Wehr ist 20 000 Stunden im Dienst

4200 Einsatz- und insgesamt rund 20 000 Dienststunden war die Gesamtfeuerwehr Metzingen im Jahr 2015 unterwegs: zu kuriosen Einsätzen, technischer Hilfestellung, Verkehrsunfällen und als "First Responder".

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Die Feuerwehr ist gut aufgestellt, das freut (von links): Kommandant Hartmut Holder, Kreisbrandmeister Wolfram Auch, Karl-Alfred Niebling, Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler, Thomas Schira, Werner Weiblen, Frank Stiefel, Udo Sykora, Christine Stiefel, Markus Stiefel, Jochen Kullen, Albert Welz und Gunter Hespeler, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes.  Foto: 

"Es gibt bei der Feuerwehr nichts, was es nicht gibt", fasste Kreisbrandmeister Wolfram Auch bei der Hauptversammlung der Gesamtfeuerwehr Metzingen die Anforderungen im Dienst zusammen. "Und immer wird erwartet, dass die Feuerwehr die adäquate Lösung bereit hat". Ob bei der Mannschaftsstärke, bei der Tagesverfügbarkeit oder bei der Qualifizierung: Der Gesamtfeuerwehr Metzingen komme als zweitgrößter im Landkreis eine Schlüsselposition zu.

Die Entwicklung der Wehr liege im Trend der Zeit, erklärte Kommandant Hartmut Holder: "Auch bei uns klaffen immer mehr Lücken." In den Einsatzabteilungen könnte die Wehr mehr Aktive vertragen, so Holder. Zumal beim Übungs- und Einsatzsdienst viel von der Feuerwehr verlangt werde. Die Toleranz bei den Unternehmen stoße an ihre Grenzen.

Ein Lichtblick ist die Jugendfeuerwehr mit ihren derzeit 33 Mitgliedern. Sie ist in der Stadt längst als Jugendorganisation verankert. Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler bedankte sich ausdrücklich für die Arbeit von Frank Stiefel, der nach zehn Jahren die Verantwortung an seinen Nachfolger Sascha Karp weitergegeben hat: "Wir müssen gemeinsam nach neuen Wegen suchen, junge Menschen zu begeistern. Weil wir alle wissen, dass es immer schwieriger wird, die Tagesverfügbarkeit zu schaffen."

Fiedler bedankte sich in Bezug auf die Umstrukturierung der Metzinger Feuerwehr "völlig wertfrei" für die "konstruktiven Diskussionsbeiträge" aus allen Richtungen. Fiedler: "Die Maßnahme (Umsiedlung der Feuerwache) ist komplett durchfinanziert. Wir können einen großen Schritt weitergehen und die Feuerwehr räumlich auf eine völlig andere Ebene heben. Das ist nur recht und billig, wenn man sieht, was an Aufwand, Engagement und Kompetenz hinter jedem Einsatz steckt." Dabei war Metzingen 2015 mit seinen 646 Einsätzen (625 im Vorjahr) ohne jegliche Katastrophen und Großschadenslagen glimpflich davongekommen.

