Krankenkassen schlagen auf
Berlin. Immer mehr Krankenkassen verlangen Zusatzbeiträge. Die ersten überspringen sogar die Schwelle von pauschal acht Euro im Monat.
Die BKK für Heilberufe erhebt von ihren 170 000 Mitgliedern rückwirkend ab 1. Januar den maximalen Zusatzbeitrag von einem Prozent des Lohns. Möglich sind bis zu 37,50 Euro im Monat. Das gleiche hat die Gemeinsame Betriebskrankenkasse Köln (GBK) für ihre 40 000 Mitglieder beschlossen, wie gestern bekannt wurde. Die BKK Westfalen-Lippe verlangt von ihren 24 000 Mitgliedern pauschal zwölf Euro.
Bundesweit haben sieben der 130 Betriebskrankenkassen (BKK) Zusatzbeiträge angekündigt. Die Mehrzahl will allerdings acht Euro pro Monat verlangen. Nur bis zu diesem Pauschalbetrag können sie darauf verzichten, bei jedem Mitglied zu prüfen, ob es die Überforderungsgrenze von einem Prozent des Einkommens übersprungen hat. Daneben hat die DAK einen Aufschlag von acht Euro ab Februar beschlossen, die KKH-Allianz plant dies.
"Das ist notwendig, weil der Geldbedarf da ist", begründete der Sprecher der BKK für Heilberufe, Jürgen Körner, den Beschluss. Seine Kasse habe viele jüngere Versicherte und erhalte geringere Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds als Kassen mit vielen älteren, kränkeren Versicherten. Dagegen erklärte GBK-Vorstandschef Helmut Wasserfuhr: "Wir machen die Ein-Prozent-Regelung, weil das gerechter ist als von allen Versicherten acht Euro zu nehmen - egal ob Student oder Mitglied mit 400 000 Euro Einkommen." Ähnlich begründete die BKK Westfalen-Lippe ihr Vorgehen. Ihre Mitglieder erhalten einen Bescheid über zwölf Euro; wer weniger als 1200 Euro Monatseinkommen hat, muss sich melden und dies nachweisen.
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) ermunterte die Betroffenen zum Kassenwechsel. Die Versicherten sollten prüfen, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis ihrer Kasse stimme. Er will mit den Kassen aber auch ausloten, wo per Gesetz gespart werden kann. CSU-Chef Horst Seehofer forderte die Kassen zu stärkerem Sparen auf.
Im kommenden Jahr droht den ersten Kassen nach Ansicht von Experten die Pleite. Ihre Ausgaben nehmen deutlich zu: 2009 mussten sie für Arzneimittel mit 27,3 Milliarden Euro 5,9 Prozent mehr ausgeben. Honorare der Kassenärzte stiegen um 3,4 Milliarden Euro. Eigentlich hatte ihnen die Politik nur 2,5 Milliarden Euro mehr versprochen.
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Autor: DIETER KELLER | 04.02.2010
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