Kirchenrechtler: Zollitsch zuständig

Freiburg.  Der Freiburger Erzbischof Zollitsch steht nicht weiter unter dem Verdacht der Beihilfe zum sexuellen Missbrauch. Trotzdem bleiben Fragen offen.

Die Staatsanwaltschaft Konstanz hat ihre Ermittlungen gegen den Freiburger Erzbischof und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch eingestellt. Der war verdächtigt worden, für den sexuellen Missbrauch von Kindern im Kloster Birnau in den 60er, 80er und 90er Jahren mitverantwortlich gewesen zu sein. Zollitsch war in der Zeit Personalreferent der Erzdiözese und für den Einsatz der Geistlichen zuständig.

Der Vorwurf an Zollitsch lautete, er habe gegen einen Pater nichts unternommen, der 1966 bis 1968 im Kloster Birnau Kinder sexuell missbraucht hat. Er habe auch zugelassen, dass der Pater in den Jahren 1987 bis 1992 erneut im Kloster Birnau tätig war. Die Staatsanwaltschaft begründet die Einstellung des Verfahrens mit der Verjährung der Vorfälle. Deswegen blieb ungeprüft, ob Zollitsch tatsächlich eine Mitverantwortung an den sexuellen Übergriffen im Kloster Birnau trägt.

Dass es die gab, haben die Ermittlungen ergeben. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass der Pater in den Jahren 1966 bis 1968 im Kloster Birnau Kinder sexuell missbraucht hat. Für den zweiten Aufenthalt des Paters von 1987 bis 1992 seien "keine konkreten Missbrauchstaten oder Namen von Geschädigten bekannt geworden", heißt es in der Pressemitteilung. Und das, obwohl bundesweit über die Missbrauchsfälle berichtet wurde. Deshalb fehle "jegliche Grundlage für eine strafrechtliche Verantwortung von Dr. Zollitsch". Selbst wenn Missbrauchsfälle aus nicht verjährter Zeit bekannt würden, "wäre weiterhin der Nachweis erforderlich, dass Dr. Zollitsch vorsätzlich handelte", schreibt die Staatsanwaltschaft.

Die Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariats Freiburg hat stets betont, Zollitsch sei für die Personalbesetzung nicht zuständig gewesen. Die Zusammensetzung der Klostergemeinschaft in Birnau werde vom Abt der Abtei Wettingen-Mehrerau bei Bregenz in Vorarlberg eigenständig geregelt.

Dem widersprechen nach Recherchen der "Badischen Zeitung" zwei Kirchenrechtler: Georg Bier, Professor an der Uni Freiburg, soll Belege haben, dass die Erzdiözese sehr wohl für das Kloster Birnau zuständig war. Dieser Meinung ist auch der US-Kirchenrechtler und Missbrauchsexperte Thomas P. Doyle.


Kommentare (6)

28.07.2010 10:57 Uhr |  dito

Rücktritt bitte!

In Freiburg ist Zollitsch ungefähr so beliebt wie ein Kropf. Denn einen Kirchenvorstand, der Folter und Mord an kranken Mitbürgern mit einem Orden an die Täter verbrämt, braucht in Freiburg niemand.

Anscheinend ist Zollitsch so begierig darauf, sich in Zeiten schwindender Katholikenzahlen mit akademischen Schäfchen zu schmücken, dass er die abscheulichsten Taten mit Orden verbrämt.

Es dürfte wohl kein Zufall sein, dass bundesweit die meisten Kirchenaustritte im Raum Freiburg zu verzeichnen sind.

Erstaunlich, woher Zollitsch die Chuzpe nimmt, Gottes Wort auf Erden zu verkünden. Der Mann sollte zurücktreten. Und der Papst gleich mit. Die ganze verkalkte Organisation der Kirche sollte man bei der Gelegenheit auch abschaffen.Denn die Freiburger Bürger wollten Paul Wehrle.als Erzbischof. Was den Papst allerdings nicht interessierte.
28.07.2010 10:48 Uhr |  dito

Zollitsch, Freund der Sünder

2008 hat Zollitsch dem Rektor der Universität Freiburg Jäger einen Orden des Papstes verliehen wegen der Verdienste von Jäger um die katholische Kirche.

Tatsächlich war in der Amtszeit von Jäger (1995 - 2008) eine evidente Kriminalisierung der Universitätsklinik Freiburg zu beobachten. In allen Fällen wurden die Täter vom Vorstand protegiert. Es darf nur an die dubiosen Verträge der Klinikumsleitung mit den Doping-Ärzten erinnert werden. Und Mertelsmann und Friedl wurden mit Beförderung, bzw. Abfindungen in Millionenhöhe belohnt, nachdem aufflog, dass diese mit unqualifizierten medizinischen Experimenten zahlreiche Patienten schwerst geschädigt hatte. Zweifellos sind Experimente an unaufgeklärten Patienten billiger als Versuche an freiwilligen Probanden.

Bekanntlich zählt das Foltern und Morden von Unschuldigen zur jahrtausendealten Tradition der Kirche. So besehen passt der Orden ja prima.
24.07.2010 01:54 Uhr |  unbekannt

zollitsch ...glaubwürdig ??????????

Z. giebt nur das zu, was mittlerweile nicht mehr zu leugnen ist.
Warum werden nicht die in der Diözese bekannten Alt-Fälle veröffentlicht. Von Verjährung kann man in solchen Fällen m.E. nicht sprechen. Wiedergutmachung durch eine allgemeine Entschuldigung. Das ist doch blanker Hohn. Die Familie eines Opfers ist lebenslänglich mit den Folgen konfrontiert. Unsere Tochter wurde mit 17 Jahren von einem Gemeinde-Pfarrer durch HERATSVERSPRECHEN zu intimen Handlungen verführt. Sie ist seitdem (vor 30 Jahren)nicht zu normalen Liebesbeziehungen fähig. D.h. keine Ehe und keine Enkelkinder für uns. Wir ,die Eltern, haben damit keinen Lebensinn mehr.
Ach, Entschuldigung.....Herr Zollitsch an sowas können sie nicht denken, denn sie wissen ja nicht, wie es ist , wenn man Kinder hat. Schwupp zur Beichte, und alles ist erledigt.
Entschuldigung ...Sie Herr Zollitsch haben unser Leben und unsere Familie zerstört.

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