Nah dran am Geschehen

Reutlingen.  Es bleibt eine Erfolgsstory - 2011 kamen 46 000 Besucher ins franz.K, mehr denn je. Im Mai 2012 steigt die 1000. Veranstaltung. Doch die "City Nord"- Pläne könnten das Zentrum bedrohen (siehe Lokalseite).

Mit Blick auf die hervorragende Bilanz gab sich das franz.K-Team um Geschäftsführer Andreas Roth dennoch recht zuversichtlich. Der Anstieg der Besucherzahl auf 46 000 (im ersten Jahr 2009 waren es 40 000), die gleichbleibend hohe Schlagzahl von 280 Veranstaltungen pro Jahr: Das alles zeigt - das Ende 2008 eröffnete Kulturzentrum hat sich längst etabliert. Es brummt.

Sorgen macht sich das Team aber wegen der Pläne zu "City Nord". Falls der Durchbruch der Burkhardt+Weber-Straße zur Gutenbergstraße kommt, werde das bisherige Hinterhofareal des franz.K wegfallen. Das aber ist als Auffangplatz für Notevakuierungs-Szenarien unersetzbar. Wenn der Durchbruch kommt, fürchtet Roth, sei gar die Betriebserlaubnis des franz.K gefährdet (siehe Reutlinger Seite).

Doch zurück zur Erfolgsgeschichte: Auch qualitativ sieht Roth eine stetige Weiterentwicklung. Das franz.K bekomme inzwischen "auch Angebote bekannter Künstler und renommierter Agenturen", von hochkarätigen Interessenten also, die bisher Reutlingen als Veranstaltungsort noch nicht auf dem Schirm hatten. Das, ergänzt Birgit Honigberger, mag auch am "Wohlfühl-Faktor" liegen, den das franz.K ausstrahlt. Vor allem aber auch am "offenen und begeisterungsfähigen Publikum", so Roth: Das Großstadtpublikum andernorts sei "deutlich satter" drauf. Die Besucher kommen vorwiegend aus den Landkreisen Reutlingen und Tübingen, aber auch "aus ganz Baden-Württemberg", berichtet Roth. Sogar aus Stuttgart pilgern Fans nach Reutlingen - so etwa zum bald ausverkauften Konzert des Liedermachers Gisbert zu Knyphausen (wie berichtet).

Die Reihe "Spotlight Soziokultur", das Festival Kultur vom Rande, 20 Jahre Figurentheater, das Konzert der Grammy-Preisträgerin Susana Baca (die auch Kultusministerin war), der innovative Zyklus "Sonic Visions" - das unter anderem waren laut Roth die Glanzlichter 2011. In der Kabarettsparte, ergänzt Rita Lorenz, gastierten hier Größen wie Hagen Rether, Andreas Reber und Jochen Malmsheimer. Auch im Pop-Sektor, findet Holger Kesten, spielt das franz.K in der "national ersten Liga" mit: Mit Namen wie Jupiter Jones, Kraftklub und der "Radau & Rabatz"-Reihe sei Reutlingen "ganz nah dran am Geschehen".

Wirtschaftlich gesehen, schreibt das franz.K "eine schwarze Null", sagt Andreas Roth. Mittlerweile umfasst das Team sieben Stellen, verteilt auf zehn Mitarbeiter. Vor allem: Der Eigenfinanzierungsanteil bleibt ungewöhnlich hoch: Er lag 2009 bei 55 Prozent und dürfte nun bei rund 60 Prozent liegen. Auch der Kulturverein franz.K - einst im Oktober 2008 gerade mal ein Häuflein von 25 Unentwegten - meldet heute über 250 Mitglieder, wie der Vorsitzende Karl Grüner berichtet.

Der Etat (2009: 800 000 Euro) liegt mittlerweile bei 950 000 Euro, die Stadt übernimmt davon 311 000 Euro (2009: 291 000 Euro). Um flexibler zu sein, erwägt man für einige Veranstaltungen einen optionalen "Rückbau" der Bühne - und damit verbunden eine Erweiterung des Zuschauerraums um zwei Reihen (40 Plätze), so dass die Gesamtplatzzahl bei Bedarf von 343 auf rund 400 erhöht werden kann.

Der kontinuierlich wachsende Zuschauerzuspruch bestätigt jedenfalls die interkulturelle Konzeption des Teams. "Es lässt nicht nach", sagt Roth zum Publikumsinteresse, "dabei sind wir im Partysektor so gut wie gar nicht aktiv."


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Autor: OTTO PAUL BURKHARDT | 03.02.2012

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