Schalke trifft die Borussia
Pfullingen. Zum ökumenischen Osterempfang von Protestanten und Katholiken hatten die Veranstalter zwei Kabarettisten aus dem Ruhrgebiet eingeladen. Sie inszenierten in den Hallen ein "Heiligen-Beruferaten".
Schon zum dritten Mal und erneut am zweiten Samstag nach Ostern hatten die evangelische, die katholische und die evangelisch-methodistische Kirche in Pfullingen zu ihrem "eigentlichen Neujahrsempfang" eingeladen, so Martinskirchenpfarrer Martin Sauer, denn: "Ostern ist für uns das wichtigste Fest im Jahr!"
Sieben Männer im Stil der Comedian Harmonists machten den Auftakt, am Klavier begleitet von Dorothee Berron. Sie vertonten das Gedicht vom "Warzenschwein" ("das trank so gern den schwarzen Wein"). Ebenso prächtig harmonierten sie mit dem "Männer-Boogie-Blues", den Uli Führe geschrieben hat. Und so brachen sie beiläufig auch noch "die Herzen der stolzesten Fraun", brillierten am Ende vor 350 Besuchern mit dem Evergreen vom "kleinen grünen Kaktus".
Ein besonderes Schmankerl hatten sich die Veranstalter für den Haupt-Part einfallen lassen: Ruhrpott-Comedy vom Feinsten mit Ulrike Böhmer und Micki Wohlfahrt. Die beiden westdeutschen Originale sind landauf, landab unentwegt mit ihrem "Ökumenischen Kirchenkabarett" unterwegs, begeistern das Publikum mit ihren Späßen ebenso wie das Programm eine spielerische Lehrstunde zur Kirchengeschichte ist - der protestantischen wie der katholischen.
Ulrike Böhmer gab die "Erna Schabiewsky", die mit ihrem Borussia-Dortmund-Schal in die Halle hereinspaziert, wie immer mit dem altmodischen karierten Hut, ihrem biederen roten Strickkostüm, der grauen, viel zu großen Damenhandtasche und ihren lustfeindlichen transparenten Kniestrümpfen.
Erna lästert, bevor es biblisch wird, "über die Bekloppten aus Wanne-Eickel, die einem Verein in Blau-Weiß anhängen, den ich gar nicht erst beim Namen nennen will": Gemeint hat die katholische Erna Schalke 04 - was jedoch Karl Koslowski (Micki Wohlfahrt) auf die Palme bringt. Der ist eingefleischter Schalke-Fan, dazu noch Protestant.
Er revanchiert sich bei seinem Einmarsch in den Vereinsfarben Blau-Weiß damit, dass er das ostwestfälische Dortmund nur "die verbotene Stadt" nennt - und gleich noch eins drauflegt: "Ich sag dazu nur Lüdenscheid-Nord." Beide sind sie in ihren Kirchengemeinden sehr aktiv, könnten gegensätzlicher kaum sein, sollen aber ein ökumenisches Treffen im Pott organisieren. Die Pastoren und Priester lassen sich derweil für die Vorbereitungstreffen praktisch immer entschuldigen. Weibliche Geistliche tun das, indem sie vorgeben, auf liturgischen Tanzkursen zu seien, die Männer, gleich welcher Kirchenfraktion, melden sich immer rechtzeitig zu Abend- und Messwein-Proben ab.
Das Pfullinger Publikum ist begeistert von diesem - durchaus auch bissigen - Humor, und es freut sich natürlich immer besonders, wenn der - etwas bildunsbenachteiligte - Karl Koslowski unentwegt von dem (Ökumene)-Projekt spricht: Für ihn ists die "Ökke-ne-Mähne". Doch Erna und Fritz müssen nun unbedingt, ganz auf sich alleine gestellt, als Ehrenamtliche ein Gemeindefest für die Kirchgänger beider Konfessionen organisieren, samt Rahmenprogramm. Nur Eines steht dabei schon fest: Karl wird dort Bier verkaufen - auf keinen Fall Dortmunder, versteht sich. Und Erna wird Kuchen backen.
Im Verlauf ihrer munteren Dialoge prallen Weltanschauungen aufeinander - doch am Ende kommt man zueinander. Und damit beide voneinander lernen können, veranstalten sie ein Quiz, bei dem auch das Publikum viel Neues über die jeweils "andere Seite" erfährt.
So sind Heilige zu raten. Gemein findet das Karl, denn Protestanten haben mit Luther ja nur einen davon. Und so brilliert die Katholikin Erna Schabiewsky mit der ganzen Palette - vom Hubertus bis hin zum Franz von Assisi. Der Applaus am Ende ist groß, und wahrscheinlich waren die beiden Westköpfe nicht zum letzten Mal in Pfullingen.
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Autor: JÜRGEN HERDIN | 20.04.2010
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Erna mit Dortmund-Schal: Die schwatzhafte Katholikin verehrt ihre Heiligen - und die Borussia. Foto: Jürgen Herdin
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