Warmes Licht, blaue Kälte

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Die Dinge sind im Wandel. Weihnachten ist davon leider auch betroffen. Es ist noch gar nicht so lange her, da die Adventszeit bei aller Einkaufshektik und dem beruflichen Jahresendzeitstress wenigstens ein visueller Ruhepol war. Die Tage in dieser Jahreszeit sind kurz, oft verdunkeln Nebel, Regen oder Schneefall die trübe Sonne, und es ist kalt. Wie wohltuend wirkt da eine brennende Kerze, deren kleines flackerndes Licht grobe Schatten an die Wand im Wohnzimmer wirft. An öffentlichen Orten stehen wieder diese Nadelbäume, deren elektrische Kerzen weithin sichtbar sind. Groß und erhaben stehen sie da als könnten sie der ganzen Welt Trost spenden, als wollten sie sagen: Es mag passieren, was will, einer von uns steht auch nächstes Jahr wieder hier an diesem Ort. Weil das schon immer so war und immer so sein wird. Gelblich ist jenes Licht, es strahlt heimelige Wärme aus, und mancher promovierte Lichtdesigner würde einiges dafür geben, gelänge ihm eine Energiesparleuchte, deren Weiß auch nur einen Hauch dieser Wärme versprühte. Weil warmes Licht der Seele gut tut. Insofern passt es ja auch zur Botschaft des Weihnachtsfests, es feiert gerade den, der als das Licht der Welt gilt. Doch um die Wärme scheint es geschehen. Aus den einzelnen Kerzen an den Bäumen wurden Lichterketten, in den Wohnungsfenstern wird der symbolisierte Stern von Bethlehem von Lichteffekten verdrängt, deren Blitzeffekte ans Innenleben eines Flippers aus den 70er Jahren erinnern. In den Gärten hängen blaue Lichterketten. Als ginge es gar nicht mehr um die Seele des Weihnachten, sondern um Väterchen Frost. Eigentlich schade.

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