Der Luther Schwabens

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  • Der Leiter des städtischen Kulturamts Dr. Werner Ströbele und Ausstellungsmacherin Eva Bissinger haben eine sehenswerte und mit zum Teil seltenen Exponaten bestückten Ausstellung über den Reutlinger Reformator Matthäus Alber zusammengestellt. 1/2
    Der Leiter des städtischen Kulturamts Dr. Werner Ströbele und Ausstellungsmacherin Eva Bissinger haben eine sehenswerte und mit zum Teil seltenen Exponaten bestückten Ausstellung über den Reutlinger Reformator Matthäus Alber zusammengestellt. Foto: 
  • Eine der nur fünf Abschriften der „Confessio Augustana“. 2/2
    Eine der nur fünf Abschriften der „Confessio Augustana“. Foto: 
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Obrigkeitshörig waren die Reutlinger nie. Ganz im Gegenteil. Als der Mönch Martin Luther den neuen Glauben verbreitete, fand er in der einstigen freien Reichsstadt Reutlingen Anhänger und Sympathisanten. Allen voran einen gewissen Matthäus Alber (1495 bis 1570), der 1521 als Prädikant nach Reutlingen kommt und drei Jahre später seinen ersten Gottesdienst nach der neuen Lehre in der Marienkirche hält. Ein Ereignis, das Menschen aus der ganzen Region anzog. Die Marienkirche konnte gar nicht alle Gläubigen fassen, die kamen, wie Quellen glaubhaft berichten.

Im Reutlinger Heimatmuseum wird nun erstmals eine umfassende Ausstellung zu Reutlingens Reformator Matthäus Alber gezeigt, wobei nicht nur der Reformator selbst, sondern auch das gesamte Umfeld aus politischer und geistlicher Sicht beleuchtet wird. Die Reutlinger Ausstellungsmacher um Museumsleiter Dr. Werner Ströbele und Eva Bissinger, Spezialistin für das 16. Jahrhundert, dokumentieren nicht nur die Geschichte umfassend, fundiert und verständlich. Vielmehr ist es ihnen auch gelungen, wertvolle Exponate nach Reutlingen zu holen beziehungsweise aus dem Reutlinger Fundus wieder neu aufzubereiten. Dazu zählen Briefe von Luther an Alber sowie eine der nur fünf deutschen Abschriften des Augsburger Bekenntnisses, das Reutlingen und Nürnberg als einzige freie Reichsstädte unterschrieben. Die Reutlinger Unterschrift leistete dabei der einstige Bürgermeister Jos Weis, in dem Matthäus Alber einen Unterstützer und Verfechter der lutherischen Sache gefunden hatte.

Gerade einmal 4000 Einwohner zählte Reutlingen im Jahr 1517, als Luther seine Thesen an die Kirchentür in Wittenberg schlug. Die Tatsache, dass Reutlingen auch Buchdruckerstadt war, verhalf der Reformation in der Stadt nicht unwesentlich zum Durchbruch. Denn Luthers Schriften und Thesen verbreiteten sich hier. Auch in Reutlingen mehrte sich die Kritik an der damaligen Kirche, wie Dokumente zeigen. Die Priester kümmerten sich nicht um die Gläubigen und versahen ihren Dienst nicht. Weshalb die Stadt eine eigene Prädikatur einrichtete und diese mit Matthäus Alber besetzte. Eine Personal­entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen. Alber versteht sich vor allem als Verkündiger, die Bibel steht im Mittelpunkt seiner Gottesdienste. Es gelingt ihm, nicht nur die Bürger zu überzeugen, sondern auch den Stadtrat, der sich letztlich und allen Anfeindungen seitens der katholischen Württemberger zum Trotz auf Albers Seite schlägt.

Die Ausstellung „Der Luther Schwabens“, die am Sonntag um 11.15 Uhr eröffnet wird, führt die Besucher durch eine bewegte Zeit, in der die Schrift und das Wort zum Machtfaktor wurden und nicht nur die damalige katholische Kirche, sondern auch weltliche Mächte erschütterte. Vergessen werden darf dabei nicht, dass es immer Menschen sind, die, wie Matthäus Alber und auf weltlicher Seite auch Jos Weis, für ihre Überzeugungen ein hohes Risiko eingehen.

In diesem Jahr feiern evangelische Christen das 500. Jubiläum des Thesenanschlags Martin Luthers und damit den Beginn der Reformation. Reutlingen gehört zu den frühen Reformationsstädten Süddeutschlands. Die Tatsache, dass Reutlingen als einzige Reichsstadt neben Nürnberg 1530 das Augsburger Glaubensbekenntnis unterschrieb, gilt noch heute als ein Höhepunkt der Reutlinger Geschichte. Mit zahlreichen Objekten wie vorreformatorischen Gewändern, Büchern und Dokumenten nähert sich die Ausstellung dem zentralen Mann der Reutlinger Reformation und zeigt seine Einbettung in die bewegte Zeit.

Im Matthäus-Alber-Haus wird die Sonderausstellung am Sonntag, 8. Oktober, um 11.15 Uhr eröffnet. Nach einem Grußwort von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch wird Prof. Dr. Jürgen Kampmann von der Universität Tübingen einen Vortrag halten zur Reformationsgeschichte in Reutlingen. Im Anschluss daran führt Eva Bissinger in die Ausstellung ein. Die Ausstellung im Heimatmuseum dauert bis 11. Februar.

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