Von vertonten Bildern bis zur Klassik

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Die Vorbereitungen für das Konzert laufen auf Hochtouren: Das Kammerorchester war auf Probenwochenende.  Foto: 

Im Jahr 1971 ist in Metzingen ein Kammerorchester gegründet worden. Im sechsten Jahr seines Bestehens begannen die Musiker mit einer herbstlichen Konzertreihe, die seitdem ununterbrochen zu hören ist. Jedes Jahr am dritten Sonntag im November werden in der Stadthalle Konzerte aufgeführt. „Es ist klug, die novembergraue Stimmung der Metzinger Bürger aufzulockern“, sagt Susanne Kohler vom Vorstandsteam, „sei es durch beliebte Kompositionen, sei es durch regionale, oft auch überregional bekannte Solisten“.

Musik und Kunst

Am kommenden Sonntag steht nun das 40. Herbstkonzert an. Dabei ist es nicht nur Musik, die zu diesem Jubiläumskonzert geboten wird, sondern diese wird mit Kunst verbunden. Schon einmal gab es eine solche Kooperation, damals zu „Bilder einer Ausstellung“, und auch sonst achtet das Kammerorchester auf Vernetzung mit anderen musikalischen und kulturellen Institutionen. So gab es schon gemeinsame Projekte mit den Kirchen, und auch mit der Musikschule und Musikvereinen arbeitet man immer wieder gerne zusammen. Das Kunstprojekt ist bereits im Sommer mit Kindern über die Bühne gegangen. Die Vorschulkinder vom Kindergarten Albstraße haben sich unter der Leitung von Diana Barth und Gerda Ott mit Paul Klee befasst, sie haben Bilder von ihm nachgemalt. Christine Thomas hat in den Sommerferien einen Kiwi-Kurs zum selben Thema angeboten. Das Kammerorchester spielt die Musik, die zu diesen Bildern komponiert wurde und im Foyer der Stadthalle sind die Bilder zu sehen, außerdem sind auch die kleinen Maler mit dabei.

Der englische Komponist Peter Maxwell Davies hat 1976 „Five Klee Pictures“ geschaffen. „Eine Metzinger Uraufführung,“ wie Oliver Bensch, der seit elf Jahren das Kammerorchester leitet, sagt. „Das Werk sieht eine große Orchesterbesetzung mit vielfältigem Schlagwerk vor und beschreibt mit den reichen instrumentalen Farben fünf Bilder des Malers Paul Klee.“ Auch das gehört zu den Herbstkonzerten des Kammerorchesters: dass man sich neben der Klassik auch einem zeitgenössischen Werk widmet. Die Programmgestaltung ist Bensch ein besonderes Anliegen. Neben der vielfältigen Auswahl von Stilen, Epochen und Komponisten müsse er dabei auch immer die Möglichkeiten und Grenzen eines Laienorchesters im Blick behalten, erklärt er. Wobei er für die Metzinger Musiker voll des Lobes ist, „sie folgen meinen mitunter ungewöhnlichen Ideen stets mit größtem Engagement, diese Offenheit und Begeisterung ist für mich Inspiration und Verpflichtung“.

Doch zurück zum Programm des Jubiläumskonzerts, das drei Werke ganz unterschiedlicher Couleur beinhaltet. Neben den erwähnten Klee-Vertonungen von Maxwell kommt die Suite aus der Schauspielmusik zu dem Drama „Pelleas und Melisande“ von Jean Sibelius aus dem Jahr 1905 zur Aufführung. Sie verfolgt in neun musikalischen Charakterbildern das etwas rätselhafte Drama und beinhaltet stimmungsvolle Naturbilder, Charakterbilder von heiter bis dramatisch. Das melodiöse, Melisande charakterisierende große Englischhornsolo, verbreitet die für Sibelius so typische tiefe Melancholie, erklärt Bensch. Das gewichtige, von düsterer Trauer gezeichnete Tongemälde am Schluss der Suite beschreibt ihren tragischen Tod und lässt das Werk depressiv enden. Mit Mozart steht dann eine unverwüstliche Säule europäischer Kulturtradition auf dem Programm. Er sei natürlich auch für ein Laienorchester immer wieder ein Thema, so Bensch. „Zum einen, weil es beglückend ist, sich spielend mit ihm zu befassen, zum anderen weil dies auch für das Publikum zutrifft.“ Ausgewählt hat Bensch das einzige Konzert für zwei Klaviere in Es-Dur, das nicht ganz so häufig auf den Konzert-Programmen auftaucht. Als Solisten für das Jubiläumskonzert konnte das Orchester Traute Kiuntke und Michael Korneck, beide aus Metzingen, gewinnen. Ein Doppelpack mit einer sehr versierten Solokünstlerin und einem jungen Musiker am Anfang seiner Karriere. Beide sind mehrfach ausgezeichnet und überzeugen mit ihrem musikalischen Können.

Nach dem Konzert sind die Besucher eingeladen, mit dem Kammerorchester im Foyer der Stadthalle das Jubiläum zu feiern. Und auch für die Zukunft hat das Kammerorchester einiges vor, wie Susanne Kohler verrät: So sei es angedacht, sich für Konzerte und Auftritte neue Örtlichkeiten auszuwählen, etwa in Firmen, und natürlich will man weiterhin die Musik fördern und jungen Musikern ein Podium für Auftritte bieten.

Das Kammerorchester Metzingen gibt am Sonntag, 19. November, um 17 Uhr sein 40. Herbstkonzert in der Stadthalle. Außerdem gibt es im Foyer eine Ausstellung von Kindern zum Thema „Five Klee Pictures“. Nach dem Konzert, das nur eine Stunde dauert, sind die Besucher eingeladen, mit dem Kammerorchester bei einem Getränk und Häppchen zu feiern.
Karten gibt es in der Touristinformation, bei der Volksbank Metzingen und Neuhausen und an der Abendkasse.

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