Subtile Saitenkunst

Reutlingen.  Katrin Klingeberg und Sebastián Montes boten ein besonderes Konzertereignis. Das Duo erhielt viel Aufmerksamkeit und Applaus bei seiner exzellenten Darbietung "neuer" Musik für zwei Gitarren.

Seit 2004 spielen sie zusammen: Katrin Klingeberg, vielfach ausgezeichnete junge Gitarristin aus Reutlingen, und der aus Chile stammende Konzertgitarrist Sebastián Montes. Nun konnte Veit Erdmann sie für einen Musica-Nova-Abend gewinnen mit einem Programm, welches das Spektrum neuer Musik für zwei Gitarren anschnitt, in so bewährter wie angenehmer Weise moderiert vom künstlerischen Leiter persönlich.

Die Vielfalt der Stile prägte den Abend. Wechselnde Gestalten tauchten auf in der "Sonata Fantasia" von Duan Bogdanovic, einer ausgesprochen "gitarristischen" Komposition, die von den Spielern eine perfekte Beherrschung aller Techniken ihres Instruments verlangt bis hin zur Mikro-Feingestaltung des Klangs, zelebriert auf lyrischen Inseln inmitten rauer Bewegung. Klingeberg/Montes boten dieses Stück auswendig als suggestive Essenz des Gitarrenspiels.

Die folgenden Stücke forderten den Hörer: Bei Maurice Ohanas "Anonyme XXe siècle" konnte man raten, was für ein "Anonymus des 20. Jahrhunderts" diese auch in Momenten der Stille sprechende Klangrede zu zweit halten mochte. Auch die Formeln, die Karlheinz Stockhausen seinen zwölf Sternzeichen-Miniaturen des "Tierkreises" zugrunde gelegt hat, waren nicht unmittelbar auszumachen, eher schon die (angeblichen) Charakterzüge der Sternzeichen, die gekonnt als subtile, durchweg klangschön ausbalancierte Skizzen nachgezeichnet wurden.

Das Motto "due musici" stammt von Jana Obrovskas gleichnamigem Stück von 1972, das den ersten Teil des Abends beschloss. Es lebt von unvermittelten Kontrasten, die die beiden Gitarristen - trotz aller komponierten Dissonanz - gleichsinnig konzentriert und verinnerlicht umsetzten, mit einer nahezu perfekten Technik und einem tiefen gemeinsamen Gespür für Stimmungen, Nuancen und Atmosphäre.

Der zweite Teil beeindruckte mit fast eingängigen, dabei sehr charakter- und anspruchsvollen Werken. Eine ganze Welt entfaltete das Duo in Jacob ter Veldhuis "Diapason": Da konnte man sich einspinnen lassen in Saiten-Traumwelten mit fernen Anklängen an Spanien, deren Töne warm und rund durchgestaltet waren bis in den Nachklang hinein, mittendrin unvermittelt herausgerissen in harte Auf- und Ausbrüche mit raschem Puls und schneidender Schärfe.

Geradezu meditativ-minimalistisch wirkte danach Phillipp Houghtons "Wave radiance - colour: the skin of resonance" aus dem Jahr 2003 - ein akustisch-poetisches Ereignis, dessen Struktur und faszinierende Raum-Klang-Wirkung auf einem vielfach wechselnden, sanft an- und abschwellenden Pochen und Pulsieren der Saiten beruht, das mit äußerst kontrollierter Fingertechnik und subtilem Klangsinn von Klingeberg und Montes zu farbiger Entfaltung gebracht wurde.

Anders als etwa in Obrovskas "due musici" treten in Leo Brouwers "Per suonare a due" (Zu zweit zu spielen) die beiden Gitarristen in eine echte Zwiesprache, die auch Konflikte nicht scheut sowie Rufen, Schnalzen, Mimik und Gestik mit einbezieht; ein Paradestück für das Duo "KM". Den abschließenden Satz "Grand pas de deux" mit seinen klassischen (Stil-)Zitaten, harmonischen Episoden und provozierenden Störmanövern setzte das Duo als spannendes Zweier-Finale mit viel Spielwitz und Esprit in Szene, getragen von seinem außergewöhnlichen Können. Frenetischer Beifall, eine Zugabe.


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Autor: SUSANNE ECKSTEIN | 10.02.2012

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