Wenn roter Most im Glas perlt

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  • Horst Wahl schenkt schon mal einen guten Schluck Schwabengold ein: Ab dem 16. September steht er wieder an der Presse in der Glemser Mosterei. Um einen süffigen Most zu erhalten, sagt er, braucht es vor allem gutes, reifes Obst. 1/2
    Horst Wahl schenkt schon mal einen guten Schluck Schwabengold ein: Ab dem 16. September steht er wieder an der Presse in der Glemser Mosterei. Um einen süffigen Most zu erhalten, sagt er, braucht es vor allem gutes, reifes Obst. Foto: 
  • Saft in der Box ist ein Renner. 2/2
    Saft in der Box ist ein Renner. Foto: 
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Rhabarber im Most? Das schmeckt, sagt Horst Wahl. Auch Cranberrys hat der Glemser schon in das urschwäbische Getränk gemischt. Wahl ist experimentierfreudig, wenn es um den vergorenen Apfelsaft geht und liegt damit voll im Trend. Gerade die Jungen, die den Most und seine Qualitäten langsam wiederentdecken, begeistern sich für solche Zusätze: „Die sind auf den Geschmack gekommen“, sagt Wahl. Vorbei sind die Zeiten, da  jeder Schluck des Schwabengoldes herb und sauer die Kehle hinunter rann, um anschließend die inneren Organe zu plagen.

Keine faulen Früchte

Um den Wohlgeschmack des Getränks zu heben, setzen Kenner inzwischen auf Druckfässer, berichtet Wahl. Mit ihrer Hilfe lässt sich der Gärprozess individuell steuern: Von eher süß bis richtig räß ist alles möglich. Um gute Qualität zu erzielen, braucht es freilich erst einmal den richtigen Rohstoff, den Horst Wahl wie folgt beschreibt: „Gutes, reifes Obst“. Kenner bevorzugen eine Mischung aus verschiedenen Sorten und lassen ihre Finger von faulen Früchten. Die Älteren geben in der Regel einen gewissen Anteil Birnen mit hinein, die Jüngeren setzen eher auf den puren Apfelsaft, da sich dieser später besser mit anderen Ingredienzien mischen lässt. Besonders beliebt, weiß Wahl, ist hierzu Süß- oder Sauerkirschsaft, am Ende perlt dann roter Most im Glas.

Ein Knochenjob

Wer sein eigenes Obst verarbeiten möchte, kann sich ab sofort einen Termin in der Glemser Mosterei reservieren, das geht unbürokratisch per Telefon bei Horst Wahl, (0 71 23) 20 08 12. Der erste Öffnungstag dieser Saison ist am Samstag, 16. September, die Presse werfen Horst Wahl und seine Helfer ab 50 Kilo an. Maximal sieben Zentner Obst können auf einmal verarbeitet werden. Wer möchte, erhält seinen Süßmost im Fass oder in der Bag-in-Box-Variante. Aufs Abpacken können die Kunden warten, das geht relativ schnell, sagt Wahl. Übrigens besteht in der Glemser Mosterei auch die Möglichkeit, bereits ausgegorenen Most in handliche Boxen abfüllen zu lassen.

In den Kartons landet nur Saft aus dem eigenen Obst, „das garantieren wir“, betont Horst Wahl. Wer den Geschmack variieren möchte, kann die Zutaten selbst mitbringen oder sie bei Horst Wahl erwerben: „Wir verstehen uns schließlich als Dienstleister.“ Wahls jüngster Coup ist selbst produzierter Holunderblütensaft, den er in einer anderthalb Liter fassenden Box anbietet: „Als Zutat in den Apfelsaft.“ Auch das, sagt er, ist ein Versuch, die Schwaben wieder auf den Mostgeschmack zu bringen.

Glemser Chefmoster ist Horst Wahl seit 2015, als er das Amt von Andreas Seiz übernahm. Um die Arbeit zu bewältigen, gehört ein ordentliches Stück Idealismus dazu, denn das Team muss kräftig anpacken: „Wir machen einen Knochenjob.“ Wer schon einmal einen vollen Apfelsack aus dem Kofferraum seines Autos gewuchtet und in eine Mostpresse geschüttet hat, weiß, wovon Wahl spricht. Deshalb bietet der Chefmoster Frauen einen besonderen Service an: Wenn’s gewünscht wird, erledigt das Team alle anfallenden Handgriffe.

Trotz der harten Arbeit schwärmt Wahl von seinem Job: „Bei uns kann jeder stressfrei mosten, hier gibt nicht die Maschine die Geschwindigkeit vor.“ Bis zu fünf Zentner Obst bringen seine Kunden im Schnitt vorbei, einige wenige haben auch 20 Zentner geladen.

Wer will, kann zudem den Trester mit nach Hause nehmen, um ihn später einzuschlagen und Schnaps daraus herzustellen. Einige trocknen die Pressrückstände auch und stellen daraus Paniermehl her, berichtet Wahl: „Das schmeckt hervorragend.“ Trester, der in der Mosterei bleibt, erhält ein Glemser Schäfer. Dessen Tiere freuen sich jeden Herbst über die schmackhafte Ergänzung ihres Futters.

Wer sein Obst zum Mosten vorbeibringen möchte, kann sich bei mit Horst Wahl unter Telefon (0 71 23) 20 08 12 melden. In dieser Saison ist die Mosterei erstmals am Samstag, 16. September, geöffnet. Mindestmenge sind 50 Kilo Obst. Direkt vor Ort besteht die Möglichkeit, den Saft im so genannten Bag-in-Box-Verfahren abpacken zu lassen.

Die Glemser Mosterei liegt direkt beim Obstbaumuseum, das in der alten Glemser Kelter entstanden ist. Anlass für die Museumsgründung  war die 750-Jahrfeier des Metzinger Stadtteils. Der älteste Teil des Museumsgebäudes stammt aus den Jahren 1516 bis 1518. Den Museumsbesuchern sollen historische und fachliche Inhalte rund um den Obstbau vermittelt werden, dank der angrenzenden Mosterei kann auch der Mostbetrieb anschaulich gezeigt werden.  Im Museum gibt es eine Dauerausstellung zu den verschiedensten Themen des Obstbaus. Außerdem gibt es Wechselausstellungen mit aktuellen Themen.

Geöffnet ist das Museum am kommenden Sonntag von 11.30 bis 17 Uhr. Dann ist Tag des offenen Denkmals.

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