Zu den Höhepunkten gehörte die Anschaffung des mobilen Hochwasserschutz-Systems über 204 laufende Meter, das im Ernstfall von zwei taktischen Einheiten in nur 30 Minuten komplett installiert werden kann. Entsprechend müssten 41 000 Sandsäcke von Hand befüllt werden. Der Innenausbau des Abrollcontainers wurde in Eigenleistung gestemmt. "Seit wir das System haben, gab es kein Hochwasser mehr", so Kommandant Holder. Neu ist seit dem vergangenen Jahr auch ein interkommunales Abkommen zur Organisation der Feuerwehren Metzingen und Dettingen als Gefahrguteinheit 3 im Landkreis. Zuständigkeitsbereich der Einheit ist das Ermstal, das Stadtgebiet Bad Urach bis an die Ortsgrenze Münsingen und die Uracher Alb bis zur Kreisgrenze. Die rund 650 Einsätze, die die Metzinger Gesamtfeuerwehr mit Betonung auf die jungen Wilden (53 Prozent der Einsatzkräfte sind unter 40 Jahren) im vergangenen Jahr geleistet haben, bezogen sich auf 50 Brände, 530 Hilfeleistungen und rund 78 Fehlalarme, bei derzeit 73 aufgeschalteten Objekten mit Brandmeldeanlagen. Die meisten der Alarme erfolgten tagsüber und unter der Woche. Bemerkenswert häufig waren die Einsätze auf der Nordtangente im Abbiegeverkehr auf die Bundesstraße. Ein Fahrzeug überschlug sich Richtung Neuhausen und schleuderte in die Tankstelle am Ortseingang. Im Einsatz war die Wehr auch bei einem Gas-Alarm, ausgelöst durch Tiefbauarbeiten in der Innenstadt. Einer Rentnerin, die sich nächtens unter ihrem Pflegebett verkeilt hatte, eilte die Wehr ebenso zur Hilfe wie einem Schäfchen, das mit einem Bagger aus einem Abwasserrohr mit 25 Zentimeter Durchmesser befreit wurde. Zum Start ins Neue Jahr glänzte die Feuerwehr sogar als Geburtshelfer.

Kommandant Hartmut Holder kommentierte auch die Übergriffe auf Feuerwehr-Einsatzkräfte beim Löschen einer Asylbewerberunterkunft in Bautzen: "Das versteht man als normaler Mensch nicht, als Feuerwehr zweimal nicht." Die Vorfälle seien "beschämend für die Gesellschaft". Auch die Metzinger Feuerwehr werde bei ihren Einsätzen behindert und angegriffen, erklärte Holder. Das reiche von üblen Beschimpfungen, Anspucken, tätlichen Angriffen bis hin zu massiven Bedrohungen. "Opfer, die ausrasten oder Leute, die mit unseren Maßnahmen nicht einverstanden sind", berichtet Holder. Dabei fragt er sich, "welchen Stellenwert man da als Mensch noch hat?" Drei bis fünf Vorfälle im Jahr bringt die Polizei zur Anzeige. Holder: "Bei der Staatsanwaltschaft verläuft das alles im Sande."

Rund 200 Einsätze fuhren die "First Responder" der Metzinger Gesamtfeuerwehr zusätzlich im vergangenen Jahr, mit Verfügbarkeiten von drei bis vier Minuten.

Ehrungen, Beförderungen und Neuaufnahmen

Bei der Korpsversammlung der Metzinger Feuerwehr wurden verdiente Aktive ausgezeichnet. Etwa Albert Welz und Werner Weiblen für jeweils 45 Jahre im aktiven Dienst der Freiwilligen Feuerwehr und als "besondere Stützen" der Abteilung Neuhausen, wie Kommandant Hartmut Holder betonte. Beide erhielten das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze. Die besondere Ehrung mit dem Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber wurde Karl-Alfred Niebling zuteil. Er war 20 Jahre lang Abteilungskommandant in Neuhausen und wechselte jetzt in die Altersabteilung. Holder: "Niebling stand für den Weitblick in seiner Wehr, das Miteinander unter den Kameraden und im Dorf". Auch er bringt es auf 45 Jahre aktiven Dienst. Die Ehrennadel in Gold der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände erhielten für 30 Jahre aktiven Dienst im Spielmannszug Birgit Trautwein und für 25 Jahre als Dirigent Thomas Schira. Mit dem Feuerwehr-Ehrenzeichen in Silber für 25 Jahre aktiven Dienst wurden Hauptbrandmeister Andreas Merz (Abteilung Stadtmitte) und Oberbrandmeister Jochen Kullen (Abteilung Glems) ausgezeichnet.

Die Beförderungen: Frank Stiefel, Markus Stiefel und Jochen Kullen zum Oberbrandmeister, Udo Sykora zum Brandmeister, Gruppenführerin Christine Stiefel zur Löschmeisterin und Michael Möllner zum Oberfeuerwehrmann.

In die Wehr neu verpflichtet worden sind Florian Holzschuh, Felix Thüringer und Güney Özdemir. In die Altersabteilung haben außerdem gewechselt: Herbert Stiefel, Armin Hau, Bernd Lieb und Günther Klingele.

ANE

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