Zeit für Most und Saft

Jetzt wird es auch dem Letzten klar: Der Herbst steht vor der Tür. Warum? Weil die Mostpresse in Glems seit Samstag wieder in Betrieb ist.

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Andreas Seiz (links) und Hermann Glöckler bei der Arbeit in der Glemser Mosterei. Foto: Norbert Leister

Es sind die frühen Apfelsorten, die sechs Obstbaumbesitzer am vergangenen Samstag zu Andreas Seiz und Hans Ulrich zum Mosten gebracht haben.

Hermann Glöckler war einer derjenigen, der schon mal mit einer ersten Fuhre in der Obstpresse hinter dem Obstbaumuseum in Glems vorgefahren war. Auf seinen Most will der Glemser auch in diesem Jahr nicht verzichten - und schon gar nicht die Äpfel auf dem Gütle vergammeln lassen. "So weit kommts noch, wir sind ja schließlich Schwaben", so Glöckler.

Wie man daraus unschwer ableiten kann, ist des Schwaben Nationalgetränk nach wie vor begehrt - ob als Most oder eigener Apfelsaft. Dass letzterer wieder in der Achtung gestiegen ist, dazu hat wesentlich die "Bag-in-Box"-Abfüllmaschine des Obstbaumuseums beigetragen. Der erhitzte Saft fließt dort direkt in Plastikbeutel und wird dann in Kartons verpackt. Eine geniale Idee, die dazu beiträgt, dass das Obst auf zahlreichen Obstbaumgrundstücken wieder eingesammelt wird. "Des isch ebbes für Kinder", ruft da zwar ein Urschwabe dazwischen, der gerade die Äpfel für sein diesjähriges Mostfässle von Andi Seiz pressen lässt.

Doch diejenigen, die auf den vergorenen und mitunter ganz schön sauren Most setzen, sind hier eindeutig in der Minderheit, wie die vergangenen Jahre gezeigt haben: "Das sind nur noch zehn Prozent von allen, die hier ihr Obst pressen lassen", sagt Seiz als Glemser Ortsvorsteher und Metzingens städtischer "Presse-Beauftragter". Um 8. 30 Uhr stand er am Samstagmorgen zusammen mit Hans Ulrich bereit, um die ersten Äpfel in Empfang zu nehmen. Es war ein ruhiger Vormittag, nur sechs Anlieferer wollten ihr Obst gepresst haben. Doch das wird sich schnell ändern, an den kommenden Samstagen.

"In 14 Tagen bis drei Wochen, gehts hier richtig rund", sagt Andreas Seiz. Abfüller Hans Ulrich erinnert sich an das zurückliegende Jahr, "da bin ich morgens von 8 bis 2 Uhr nachts hier gestanden". Natürlich erging es Seiz da nicht besser - was aber auch leicht zu erklären ist: Wenn das Obst reif ist, dann muss es verwertet werden.

So gemütlich wie am vergangenen Samstag wird es dann also nicht mehr zugehen. Eigentlich schade, denn da blieb noch ein wenig Zeit zum "Schwätzle". So manche Anekdote wurde da weiter gereicht.

Wie diese etwa: "Als mein Großvater 82 Jahre alt war, hat der Doktor zu ihm gesagt, er solle doch lieber auf den Most verzichten", berichtet Hermann Glöckler. "Dann will ich nicht mehr leben, hat mein Großvater dann zum Arzt gesagt." Und selbst einen Geheimtipp seiner Frau gab Glöckler noch zum Besten: "Ich soll den Trester von den Äpfeln mitbringen, das soll gut für die Hortensien sein." Warum? Die Reste des Obstpressvorgangs seien gut als Dünger "und sollen auch noch Krankheiten von den Hortensien weghalten".

Doch wie sieht es eigentlich mit der diesjährigen Obsternte aus? "Gut", sagte Andreas Seiz. Zwar gebe es große regionale Unterschiede, selbst von Baumgrundstück zu Baumgrundstück seien die erkennbar. Doch im Großen und Ganzen geben die Glemser Streuobstwiesen wieder jede Menge Äpfel her. "Und das obwohl in den vergangenen beiden Jahren die Ernte auch immer gut war."

Erklären könne das eigentlich keiner. Die Regel, dass nach zwei Jahren guter Ernte mindestens ein schlechtes Jahr komme, stimme zumindest für Glems nicht. Nur bei den Birnen, da sehe es dieses Jahr richtig mau aus - "maximal zehn Prozent vom sonstigen Ertrag gibt es da", so Glöckler.

Woran das liegt? "Die Birnbäume haben nicht zur richtigen Zeit geblüht", erklärt Seiz. Dadurch fiel die Bestäubung fast komplett aus. "Mein Opa hat immer gesagt: Wenn man die Blüten mosten könnte, das wäre gut", lacht Hermann Glöckler nur.

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