesen - darunter ein Besuch bei der Weltausstellung Expo 1992 - und habe immer wieder Auftritte von Betis im  Estadio Benito Villamarín verfolgt“, lässt Schuster wissen.

Eine besondere Freude für den SSV-Fußballboss war der Besuch einer kleinen Delegation aus Sevilla vor einigen Wochen im Kreuzeichestadion. „Das waren lauter nette Leute. Sie wollten das Stadion im Vorfeld des Testspiels gegen den VfB Stuttgart begutachten und ließen sich alles von uns zeigen. Der Spaß kam nicht zu kurz, wir erhielten Wimpel und Anstecknadeln von den Betis-Vertretern als Präsente“, weiß Schuster vom Erlebnis mit den  Sportstättenprüfern zu berichten.

Wilfried Gröbner hat gegen Betis sogar ein Tor geschossen. Der 67-Jährige, der acht Länderspiele für die damalige DDR-Auswahl zwischen 1976 und 1979 bestritt, glich vor 18 000 Zuschauern im Leipziger Zentralstadion den durch Francisco Javier López Garcías Treffer in der 14. Minute zu Stande gekommenen Rückstand nach 30 Zeigerumdrehungen aus. „Ich bin mir nicht mehr hundertprozentig sicher, wer der Flankengeber war. Aber der Ball segelte aus dem Spielverlauf von rechts in den Strafraum der Gäste und ich stürmte als Innenverteidiger vehement zum Ball, erwischte das Ding mit der Stirn und netzte per Kopfball zum 1:1-Endstand ein. Das lag auch daran, dass noch Stürmerblut in meinen Adern floss. Ich war schließlich zuvor Angreifer gewesen und wurde beim 1. FC Lokomotive Leipzig erst zum Innenverteidiger, damals Vorstopper, umfunktioniert“, erinnert sich Wilfried Gröbner ans Achtelfinal-Hinspiel vom 19. Oktober 1977.

Noch heute fuchst den ehemaligen Meistertrainer des SSV Reutlingen, der 1992 nur ganz knapp in der Aufstiegsrunde durch ein 0:2 in Unterhaching den Sprung in die 2. Bundesliga verpasste, das Ausscheiden gegen Real Betis im Europapokal der Pokalsieger der Saison 1977/78. „Das war extrem unnötig. Wir hätten locker weiterkommen können. Vor allem beim Rückspiel in Sevilla war zumindest ein Remis in Reichweite, doch wir haben zu wenig gemacht und außerdem Pech mit einem Pfostenschuss gehabt“, so Gröbner über die 1:2-Pleite vor 35 000 Zuschauern am 2. November 1977 in Spanien.

„In unserer Leipziger Lok-Truppe hat es speziell in der Saison 1977/78 nicht gestimmt, was vor allem am Trainer lag. Wir litten im Gegensatz zu den Vorjahren unter einigen Unstimmigkeiten und Reibereien. Betis ist mir seinerzeit hingegen als homogene Mannschaft, freilich ohne extreme Einzelkönner, aufgefallen. Ich muss zugeben, dass mir selbst ein so bekannter Mann wie  Rafael Gordillo, der damals bei Betis seine Karriere begann und gegen uns mitspielte, nicht mehr  in Erinnerung ist“, gibt Gröbner zu. Gordillos Stern ging bei Real Betis Balompié auf, er wechselte dann zu Real Madrid, wo er von  1985 bis 1992 satte 182 Partien bestritt und an der Seite von weiteren Stars wie Emilio Butragueño,  José Antonio Camacho,  Hugo Sánchez,  Santillana oder Míchel viele Erfolge feierte. Als einer der besten Fußballer weltweit auf der defensiven linken Außenbahn streifte sich der Mann mit der Pferdelunge von 1978 bis 1988 auch 75 Mal das Trikot der spanischen Nationalmannschaft über.

Während  Betis-Ikone Gordillo (inzwischen 60 Jahre alt), der nach seiner Zeit in Madrid 1992 wieder nach Sevilla zurückkehrte, einen UEFA-Pokaltriumph, fünf spanische Meisterschaften (jeweils mit Real Madrid) und eine Vize-Europameisterschaft mit Spanien auf seiner Erfolgsliste verbuchte, kann Wilfried Gröbner den Olympiasieg mit der DDR vorweisen. 1976 nahm der spätere Trainer und Manager des SSV Reutlingen an den Olympischen Spielen im kanadischen Montreal teil und gewann mit den ostdeutschen Kickern die Goldmedaille. Der seit Jahren in Mägerkingen (rund 1100 Einwohner beherbergt der Trochtelfinger Stadtteil) heimische Gröbner spielte nur im Finale gegen Polen, wurde dort für seinen Leipziger Lok-Klubkollegen Wolfram Löwe in der 69. Minute eingewechselt.

„Ich drücke Betis schon seit 30 Jahren die Daumen. Im Grunde sind die Andalusier mein zweiter Lieblingsverein, hinter Borussia Mönchengladbach“, gesteht Michael Schuster. Der Vorsitzende des SSV Reutlingen Fußball war früher Torhüter, stand beim FC Reutlingen, FV 09 Nürtingen, TSV Pliezhausen und VfL Pfullingen zwischen den Pfosten. Und weil Schuster auf regionaler Ebene kein Schlechter war, wurde ihm in Anlehnung an Italiens Ausnahmekeeper Dino Zoff (heute 75
Jahre alt), der eine ganze Ära in der
 „Squadra Azzurra“ prägte und bei
Juventus ebenfalls zur Legende wurde, der Spitzname „Dino“ verpasst.

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