Von der wirklich wahren Liebe

Die Improshow "Theatersport" gibt's nun seit 25 Jahren. Und sie ist nach wie vor ein Publikumsrenner. Zum Jubiläum gab's das Sonderformat "Grenzenlos" - mit weniger Wettkampf, aber genausoviel Sport.

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Normalerweise treten ja beim Theatersport - von Harlekin-Theater und LTT - zwei Teams gegeneinander an. Bei der "Grenzenlos"-Show, die Samstag im LTT Premiere feierte, wurde ein neues Format ausprobiert: ein grenzenloses "Gesamtkunstwerk aus Theater, Tanz, Musik und Malerei". Sechs Schauspieler hangeln sich improvisatorisch an einem roten Faden durch den Abend, ergänzt durch "Live-Malerei" von Mark Krause. Die quirlige Liveband von Matthias Weiß und Bazaar steuert für die klassische Tragödie, die Pilcher-Schmonzette oder den psychoaktiven Ausdruckstanz die passenden Atmo-Klänge bei. Dazwischen bereichert Tänzerin Sandra Dreher-Mansur die Szene. Allerdings gerieten bei der Premiere Malerei und Tanz doch etwas zur Nebensache, trotz der drallen Gewitter auf der Leinwand - und obwohl Sandra Dreher-Mansur ihr Bestes gab, tanztheatralisch dazwischenzufunken.

Und so war's insgesamt ein reizgefluteter, auch nach 25 Jahren knusprig frischer Abend mit knackigen Spontangags, unter den Augen von OB Boris Palmer als Repräsentant der Stadt, die den Theatersport als Kombination aus Kunst und Bewegung finanziell fördert.

Impro-Chef Volker Quandt plaudert anfangs auch mit dem Rathaus-Chef: "Na, war's hart heute?" Palmer: "Sehr hart." Quandt, so schlagfertig wie seine Truppe: "Jetzt wird's noch härter, denn ab jetzt muss man auch noch mitdenken!"

Auch bei der "Grenzenlos"-Sause gibt Volker Quandt den jeweiligen Spielrahmen vor, die Zuschauer entscheiden sich thematisch für die Liebe in all ihren Facetten entschieden: Lust, Frust, Liebe im Alter. Und nach diversen Warm-Ups geht's los mit den altbewährten Parodien, unter anderem ein "erstes Rendezvous" im Rathaus, gespielt im Stil von Loriot: Harry Kienzler als jungfräulich Liebesbedürftiger trifft auf Udo Zepezauer als näselnden "Rendezvousvermittler" und Stefan Töpelmann als "Mitbewerber". Und wie so oft auf dem Rathaus: Nichts passiert, außer dass man über Nichtigkeiten diskutiert. Bis Jakob Nacken als neckisch-erotischer Beau die Sache für sich entscheidet.

Da geht es bei der Tragödie "Schillers Locke" dann schon eher um Leben und Tod. Die in Schwarz gehüllte Mirjam Woggon treibt die Sehnsucht nach ihrem verbotenen Prinzen umher, ihr treuer Ritter d'Amour (Töpelmann) vermittelt, während Sandra Dreher-Mansur durch die Szenerie tanzt wie eine altägyptische Königin. "Mit pochendem Herz im Busen" trifft die Fürstentochter auf ihren heimlichen Lover, aber der erfahrene Ritter weiß, wohin solch jugendliche Leidenschaften führen, vor allem im klassischen Drama: "Wenn die Jugend schwört, ist das Böse schon im Anmarsch." Prompt taucht Udo Zepezauer als herzloser Vater auf, und im allgemeinen Strudel der Leidenschaften kommt's zu "Aufstand, Revolution" und "Freiheit!" - Schiller eben. Die Fürstentochter weiß keinen anderen Ausweg, als den Liebestod per Messerstich.

Schon wird im Publikum das ein oder andere Tränchen verdrückt, da drückt Volker Quandt schon wieder auf die Hupe und lockert die Affekt- und Effekt-Orgie mit Musik und Dollerei auf, mit einer jugendlich-pathetischen Rockoper zum Thema "Herz, Hormone und Auto". Balladen-Alarm in der Autowerkstatt, wo ausdrucksgetanzt und gesungen wird, bis die Wände wackeln.

Die Impro-Truppe zeigt auch hier wieder große Sangeslust, hohe Dichtkunst und pausenlose Bereitschaft zu überraschenden Wendungen, eigenwilligen Charakterausformungen und explosiven Figurenkonstellationen.

Auch in der kitschigen Pilcher-Story, wo Traumschiffkäptn William (Jakob Nacken) seiner Ex-Liebe Rose (Ilka Luza) nachtrauert, die tatsächlich auftaucht, aber das Gedächtnis verloren hat: leichtes Spiel für Williams intrigante Verlobte (Mirjam Woggon), die eine schrecklich schwarze Seele hat. Aber, hach, der wirklich wahren Liebe kommt auch das Böse nicht bei, deshalb gibt's ein Happy End. Die Zuschauer sind auch ganz happy, auch wenn sie wissen: Nächstes Mal ist alles wieder ganz anders.

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