Schuster tritt beim SSV kürzer

Der Vorsitzende des SSV Reutlingen Fußball, Michael Schuster, reduziert ab sofort sein Engagement bei den "Nullfünfern" und wird sich bei den nächsten Wahlen nicht mehr zur Wiederwahl stellen.

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Michael Schuster wird sein Engagement beim SSV Reutlingen herunterfahren und nicht mehr kandidieren, will aber "helfen wenn ich gefragt werde".  Foto: 

Michael Schuster wird künftig nicht mehr der Hans-Dampf-in-allen-Gassen beim SSV sein. Dennoch will der Funktionär weiterhin dem Traditionsverein zur Seite stehen. "Selbstverständlich bleibe ich dem SSV im Herzen verbunden, laufe nicht davon und werde helfen wenn ich gefragt werde und unterstützen, wenn es meine Zeit zulässt", sagte er auf unsere Anfrage.

Damit spricht der bisherige Vorsitzende ein Problem an, das ihn schon länger beschäftigt, die fehlende Zeit. Seit Mitte vergangenen Jahres ist er wieder in das von ihm gegründete Reutlinger Unternehmen eyevis GmbH, ein weltweit erfolgreiches Software-Unternehmen, als Berater zurückgekehrt. Deshalb und weil er noch viele andere Projekte am Hals habe, "kann ich meine Funktion beim SSV leider nicht mehr mit der gebotenen Tatkraft erfüllen."

Schuster wurde vor genau vier Jahren in den Aufsichtsrat des SSV gewählt und rückte im Juni 2013 in die Vorstandschaft. Im Juli 2014 übernahm er den Vorsitz. In den letzten drei Jahren hatte er immer wieder Löcher gestopft. Einst war er in Reutlingen angetreten, um den SSV "aufs Gleis zu bringen", wie er sagt. Das ist ihm und seinen Mitstreitern im wesentlichen gelungen. Die Strukturen wurden verbessert, neue Sponsoren gewonnen und seit geraumer Zeit geht es auch bei den Jugendmannschaften aufwärts.

Schuster, der sich im Februar nächsten Jahres bei der Mitgliederversammlung (ein genauer Termin steht noch nicht fest) auch nicht mehr zur Wiederwahl stellt, gibt aber auch zu, dass es nicht nur zeitliche Gründe gebe, weshalb er kürzer trete. "Ich habe mich oft als Einzelkämpfer gesehen und bin in meinen Vorstellungen immer wieder gebremst worden."

Die seiner Meinung nach "fehlende Perspektive" beim SSV Reutlingen würde ihm " zu schaffen machen". Damit meint er zum einen die "fehlende Unterstützung durch Sponsoren aus dem Umfeld." Aber auch von der Stadt Reutlingen hätte er mehr erwartet. "In anderen Städten wie Ulm oder Heidenheim funktioniert das besser." Beispielsweise hätte der SSV zu den beiden DFB-Pokalspielen insgesamt 40 000 Euro an Stadionmiete für die Stadt abzwacken müssen.

Um in Reutlingen wieder zu echten Profistrukturen zurückzukehren, würde der Etat "bei weitem nicht ausreichen". Wenn nicht von außen mehr Gelder fließen würden, hätte man für ein solches Vorhaben keine Chance.

"Ich bedaure seinen Rückzug sehr," sagt Karl-Heinz Lang, einer der beiden stellvertretenden Vorsitzenden, der Schuster für seine bisherige Arbeit ausdrücklich lobte. Er habe aber auch Verständnis. Zusammen mit dem anderen Stellvertreter Jürgen Zepf und weiteren Verantwortlichen möchte Lang nun bis zur Mitgliederversammlung einen neuen Vorsitzenden präsentieren. Bis dahin wird das Gremium vom Aufsichtsrats-Vorsitzenden Dr. Karsten Amann und dem Aufsichtsrat tatkräftig unterstützt. Einen Vorschlag für die vakante Stelle gebe es bisher nicht.

Bei der für Februar anberaumten Versammlung steht die derzeitige Vorstandschaft nicht zur Wahl. Sie ist noch für eineinhalb Jahre gewählt. Lediglich der Erste Vorsitzende wird neu gewählt.

Schuster hatte bereits vor knapp zwei Monaten seine Absichten intern geäußert. Erst am Mittwoch erfuhr es die Mannschaft.

"Ich bedaure seine Entscheidung, er hat im Verein einiges bewirkt", sagt Jürgen Zepf und weist auf Fortschritte bei der Jugend und der zweiten Mannschaft hin, gibt aber auch zu "dass wir Fehler im sportlichen Bereich gemacht haben." Die Oberliga-Mannschaft habe die vor Saisonbeginn aufkommenden Erwartungen "nicht erfüllen können". Von einigen Spielern sei er enttäuscht, zudem würden dem Team sogenannte Leitwölfe fehlen. Man benötige "drei bis vier richtig gute Spieler in der Winterpause".

In dieser Woche fanden zudem Gespräche zwischen Verantwortlichen und Mannschaft statt. Dabei wurden die Spieler vor den letzten drei Spielen vor der Winterpause in die Mangel genommen und zu mehr Identität mit dem Verein aufgefordert. "Ich gehe davon aus, dass sich jetzt Jeder am Riemen reißt und das auch sichtbar wird," sagt Zepf.

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