Und immer wieder Träumer

Reutlingen.  Menschen im Zentrum: Der Rottenburger Künstler Ralf Ehmann zeigt einen Querschnitt mit Arbeiten aus den vergangenen 20 Jahren in der Reutlinger Galerie Pupille - mit Skulpturen, Malerei und Druckgrafik.

Die Begrüßung allein ist ein wahrer Hingucker in der aktuellen Ausstellung der Pupille. Gleich im Empfangsraum warten Ralf Ehmanns Köpfe auf ihren Auftritt. Im Ensemble einfach eine große Gruppe, allein sind sie jeweils für sich ein Individuum.

Ralf Ehmann, 1967 in Tübingen geboren, hat den Menschen und die menschliche Figur in den Mittelpunkt seines Schaffens gerückt, ein gegenständliches Schaffen, das die Tiefe sucht. Schon von klein an - seinen ersten Kopf habe er schon als Fünfjähriger geschaffen, berichtet die Tübinger Kunsthistorikerin Barbara Lipps-Kant - hat ihn die Figur an sich interessiert und bis heute nicht losgelassen. In immer neuen Zyklen arbeitet er sich durch seine Themen. Vor allem Körperlichkeit und emotionale Zustände, auch im Zwischenmenschlichen, ziehen sich als Themen wie ein roter Faden durch die Arbeiten.

Ralf Ehmann lebt in Rottenburg-Kiebingen. Er studierte Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, später auch Malerei, Radierung und bildet sich in Steinbildhauerei und der Bronzeguss-Technik fort. Studienreisen nach Italien, Frankreich und Syrien unterstützen den künstlerischen Weg. So sind nun all diese Formen des künstlerischen Ausdrucks Ehmanns der vergangenen 20 Jahre in einer Werkschau verbunden.

Nicht überladen, wohl auserwählt, eine harmonische runde Sache. "Sie stehen Pate für das Ganze", so Lipps-Kant. Hier trifft Kalk und Carrara-Marmor auf Leinwand, Papier und Stein. Und doch erkennt der Betrachter eine Handschrift. Menschen, wohin das Auge blickt. Porträts aber auch Tänzer, Schwangere, ein Klavierspieler, zwei Männer beim Boxen, drei nackte Grazien in Strapsen und immer wieder Träumer.

Ralf Ehmann gibt in seinen Ansichten aber nicht alles preis. Vielmehr verbirgt sich seine Gestalt und damit auch die Aussage oft in Fragmenten. Die Arbeiten, ob Malerei oder Skulptur, leben von der Andeutung, dem Feinsinnigen, der dichten Interpretation. Er widmet sich Zyklen wie zu "Hölderlin", "Mörike", "Hubert Schlichter" und "Labyrinthos", erkundet den Tanz und die Bewegung, zu der der Mensch fähig ist.

In seinen Skulpturen hinterlässt er "Spuren vom aufregenden Entstehungsprozess". Er arbeitet nicht immer alles gleichermaßen scharf heraus, überlässt dem Betrachter noch weitere Gedankengänge, lässt das Arbeitsmaterial auch in seinen natürlichen Formen, wie es scheint. In seinen Zeichnungen und Druckgrafiken widmet er sich allerdings auch anderen Themen. Hier sind es Gebäude und architektonische Komplexe, die ihn gefesselt haben. Abrissgebäude, die sich einer Veränderung unterziehen - nichts Naturgegebenes, sondern etwas vom Menschen Geschaffenes, das sich wie der Mensch selbst im Wandel befindet.


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Autor: MARIE-LOUISE ABELE | 08.09.2010

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