"Das Gewissen entscheidet"

Als "Mensch" dürfen Ärzte Kranken beim Selbstmord helfen, sagt Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe. Das stößt bei vielen Medizinern auf Protest.

Bei der Sterbehilfe plant die Bundesärztekammer eine Änderung des Berufsrechts für Mediziner. Ihr Präsident Jörg-Dietrich Hoppe erklärte, er stelle sich eine Formulierung vor, wonach ein Arzt als Mensch beim Freitod helfen dürfe, wenn er das "mit seinem Gewissen vereinbaren könne". Zugleich solle aber klar gestellt werden, dass dies "nicht zur Aufgabe des Arztes gehört". Weiter betonte Hoppe: "Wir wollen keinesfalls eine Entwicklung fördern, in der ein Druck auf Schwerkranke entsteht, freiwillig in den Tod zu gehen."

Der Deutschen Hospiz Stiftung geht das zu weit. Damit wachse der Druck auf schwerstkranke Menschen, von einem ärztlich assistierten Selbstmord Gebrauch zu machen, um anderen nicht zur Last zu fallen, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch in Berlin. Wolle die Bundesärztekammer diesen Trend verhindern, habe sie nur eine Möglichkeit: "Sie muss sich strikt gegen ärztliche Beihilfe bei der Selbsttötung aussprechen."

Mit der Änderung wollen die Ärzte ihr Berufsrecht an die Rechtsprechung anpassen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte im Juni entschieden, dass ein Abbruch lebenserhaltender Behandlungen auf der Grundlage des Patientenwillens nicht strafbar ist. Während Politiker das Urteil begrüßten, bezeichneten es besonders Vertreter der katholischen Kirche als ethisch nicht zu rechtfertigen.

Alexander Sitte, Vorstandschef der Deutschen Palliativstiftung, sagt: "Ärzte dürfen beim Suizid nicht assistieren. Das gehört absolut nicht zu ihrer Aufgabe." Sie bestehe darin, dass Menschen während des Sterbeprozesses nicht an Hunger oder Durst leiden und keine unnötigen Schmerzen ertragen müssen. Der Palliativmediziner gibt dem Patientenwillen oberste Priorität. Dies heiße aber nicht, dass der Arzt Beihilfe zum Selbstmord leiste.

Die Gesellschaft für Palliativmedizin sieht dies ähnlich. Einem Patienten beim Suizid zu assistieren, kann nicht zur "einforderbaren Aufgabe des Arztes werden", betont Geschäftsführer Heiner Melching.

Eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe lehnt die Mehrheit der Ärzte ab. Nach einer Umfrage sprechen sich 80 Prozent dagegen aus. 79 Prozent sind davon überzeugt, dass ein Ausbau der Palliativmedizin die Wünsche nach Sterbehilfe verringern würde. kna/fm

1 Kommentar

26.08.2010 21:06 Uhr

Ein falsches Signal der Bundesärztekammer

Die Aufweichung des Verbots für Suizidbeihilfe für Ärzte ist ein falscher und gefährlicher Schritt. Das ärztliche Standesrecht stellt bis jetzt einen starken Schutzwall gegen die Ansprüche eines Teils der Gesellschaft dar, welcher dem Arzt nicht nur die Aufgabe des Heilens, sondern auch des Tötens zuweisen möchte. Denn eins ist klar, wenn die Beihilfe zum Suizid zugelassen wird, dann wird der nächste Schritt der Sterbehilfebefürworter die Forderung der aktiven Sterbehilfe durch einen Arzt, womöglich als einklagbares Recht und natürlich auf Krankenschein, sein. Wenn den Arzt das Berufsrecht nicht mehr schützt, dann wird er zum Vollstrecker des Todeswunsches seiner Patienten, denn nur er hat den Zugang zu den erforderlichen Giften und die notwendigen Kenntnisse, sie richtig einzusetzen. Die richtige Antwort auf den Suizidwunsch der Patienten kann nur Palliativmedizin und hospizliche Betreuung sein.
Weiter Information zum Thema Sterbehilfe unter: http://www.cdl-rlp.de

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