Jazz & Klassik Tage: Dauners Neuauflage des United-Ensembles

An Rente denkt Wolfgang Dauner noch lange nicht: Der 77-jährige Pianist brillierte mit dem erneuerten United-Ensemble. Die "Second Generation" spielte bei den Jazz & Klassik Tagen im vollen Sudhaus auf.

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Das United Jazz + Rock Ensemble war nie so populär und hitträchtig wie Blood, Sweat & Tears, aber fraglos eine der zentralen und musikalisch potentesten Bands des Ende der 60er-Jahre aufkeimenden Jazzrocks. Und das war jene Synthese aus dem improvisatorischen Geist des Jazz und dem energiegeladenen Druck von Rock und RhythmnBlues, die zu einem musikalischen Zeitzeichen der 70er wurde.

Von 1977 bis 2002 gehörte das von Wolfgang Dauner gegründete United Jazz + Rock Ensemble zu den herausragenden Größen in der europäischen Jazzszene. Musiker wie Albert Mangelsdorff, Barbara Thompson, Jon Hiseman, Volker Kriegel, Ack van Rooyen, Charlie Mariano und Eberhard Weber knüpften ein enges Band zwischen Jazz und Rock. Das bewährte Konzept lässt der Stuttgarter Pianist nun mit einer zweiten Generation von Musikern wieder aufleben.

Außer dem Stuttgarter Pianisten ist zwar keiner von der alten Garde mehr dabei, die druckvollen Bläsersätze der Gruppe "United 2" gehen aber gleichwohl ins Ohr. Dass sich in knapp zwei Jahren künstlerisch weniger bewegt als einst in drei Jahrzehnten, scheint zur Arithmetik runderneuerter Versionen zu gehören. Dessen ungeachtet hinterlässt die zweite Generation mit Bobby Stern und Klaus Graf (Saxofone), Claus Stötter, Tobias Weidinger, Stephan Zimmermann (Trompete/Flügelhorn), Adrian Mears (Posaune), Frank Kuruc (Gitarre), Dave King (E-Bass) und Flo Dauner (Schlagzeug) beim Konzert im mit alten Getreuen vollgepackten Sudhaus einen äußerst aufgeweckten Eindruck: Neun großartige Musiker machen da eine vor Vitalität nur so strotzende Musik. Nicht mehr und nicht weniger.

Mit dem hellwachen Fusion-Brecher "Ausgeschlafen" beginnt die Formation das Konzert. Das Klangbild ist überschäumend kraftvoll, die Individualität der instrumentalen Stimmen bleibt selbst in den lauten Passagen gewahrt. Einen Star, eine zentrale Gestalt, gibt es nicht. Auch Wolfgang Dauner spielt sich nicht in den Vordergrund. Die Musiker teilen sich die Präsenz brüderlich und übersetzen Klassiker wie "Capriccio Funky" oder "Feuerwerxmusik" kongenial in ihren musikalischen Kosmos. Lediglich Bassist Dave King, der als einziger für kurze Zeit zur ersten Generation gehörte, fügt sich ohne weitergehende Ambitionen in seine dienende Hintergrundfunktion.

Das United Jazz + Rock Ensemble spielt sich einmal quer durch die Geschichte des Jazzrock. Alte Nummern wie das legendäre "Wendekreis des Steinbocks" oder "Ganz schön heiss man" (eine Anspielung auf Ex-Drummer John Hiseman) klingen wie gerade eben komponiert. Auch die Experimentierfreude kommt nicht zu kurz, wie die Hip-Hop-Nummer "Was geht" von den Fantastischen Vier beweist. Richtig schräg gehts da zur Sache, mit sechs rappenden Bläsern und einem breit lächelnden Bandleader, der noch längst nicht ins deutsche Jazz-Mausoleum gehört.

Alles wirkt im höchsten Maße animierend: das fabelhaft inspirierte Solospiel von Claus Stötter, Bobby Stern, Klaus Graf oder Adrian Mears, das süffige Spiel von Gitarrist Frank Kuruc, der auch in den rasantesten Läufen noch entspannt wirkt. Der nach der Pause zur Band stoßende Roberto Santamaria, der mit seinen Kongas pulsierende Latin-Rhythmen beisteuert und nicht zuletzt Fanta-4-Drummer Flo Dauner, der mit seinem kantigen und kraftstrotzenden Schlagzeug die rockende Mitte der Band bildet.

Tatsächlich kraftmeiert und rockt der Jazz hier ganz gewaltig. Moderner kann der gute, alte Jazzrock in der heutigen Zeit kaum klingen. Ein krönender Abschluss der 15. Jazz & Klassik Tage.

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