Zwei Ruhepole für Neuhausens neue Ortsmitte

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Metzingens OB Dr. Ulrich Fiedler, Neuhausens Ortsvorsteherin Lilli Reusch, Rolf Schäfer vom HG-Markt und Konrad Berger, Chef vom städtischen Planungsamt, sitzen auf einer der Bänke an der Salonkreuzung Probe.  Foto: 

Sechseinhalb Monate war Neuhausens Ortsdurchfahrt gesperrt, weil die Salonkreuzung umgebaut wurde. Fast ebenso lang hagelte deswegen munter Kritik ein auf die Stadtverwaltung. „Es ging nicht nur darum, was gebaut wird, sondern wie“, erinnert sich Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler an diese Zeit, in der es ihm ähnlich erging wie jedem Fußball-Bundestrainer, der sich vor einem Spiel einer Expertenrunde, bestehend aus 80 Millionen Besserwissern, gegenübersieht.

So viele waren es im Falle der Salonkreuzung nicht, doch die Bauzeit wird ihm auch als „Wechselbad der Gefühle“ im Gedächtnis bleiben. Außer den Kritikern gab es immer wieder auch Zuspruch, für den sorgte oftmals Rolf Schäfer, der als Betreiber des HG-Markts immer ganz dicht dran war am Geschehen. Ohne die Möglichkeit, mit dem Auto durch den Ort zu fahren, sahen sich viele Einzelhändler von ihren Kunden abgeschnitten.

Rolf Schäfer musste diese Zeit ebenso wie alle anderen überstehen, aber sich deswegen immerzu aufregen? „Was willst du denn dagegen tun?“, fragt er pragmatisch, nachdem die Bauarbeiten vorläufig abgeschlossen sind.

Nur noch der Feinbelag fehlt, doch ehe der auf die Fahrbahndecke aufgebracht und die Ortsdurchfahrt nochmals für vier bis fünf Tage gesperrt wird, warten die zuständigen Behörden die Sanierung der B 28 ab: „Es wäre ja sinnlos, wenn erst der Feinbelag drauf käme, und dann 30 000 Autos täglich drüberfahren.“ Nicht nur Autos, auch schwere Lastzüge.

Etwas bundestrainerhaftes hatte OB Fiedler gestern dennoch: Er nahm auf der Bank Platz. Wegen dieser halbkreisförmigen Holzbank an der Salonkreuzung und ihres ihr gegenüber stehenden Pendants trafen sich gestern nämlich OB Fiedler, Konrad Berger, Neuhausens Ortsvorsteherin Lilli Reusch sowie Rolf Schäfer. Keineswegs nur zum Probesitzen, was angesichts der sich kurzzeitig zeigenden Sonne durchaus eine angenehme Variante gewesen wäre, der Schärfe des Alltags einen Zahn zu ziehen. Sie setzten sich vielmehr deswegen hin, weil es Rolf Schäfer war, der einen Teil der Bank finanzieren half. Um exakt zu sein, sind beide Bänke zusammen insgesamt elf Meter lang, zweieinhalb Meter entsprechen dem Gegenwert von 1500 Euro, und genau so viel hat Rolf Schäfer der Stadt gespendet.

Das Geld stammt vom Einweihungsfest der Salonkreuzung. Der halbe Ort kam an jenem 8. Dezember zusammen, einige haben sich eine Rote Wurst gegönnt, die Rolf Schäfer mit seinem Team verkauft hat. Und als Schäfer am 1. April das 30-jährige Bestehen seines HG-Markts ebenfalls mit einem kleinen Fest feierte, bewirtete er wieder. Die Einnahmen beider Tage wollte er spenden, denn „eigentlich lebe ich von meinem täglich Brot“, sagt er, also vom HG-Markt. „Wir haben durch den Umbau gewonnen“, resümiert er und ist froh, dass sich die Befürworter eines Kreisverkehrs nicht durchsetzen konnten: „Sonst hätten wir den Verkehr direkt vor der Tür.“ Und über den schönen Platz würden Autos fahren. So sei es besser.

Er beobachtet oft, wie sich Kunden von ihm nach dem Einkauf auf ein Schwätzchen auf einer der Bänke niederlassen: „Das hier“, sagt er und deutet mit ausgebreiteten Armen auf den Platz, „ist doch ein Genuss“. Seine Kunden kommen aus Walddorfhäslach und Nürtingen bis aus Zainingen, und wer bei ihm einkauft, geht auch zum Metzger oder zum Bäcker. Für Ortsvorsteherin Lilli Reusch ist das ein gutes Zeichen: „So entsteht eine belebte Ortsmitte“, sagt sie.

Ab kommender Woche wird der Ort ungewollt belebt: Wenn die B 28 auf Höhe Neuhausens gesperrt und der Durchgangsverkehr dann durch Neuhausen geleitet wird. Auch dem kann Rolf Schäfer bei genauerem Hinsehen etwas Gutes abgewinnen: „Dann sieht man mal, wie schön wir es hier sonst eigentlich immer haben.“

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