Wenn der Vater mit dem Sohn in die Luft geht

Atemberaubenden Formations-Kunstflug präsentiert das Vater-Sohn-Pilotenduo Walter und Toni Eichhorn mit seinen beiden Propeller-Oldtimern. Im Rahmen der 26. Flugtage auf dem Rossfeld sind sie zu sehen.

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Walter und Toni Eichhorn werden beim Fliegerbergfest ihre Luftkunst vorführen. Foto: Jürgen Schelling

Ein kleiner Zivil-Flugplatz im Nordosten Deutschlands. Plötzlich faucht wie aus dem Nichts kommend ein weißlackierter Militär-Jet im Tiefflug über die Runway, zieht dann steil in den Himmel hoch, kehrt um und landet nach einer weiteren Runde.

Jetzt ist das Staunen bei den Zaungästen groß. Denn nachdem die Maschine zum Abstellplatz gerollt ist, erweist sich, dass der vermeintliche Militär-Jet wie ein ganz normales Zivilflugzeug a la Cessna oder Piper registriert ist. Lässig klettert der Pilot aus dem Cockpit des Zweisitzers und beantwortet freundlich die Fragen der neugierigen Flugplatzbesucher. Toni Eichhorn aus Bad Camberg bei Frankfurt/Main ist es bereits gewohnt, dass sein ungewöhnliches Flugzeug für Zuschaueraufläufe sorgt. Schließlich wissen selbst Luftfahrt-Experten oft nicht, dass sein rassiger Jet eine seltene italienische SIAI-Marchetti S-211 ist. Einst von ihren Produzenten als Militärtrainer konzipiert, war bereits nach etwa 50 gebauten Flugzeugen schon wieder Schluss mit der Fertigung.

Einige dieser Maschinen wurden entmilitarisiert und fanden als rassige Gebrauchtflugzeuge den Weg zu zivilen Besitzern. Wobei diese S-211 wohl eines der exotischsten "Sportgeräte" der Welt darstellt: Denn Toni Eichhorn absolviert mit dieser Maschine auch spektakuläre Aerobatic-Vorführungen. Wer jetzt meint, Kunstflug wäre doch kein Sport, hat noch nie erlebt, wie Loopings, Rollen, Auf- und Abschwünge an den Flugzeugführern zerren. Bis zu zehn g, also das Zehnfache des eigenen Gewichts, reißen am Piloten. Über die angeblich hohen g-Kräfte bei einem Formel-1-Rennen können professionelle Kunstflieger deshalb nur müde lächeln.

Regelmäßiges Fitnesstraining ist daher Pflicht, schließlich drohen gefährliche Blutverluste im Gehirn und möglicherweise ein Blackout mit fatalen Folgen, falls der Pilot nicht ausreichend trainiert ist. Zudem werden in nationalen wie internationalen Wettbewerben jährlich die besten Kunstflieger gekürt.

Toni Eichhorn jedenfalls genießt diese adrenalinhaltige Form des Fliegens, denn er lebt von und für die Luftfahrt. Im Hauptberuf steuert er als Pilot einen Airbus für die Lufthansa. In diesen Sommermonaten erlebt man ihn nach dem kürzlichen Verkauf seiner SIAI-Marcchetti jetzt aber wieder hauptsächlich mit seinem Propeller-Oldie vom Typ North American T-6, einem ehemaligen US-Militär-Trainingsflugzeug, auf Flugtagen. Auch diese Maschine ist kunstflugtauglich, ein 600 PS starker Pratt&Whitney-Sternmotor sorgt hier für die notwendige Power des Propeller-Klassikers.

Eichhorn Junior verbringt sein Berufsleben ebenso wie einen großen Teil seiner Freizeit quasi in der Luft. Aber er hat das "Flieger-Gen" schließlich auch vererbt bekommen. Vater Walter Eichhorn, früher Boeing-747-Kapitän bei der Airline mit dem Kranich, ist einer der profiliertesten deutschen Piloten von klassischen Flugzeugen. Sogar als Stuntpilot für Tom Cruise im Hollywood-Epos "Operation Walküre" war der ältere der beiden Eichhorns schon im Kino in einer Messerschmitt Me 109 zu sehen. Und dem Berliner Publikum ist er seit vielen Jahren als Pilot auf der ILA-Messe mit Vorführungen verschiedener Messerschmitt-109-Typen bekannt. Darunter gab es auch schon mal eine sogenannte Sicherheitslandung nach Triebwerksproblemen und ein Rollunfall durch das plötzliche Einknicken eines Fahrwerkbeins der Messerschmitt.

Walter Eichhorn hat zwar bereits die "70" überschritten, ist aber drahtig und topfit wie ein Fünfzigjähriger und hat auch nichts von seiner Fliegerleidenschaft eingebüßt. Er steuert genauso wie sein Filius einen Propeller-Oldie aus den Fünfzigerjahren vom Typ North American T-6. Trotz ihres Alters werden Maschinen dieses Typs bis heute in den USA als Rennflugzeuge eingesetzt, auch wenn ihre Maximalgeschwindigkeit mit etwas über 400 Stundenkilometern verglichen mit modernen Jets recht überschaubar ist. Beide Eichhorns zeigen auf den zwei T-6 entweder klassischen Kunstflug in Formation, manchmal sind durch Auflagen der Luftfahrtbehörden aber auch nur sogenannte "taktische Manöver" im Rahmen ihrer Vorführung erlaubt. Spektakulär ist die Luft-Akrobatik aber auf jeden Fall, und die beiden Flugzeuge sorgen mit Hilfe einer Rauchanlage dafür, dass die Figuren auch für die Zuschauer vom Boden aus immer gut erkennbar sind.

Das kunstflugbegeisterte Vater-Sohn-Gespann wird im Rahmen der 26. Flugtage des LSV Rossfeld am 8. und 9. September in Metzingen zu sehen sein.

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